Der gerade Weg in die Frührente ohne Abschläge

Focus, 03.08.2019

"Ja, es gibt ihn, den geraden Weg in die frühe Rente ohne Abschläge" titelt der Frontartikel zum Thema Frührente. Die Experten des VZ VermögensZentrums haben für den Focus ausgerechnet, wann und mit wie viel Geld man sich die Frührente leisten kann. Christian Lange vom VZ erklärt, worauf man beim Kapitalaufbau achten sollte.

Viele Deutsche möchten sich den Traum von der Frührente erfüllen. Hunderttausende nutzen die "Rente mit 63". Wer nicht die benötigten Versicherungsjahre aufweisen kann, dem wird die Rente bei einem Vorbezug um bis zu 14,4 Prozent gekürzt.

"Wer sich einen frühen Ruhestand wünscht, muss wissen, dass er ihn sich selbst erarbeiten muss - durch zusätzliche, eigene Altersvorsorge-Ersparnisse", sagt Christian Lange, Mitglied der Geschäftsführung-des VZ VermögensZentrums. Die gesetzliche Rente als alleinige Einkommensquelle reicht in den meisten Fällen ohnehin nicht aus. Sie deckt höchstens 48 Prozent des letzten Bruttogehalts ab. Dabei liegt die Obergrenze bei 80.400 Euro im Westen und 73.800 Euro im Osten. Darüber liegende Gehaltsteile sind nicht abgesichert.

Kapital ansparen – aber richtig

Die meisten vermuten, dass ihre Renten nicht reichen werden. Aber nur wenige handeln. Dabei müssen sie während des Erwerbslebens sehr viel Kapital aufbauen, um im Rentenalter davon zu leben. Die Deutschen sparen auch viel, legen ihr Geld allerdings meist in Finanzprodukten an, die fast keine Rendite abwerfen.

"Zu viel Sicherheit bremst den Vermögensaufbau", weiß Christian Lange. "Außerdem sind viele Geldanlagen zu kurzfristig ausgerichtet, es mangelt an Zielorientierung."

Zudem machen die niedrigen Zinsen vielen privaten Altersvorsorge-Modellen, die lange Zeit gut funktionierten, einen Strich durch die Rechnung. Auf Sparbücher und Tagesgeldkonten gibt es so gut wie keine Zinsen mehr, und Lebensversicherungen und Privatrenten kommen auf viel weniger Geld als prognostiziert. Immer mehr Menschen verfallen darum dem Irrglauben, dass es sich generell nicht mehr lohnt, für die Altersvorsorge zu sparen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall!

Auf die Rendite kommt es an

Insbesondere wer vorzeitig in den Ruhestand gehen möchte, braucht mehr Vermögen als einer, der bis zur Regelaltersgrenze arbeitet. Zum einen hat der Frührentner weniger Jahre Zeit, um seinen Kapitalstock aufzubauen, zum anderen muss er länger davon leben. Darum muss er so früh wie möglich mit dem Sparen beginnen, den Sparprozess ohne Unterbrechung durchhalten (beispielsweise mit einem Sparplan) und auf renditestarke Anlagen setzen, wie Aktien oder Aktienfonds.

Deutsche Anleger fürchten sich vor Aktien. Diese Furcht ist allerdings unbegründet. Denn Aktieninvestments lohnen sich auch dann, wenn man Kurskorrekturen berücksichtigt. Je länger die Haltedauer ist, desto unwahrscheinlicher sind Verluste und desto wahrscheinlicher ist eine hohe Rendite. In den vergangenen 45 Jahren legte der Deutsche Aktien-Index durchschnittlich um rund 8 Prozent pro Jahr zu (vor Steuern).

