Früher in Rente

Focus Spezial, 01.03.2019

Viele Deutsche machen sich Sorgen, ob sie sich ihren Lebensstandard im Ruhestand weiterhin leisten können. Mit der richtigen Vorsorge ist das möglich, auch als Frührente. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum zeigt anhand von drei Beispielen, wie das geht.

Jedem ist bewusst, dass eine private Vorsorge unerlässlich ist, um die eigene Rentenlücke zu schließen. Spätestens mit 50 sollte man beginnen, das Geld dafür anzusparen. Wer mit 63 in Rente gehen möchte, muss entsprechend mehr Vermögen aufbauen.

"Das richtige Vorsorgekonzept ist immer eine Frage der individuellen Situation und Zielsetzung", sagt Michael Huber vom VZ VermögensZentrum. Er hat ausgerechnet, wie viel Geld ein Single, eine Familie und ein Doppelverdiener-Paar benötigt.

Single, 30 Jahre

Der Single mit einem Nettoeinkommen von 1.860 Euro rechnet mit einer Rente von 1.784 Euro netto. Er wünscht sich eine Rente in Höhe von 70 Prozent seines derzeitigen Nettoeinkommens, also 1.302 Euro. Bei einer Inflation von 1,5 Prozent pro Jahr entspricht dies zum Zeitpunkt seines Rentenbeginns 2.259 Euro. Da er aber nur 1.784 Euro Rente erwartet, fehlen ihm 475 Euro pro Monat.

Geht er mit 67 in Rente, braucht er 134.609 Euro, um seine Rentenlücke zu schließen. Mit einer Anlagenrendite von 4 Prozent pro Jahr muss er dafür jeden Monat 137 Euro sparen, bei 6 Prozent Rendite 88 Euro.

Hört er mit 63 auf, beträgt seine Nettorente nur 1.545 Euro und ihm fehlen 583 Euro pro Monat. Um die Rentenlücke auszugleichen, braucht er 224.203 Euro. Bei einer Rendite von 4 Prozent pro Jahr muss er jeden Monat 282 Euro auf die Seite legen, bei 6 Prozent sind es 192 Euro. Bekommt er mit 60 125.000 Euro, zum Beispiel aus einer Erbschaft, sinken seine Sparraten auf 112 bzw. 72 Euro pro Monat.

Familie, Paar (40 Jahre) mit 2 Kindern

Der Mann verdient 2.650 Euro netto und rechnet mit einer Nettorente von 1.834 Euro. Die Frau verdient 1.675 Euro netto und erwartet eine Nettorente von 1.373 Euro. Beide wünschen sich eine Rente in Höhe von 50 Prozent ihres heutigen Nettogehalts. Beim Mann entspricht das 1.325 Euro, bei 1,5 Prozent Inflation 1.981 Euro. Bei der Frau sind das 838 Euro, bei 1,5 Prozent Inflation 1.253 Euro.

Gehen beide mit 67 in Rente, beträgt seine Einkommenslücke 147 Euro im Monat und sie hat 120 Euro zu viel. Die Rentenlücke beträgt also nur 27 Euro pro Monat. Für die Deckung benötigen beide zusammen 16.675 Euro. Mit einer Nettorendite von 4 bzw. 6 Prozent müssen sie jeden Monat 30 bzw. 22 Euro sparen.

Anders bei der Rente mit 63: Dann beträgt seine Rentenlücke 300 Euro im Monat und ihre 32 Euro. Für die Deckung brauchen beide zusammen 236.708 Euro. Ist zu Rentenbeginn kein weiteres Vermögen vorhanden, müssen sie bei einer Nettorendite von 4 Prozent pro Jahr 539 Euro pro Monat sparen und bei 6 Prozent 420 Euro. Erhalten sie mit 60 zusätzlich 125.000 Euro, reduziert sich die Sparrate auf 231 bzw. 171 Euro pro Monat.

Kinderloses Paar, 50 Jahre

Der Mann und die Frau haben jeweils ein Nettogehalt von 2.860 Euro. Gehen sie mit 67 in Rente, erwarten sie zusammen eine Nettorente von 4.248 Euro. Sie wünschen sich eine hohe Rente, die 70 Prozent ihres derzeitigen Nettoeinkommens beträgt. Das entspricht heute 4.004 Euro und bei Rentenbeginn bei 1,5 Prozent Inflation 5.157 Euro. Ihre Rentenlücke beträgt also 909 Euro. Für die Deckung brauchen sie 269.547 Euro. Bei einer Anlagenrendite von 4 Prozent müssen sie 948 Euro pro Monat sparen, bei 6 Prozent sind es 796 Euro. Erhalten sie mit 60 noch 125.000 Euro, sinkt ihre Sparrate auf 392 Euro bzw. 272 Euro.

Gehen beide mit 63 in Rente, brauchen sie viel mehr Kapital. Ihre gemeinsame Nettorente sinkt auf 3.657 Euro. Sie würden sich allerdings mit einer Rente von 60 Prozent ihres Nettoeinkommens zufrieden geben. Das sind 3.432 Euro und zu Rentenbeginn bei 1,5 Prozent Inflation 4.165 Euro. Das ergibt eine Rentenlücke von 508 Euro. Um ihre Rentenlücke zu decken, benötigen sie 352.427 Euro. Bei einer Nettorendite von 4 Prozent pro Jahr müssen sie 1.766 Euro pro Monat sparen, bei 6 Prozent ist es 1.555 Euro. Stehen zusätzlich 125.000 Euro zur Verfügung, reduzieren sich die Sparraten auf 1.089 Euro bzw. 936 Euro pro Monat.

Ausgleichszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung

Das Paar prüft die Möglichkeit, seine Rentenlücke wegen der Rente mit 63 mit einer Einmalzahlung auszugleichen. In Frage kommen die gesetzliche oder eine private Rentenversicherung. Zur Verfügung stehen 144.322 Euro. Einzahlungszeitpunkt ist Alter 50.

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten sie bei einer Rente ab 63 damit pro Monat 558 Euro brutto mehr. Steigt die Rente um 0,5 Prozent pro Jahr, erhalten sie im ersten Jahr ihres Rentenbezugs 596 Euro pro Monat und im 5. Jahr 612 Euro. Bei einer Rentenanpassung von 1,0 Prozent sind es 626 Euro bzw. 668 Euro pro Monat, bei 2,0 Prozent sogar 722 Euro bzw. 798 Euro.

Bei einer privaten Rentenversicherung fallen die Bruttorentenzahlungen bei einer Rente ab 63 geringer aus. Mit einer garantierten Rente mit Todesfallschutz erhalten sie 446 Euro, ohne Todesfallschutz sind es 486 Euro. Kommen Überschüsse dazu, erhalten sie mit Todesfallschutz im ersten Jahr ihres Rentenbezugs 536 Euro und im fünften Jahr 568 Euro. Ohne Todesfallschutz betragen die Rentenzahlungen 576 Euro, im fünften Jahr 622 Euro.

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