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Renditewerk, 16.07.2019

Viele Stiftungen investieren nach der 70/30-Regel: Mindestens 70 Prozent in Anleihen, höchstens 30 Prozent in Aktien. Doch damit wird es immer schwerer, auf die benötigten Erträge zu kommen. Martin Schulz vom VZ VermögensZentrum hält zwei Aspekte für wichtig: mehr Gestaltungsfreiraum bei der Kapitalanlage und deutschlandweite Vorgaben.

Stiftungen in Deutschland investieren überwiegend in risikolose Geldanlagen. Schätzungen zufolge steckt das Kapital kleiner und mittlerer Stiftungen zu drei Vierteln in Termingeldern, Anleihen oder Liquidität. Fast jede dritte Stiftung hat keinerlei Aktienengagement. Im Großen und Ganzen gilt die 70/30-Regel: 70 Prozent oder mehr in Anleihen, bis zu 30 Prozent in Aktien. Ein Gericht bestätigte, dass diese Anlagestrategie einer Stiftung gerecht würde. Die Stiftungsorgane seien damit auf der sicheren Seite und bräuchten keine Schadensersatzforderungen fürchten. Viele Stiftungen arbeiten nach der 70/30-Regel und haben diese in ihre Anlagerichtlinien aufgenommen. Auch Stiftungsfonds wenden diese für ihre Anlagestrategie an.

Wie zielführend ist die 70/30-Regel?

Renditewerk hat Fondsmanager und Vermögensverwalter befragt, ob die 70/30-Regel und das Gebot des Kapitalerhalts in Zeiten der Niedrigzinsen für Stiftungen noch passend und realistisch sind. Viele halten es für schwierig bis unmöglich, mit althergebrachten Anlagestrategien und hohem Anleihen-Anteil ihre Ziele zu erreichen – damit schafft man also weder genügend Erträge noch Kapitalerhalt. Viele der Befragten sprachen sich dafür aus, die Aktienquote flexibler zu gestalten und die Kapitalanlagen breiter gestreut über mehrere Anlageklassen zu verteilen.

Soll der Kapitalerhalt bleiben?

Fast jedes Bundesland hat in einem Stiftungsgesetz den Kapitalerhalt festgeschrieben. Stiftungen müssen ihr Kapital so anlegen, dass es keine Verluste erleidet. Stiftungsorgane trauen sich oft nicht, ins Risiko zu gehen, unter anderem da sie bei größeren Verlusten persönlich haftbar gemacht werden können. Lediglich in Form einer so genannten Verbrauchsstiftung ist es erlaubt, das Stiftungskapital innerhalb eines definierten Zeitraums für die Zweckerfüllung zu verbrauchen. Doch das möchten viele Stiftungen gar nicht; sie bräuchten mehr Handlungsfreiraum seitens des Gesetzgebers.

Flexibilität und einheitliche Regelungen

Martin Schulz ist Stiftungsexperte des VZ VermögensZentrums. Er erwartet zumindest ein Signal der Politik. "Eine größere Flexibilisierung zur Ausgestaltung von Stiftungsanlagen ist den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschuldet", betont Martin Schulz. "Zudem wäre es ratsam, eine einheitliche Regelung für Deutschland zu finden. Aktuell gibt es 'örtlich' große Unterschiede abhängig von der jeweils zuständigen Aufsichtsbehörde."

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