Gesunder Menschenverstand

Die Stiftung, 25.09.2019

Stiftungen sehen immer größeren Herausforderungen entgegen, vor allem bei Kapitalanlagen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Im "Gesprächskreis Stiftungsfonds" im "Haus des Stiftens" in München sprachen Experten darüber, wie Stiftungen damit umgehen können. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum stellte klar, welche Erwartungen die Stiftungsaufsicht wirklich hat.

Die Vorstände und Anlageverantwortlichen von Stiftungen haben es nicht leicht. Sie sollen dafür sorgen, dass die Stiftung rechtliche Vorgaben erfüllt – zum Beispiel beim Datenschutz – und bei den Kapitalanlagen keine unkalkulierbaren Risiken eingeht. Außerdem sollen sie ihr Vorgehen nachvollziehbar dokumentieren. Allerdings geben weder Stiftungsaufsicht noch Gesetzgeber konkrete Handlungsempfehlungen.

Bedarf von Stiftungen: langfristig und diversifiziert anlegen

Bei vielen Stiftungen ist die Verunsicherung groß. Das führt oft dazu, dass die Anlagestrategie viel zu defensiv ist und nicht die Rendite einbringt, die man für die Erfüllung des Stiftungszwecks benötigt. Die Botschaft des Gesprächskreises ist, sich auch bei der Kapitalanlage auf den gesunden Menschenverstand zu besinnen. Eine erfolgreiche Kapitalanlage sollte langfristig ausgerichtet und breit aufgestellt sein, und die Entscheidungen sollten gut dokumentiert werden.

Die Aktienquote kann häufig höher sein

"In Deutschland ist immer noch die Mär weit verbreitet, die Stiftungsaufsicht akzeptiere nur 30 Prozent Aktienquote – aber das stimmt schlicht und ergreifend nicht", betonte Tom Friess vom VZ VermögensZentrum. Die Stiftungsaufsicht erwartet, dass die Anlagestrategie durchdacht und die Dokumentation nachvollziehbar ist.

Stiftungsvorstände und Anlageverantwortliche müssen nicht die Zukunft vorhersagen können. Sie müssen aber der Verantwortung, die sie in der Stiftung innehaben, nach bestem Wissen und Gewissen nachkommen. Das bedeutet, in Zeiten niedriger Zinsen und Bundesanleihen mit negativen Renditen nicht untätig zu sein. Denn das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Kapitalanlagen der Stiftung unter Berücksichtigung der Inflation Verluste machen. Stiftungen müssen sich zwei Stärken bewusst machen: sie haben Geld und Zeit. Sie können investieren, ohne sich zu verschulden, und können Marktkorrekturen "aussitzen". Sie haben damit ideale Voraussetzungen, um in aussichtsreiche Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien zu investieren.

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