Mehr Rente im Alter

Handelsblatt, 23.08.2019

Immer mehr Menschen sorgen privat vor, weil ihre erwarteten Renten nicht ausreichen. Dieses Alterskapital müssen sie clever und sinnvoll einsetzen, um sich daraus eine Zusatzrente auszuzahlen. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum erläutert, worauf sie dabei achten sollten.

Die Deutschen haben es immer schwerer, ihren Lebensstandard im Rentenalter zu halten. Die gesetzliche Rente sinkt und liegt derzeit bei etwa 48 Prozent des letzten Gehalts (vor Steuern). Viele müssen in zunehmendem Maß auf ihr Vermögen zurückgreifen, um die Einkommenslücke zu schließen.

Dabei können sie nicht mehr von Zinserträgen leben, denn anders als in der Vergangenheit sind diese fast bei null. Um Ihr Erspartes nicht vorschnell aufzubrauchen, benötigen sie Anlagen mit ausreichender Rendite. Empfehlenswert sind Auszahlpläne auf Fondsbasis. Deren Gestaltung hängt ab vom persönlichen Kapitalbedarf, vom individuellen Risikoprofil, dem Anlagehorizont und der Vermögenshöhe.

Einkommenslücke: Wie viel Geld fehlt mir?

"'Kann ich mir meinen Ruhestand leisten?', fragen immer mehr Menschen", sagt Tom Friess, Geschäftsführer des VZ VermögensZentrums. Daran schließt sich in der Regel die zweite Frage an, nämlich wie man auf das gewünschte Einkommen kommt, ohne sein Erspartes zu schnell aufzuzehren.

Das hängt von ein paar grundlegenden Fragen ab. Am wichtigsten ist zu klären, wie viel Geld man pro Monat zusätzlich zur gesetzlichen und betrieblichen Rente benötigt. Laut Tom Friess sollte man bei dieser Abschätzung vom aktuellen Bedarf ausgehen, denn die Bedürfnisse können sich stark ändern und damit auch die Ausgaben. "Der Erfahrung nach benötigten viele Menschen mit der Zeit eher weniger Geld als gedacht", weiß Tom Friess. So nimmt zum Beispiel die Reiselust am Anfang des Ruhestands zu und später wieder ab.

Zusatzeinkommen: Rente oder Kapital?

Dann sollte man entscheiden, in welcher Form man das zusätzliche Einkommen gerne hätte. "Manchen Menschen reiche es, einmal im Jahr Geld zu erhalten", erzählt Tom Friess. "Viele wollen aber ihr Zusatzeinkommen monatlich aufs Konto fließen sehen." Die Entscheidung, ob Rente oder Kapital, muss jeder für sich fällen: Möchte man eine lebenslange, planbare Rente erhalten oder kann man damit leben, dass das Ersparte innerhalb eines definierten Zeitraums verbraucht wird? Das hängt unter anderem davon ab, wie groß das Vermögen ist, wie viel man vererben möchte und wie ausgeprägt das eigene Sicherheitsbedürfnis ist.

Wichtig: Vermögen richtig anlegen

Wegen der niedrigen Zinsen ist es wichtiger denn je, das Kapital für das Alter aufzuteilen und zielgerichtet anzulegen. Tom Friess: "Eine kluge Mischung von Strategien ist wichtiger denn je." Die Teile des Vermögens, die frühestens in zehn Jahren benötigt werden, kann man in breit investierende Aktienfonds oder ETFs investieren. Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit für Verluste bei einer langen Anlagedauer sehr gering ist. Allerdings benötigt der Anleger ein Risikoprofil, das es ihm erlaubt, auch größere Kursschwankungen zu ertragen. "Das Kapital sollte auch im Rentenalter weiter für einen arbeiten", betont Tom Friess.

Etappenstrategie des VZ: die selbst organisierte Zusatzrente

Das VZ VermögensZentrum hat die so genannte Etappenstrategie entwickelt. Damit kann sich jeder Rentner seine eigene Pensionskasse bauen, indem er mit seinem Vermögen einen eigenen Auszahlplan auf Fonds-Basis einrichtet.

Dafür teilt man seinen Kapitalstock in einen Verbrauchs- und einen Wachstumsteil auf. Die Auszahlungen für die Zusatzrente stammen aus dem Verbrauchsteil. Dieser Teil des Vermögens ist in Rentenfonds mit Firmenbonds, Staatsanleihen und Immobilienfonds. Der Wachstumsteil, der den Verbrauchsteil für die nächsten zehn Jahre aufbaut, wird in Aktienfonds investiert. Mit dieser Kombination sind regelmäßige Auszahlungen möglich, während das Vermögen erhalten bleibt.

Die Etappenstrategie des VZ VermögensZentrum basiert auf Zehn-Jahres-Phasen. Der Verbrauchsteil für die ersten zehn Jahre deckt die gewünschten Auszahlungen. Je nach Vermögen und Bedarf des Anlegers macht der Verbrauchsteil ein Drittel bis die Hälfte des Vermögens aus. Bei diesem Vermögensteil sollte man nach Kosten eine Rendite von 2 bis 2,5 Prozent pro Jahr erzielen.

Das übrige Vermögen wird im Wachstumsteil renditeorientiert in breit gestreuten Aktienfonds angelegt. Die Zielrendite nach Kosten ist 4 bis 6 Prozent pro Jahr. Die Erträge des Wachstumsteils stellen den Verbrauchsteil für die Auszahlungen in der zweiten Dekade. Kommt es zu außergewöhnlichen Marktbewegungen, wird nachjustiert. Ansonsten bleibt der Wachstumsteil in gleicher Höhe investiert.

Wichtig ist, als Anleger auf die Kosten zu achten. ETFs sind günstige Anlageinstrumente. Man kann sich seinen Auszahlplan im Rentenalter auch von Vermögensverwaltern umsetzen lassen. Das VZ VermögensZentrum bietet die Etappenstrategie ab einem Vermögen von 200.000 Euro an. Die Gebühren betragen 0,7 bis 1,5 Prozent pro Jahr.

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