Wie viel die Frührente kostet

Die Kernfrage ist, welche Summe man ansparen muss, um die Frührente zu finanzieren. Das hängt unter anderem davon ab, wann man in Rente gehen möchte, wie viel Zeit man für den Vermögensaufbau hat und welche Risiken man eingehen kann. Je nach Konstellation braucht an mehrere Hunderttausend Euro. Das klingt zunächst einmal viel, ist aber machbar. Viele haben ein hohes Einkommen und einen langen Vorlauf von 10 bis 30 Jahren. In diesem Zeitraum kommen bei vielen Gehaltserhöhungen, Sonderzahlungen oder Erbschaften hinzu.

Experten des VZ VermögensZentrums haben exklusiv für den Focus verschiedene Beispielfälle und Varianten berechnet. Die Beispielpersonen sind heute 30, 40 und 50 Jahre alt und haben jeweils Jahreseinkommen zwischen 50.000 und 80.000 Euro. Ziel ist eine Wunschrente von 60 Prozent des derzeitigen Nettogehalts. Das Vermögen, das mit 55 vorhanden ist, beträgt zwischen 150.000 und 500.000 Euro. Aus der Höhe des Kapitals ergibt sich, wann an in Frührente gehen kann. Je mehr Geld man hat, desto früher kann man in den Ruhestand gehen.

Beispiele: Ein 50-Jähriger, der 80.000 Euro verdient und 150.000 Euro auf der Seite hat, kann mit 63 Jahren und 7 Monaten in Rente gehen. Mit 350.000 Euro kann er mit 59 Jahren in Rente gehen, mit 500.000 Euro sogar schon mit 55 Jahren und 8 Monaten. Ein 30-Jähriger, der 50.000 Euro verdient, kann mit 150.000 Euro mit 62 Jahren und 11 Monaten in Rente gehen. Mit 500.000 Euro kann er bereits mit 53 Jahren und 8 Monaten aufhören.

Die Beispiele zeigen, dass je höher das Einkommen ist, desto später kann man in Frührente gehen. Denn die Wunschrente von 60 Prozent des Nettogehalts ist beim Besserverdienenden höher. So kann ein 40-Jähriger mit 350.000 Euro bei einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro bereits mit 56 Jahren und 2 Monaten in Frührente gehen, bei einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro aber erst mit 62 Jahren und 1 Monat.

Wie der Zinseszinseffekt beim Sparen hilft

Je länger die Spardauer und je höher die Rendite, desto stärker wächst das Ersparte. Die VZ-Experten haben ausgerechnet, auf wie viel Kapital man mit einer monatlichen Sparrate von 500 Euro kommt. Nach 10 Jahren hat man 60.000 Euro einbezahlt. Bei einer Rendite von 3 Prozent pro Jahr hat man 70.000 Euro, bei 6 Prozent pro Jahr 82.000 Euro. Nach 20 Jahren sind aus den Einzahlungen von 120.000 Euro bei 3 bzw. 6 Prozent Rendite pro Jahr 164.000 Euro bzw. 228.000 Euro geworden. Nach 30 Jahren hat man 180.000 Euro einbezahlt, aber bei 3 bzw. 6 Prozent Rendite pro Jahr wesentlich mehr Kapital, nämlich 290.000 Euro bzw. 490.000 Euro.

Umgekehrt hilft eine hohe Rendite, die monatlichen Sparraten zu senken. Will man zum Beispiel 300.000 Euro sparen und hat dafür 30 Jahre Zeit, beträgt die monatliche Sparrate bei 2 Prozent Rendite pro Jahr 609 Euro, bei 6 Prozent pro Jahr aber nur 299 Euro. Bei einer Spardauer von 20 Jahren beträgt die Sparrate bei 6 Prozent Rendite 649 Euro, bei 2 Prozent Rendite hingegen 1.018 Euro. Selbst bei einer 10-jährigen Spardauer macht sich der Renditeunterschied spürbar bemerkbar. Bei 2 Prozent Rendite muss man 2.260 Euro pro Monat zur Seite legen, bei 6 Prozent pro Jahr sind es 1.831 Euro.

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