Riskier ich’s oder lass ich’s lieber sein?

Welt am Sonntag, 10.03.2019

Bei Geldanlagen sollte jeder genau wissen, welche Risiken er eingehen kann und will. Nur so lässt sich ein individueller Finanzplan aufstellen und langfristig erfolgreich umsetzen. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum erklärt, welche Anleger-Typen es gibt und mit welchen Strategien sie vorgehen.

Eine der wichtigsten Fragen, die sich Anleger stellen müssen, ist: Welche Risiken darf ich in meiner Situation eingehen und welche Risiken bin ich bereit einzugehen? Denn nur wer weiß, was für ein Anleger-Typ er ist, plant seine Finanzen richtig und bleibt langfristig am Ball. Drei Fragen helfen Sparern und Anlegern, die Antwort zu finden: Wie alt bin ich, wenn ich mit dem Sparen beginne? Wie viel Geld brauche ich? Wie lange dauert meine Ansparphase, also wann brauche ich das Ersparte?

Risikofähigkeit: Welches Risiko darf ich eingehen?

Die Risikofähigkeit hängt unter anderem von der persönlichen Situation und der Anlagedauer ab. Je älter man ist, desto weniger Risiko ist ratsam. Wer mit 50 anfängt, Kapital für seinen Ruhestand anzusparen, hat nur noch gut 10 bis 15 Jahre Zeit dafür. Er darf also nicht mehr voll ins Risiko gehen. Sein Depot sollte aus Aktien und Anleihen mit niedrigeren Risiken bestehen. Teile des Vermögens können aber renditeorientiert angelegt werden, denn schließlich braucht man ja nicht bei Rentenbeginn das ganze Geld auf einen Schlag.

Risikobereitschaft: Wie gehe ich persönlich mit Risiken um?

Anleger mit einer hohen Risikobereitschaft können gut mit den Wertschwankungen ihrer Geldanlagen umgehen. Andere verlieren schnell den Kopf, wenn ihr Depot temporär 5, 10 oder 20 Prozent an Wert verliert. Damit diese ihren Sparplan nicht bei jeder neuen Entwicklung kurzfristig umstoßen, muss er so aufgestellt sein, dass er dauerhaft zum Risikoprofil des Anlegers passt.

"Ziel muss es sein, dass jeder Kunde auch in den schwierigsten Börsenphasen ruhig schlafen kann", sagt Tom Friess, Geschäftsführer des VZ VermögensZentrums. Je nach Vermögen und Risikobereitschaft enthalten die Depots seiner Kunden sehr unterschiedlich Aktienquoten. Tom Friess spricht aus Erfahrung: "Das Leben prägt die Menschen. Ein Unternehmer hat in der Regel ein viel besseres Verständnis davon, was Risiko wirklich heißt. Zum Beispiel, dass die Kurse schwanken, man Geld verlieren kann oder bei einem Börsenboom vielleicht auch mal nicht dabei ist, weil man das Geld in die falsche Anlageklasse gesteckt hat", berichtet er. "Sein Bruder, der Lehrer, hat vielleicht eine ganz andere Sicht auf die Finanzwelt und das Risiko, das sie beinhaltet. Das muss man berücksichtigen." Tom Friess weiß, dass es wenig sinnvoll ist, einem risikoscheuen Anleger riskante Anlagen aufzudrängen. Mit Simulationen kann er Anlegern die tatsächlichen Risiken vor Augen führen und so Ängste abbauen.

Nicht länger aufschieben, sondern agieren oder delegieren

Tom Friess begegnet oft Anlegern, die das Thema Vorsorgesparen immer wieder verschieben oder am liebsten abgeben. "Die meisten Menschen wissen genau, dass sie etwas tun müssen für ihre Altersvorsorge", sagt er. "Nur was, wissen sie oft nicht. Also schieben sie es erst einmal auf. Das aber ist definitiv die falsche Strategie. Man muss sich die Zeit zum Verbündeten machen."

Wer sich dann nicht selbst um seine Geldanlagen kümmert, gibt diese Aufgabe an Vermögensverwalter ab. "Das gilt vor allem für Menschen, die beratende Berufe haben, Ärzte etwa oder Wirtschaftsprüfer", weiß Tom Friess. "Diese Anleger kommen dann oft zu uns und bitten uns, ihr Geld anzulegen, sie aber nicht mit den Details zu behelligen. So wie ein Häuslebauer, der einen Architekten beauftragt, sich aber selbst nicht auf die Baustelle begeben will. Wenn man das so für sich entscheidet, ist das auch völlig in Ordnung."

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