ETF: Was Anleger wissen müssen

Handwerk-Magazin, 14.11.2019

Gebühren gehen zu Lasten der Rendite. Anleger sollten darauf achten, wie viel Fondsgebühren sie bezahlen. ETFs sind viel günstiger als Investmentfonds. Christian Lange vom VZ VermögensZentrum gibt einen Überblick über ETFs sowie wichtige Tipps für Anleger.

"Ein ETF kostet meist zwischen 0,1 bis 0,6 Prozent Gebühren jährlich, gerechnet auf den Anlagebetrag eines Kapitalgebers", sagt Christian Lange, Mitglied der Geschäftsleitung des VermögensZentrums. Das ist weniger als bei vielen Investmentfonds, die aktiv gemanagt werden. Diese kosten oft zwei Prozent pro Jahr. Erzielt der Fonds drei Prozent Rendite pro Jahr, erhält der Anleger nach Abzug der Gebühren nur ein Prozent Rendite. Christian Lange kennt die Gründe: "Das liegt einerseits an den Verwaltungsgebühren, aber auch an der Erfolgsbeteiligung, die Manager aktiv geführter Fonds oft erhalten."

Auf die Kosten achten

Sein Rat: "Anleger sollten vor dem Kauf eines Fonds unter anderem auf die Gesamtkostenquote schauen, die Total Expense Ratio oder kurz: TER." Diese ist ein Prozentsatz des Vermögens, das im Durchschnitt innerhalb eines Geschäftsjahres investiert ist. Die Gesamtkostenquote enthält alle Verwaltungsgebühren auf Fondsebene, zum Beispiel die Kosten für das Fondsmanagement, die Fondsgeschäftsführung und die Depotbank. Nicht enthalten sind die Transaktionsgebühren, die bei Kauf und Verkauf von Fondsanteilen anfallen, sowie die Erfolgsbeteiligung (Performance Fee). In einer All-in-Fee sind diese Kosten enthalten.

ETFs sind günstig

Exchange-Traded Funds (ETFs) sind günstiger, insbesondere da sie auf ein teures Fondsmanagement verzichten. Denn ein ETF bildet meist einfach einen Index ab. Ein ETF auf den Deutschen Aktien-Index (DAX) erzielt die DAX-Rendite. ETFs sind einfach zu verstehen, kostengünstig und an der Börse handelbar.

"Grundsätzlich schaffen es nur 20 Prozent der Fondsmanager besser zu sein als der Index", sagt Christian Lange. Fondsmanager versuchen, besser zu sein als der Index, unterliegen dabei allerdings Anlagerichtlinien. "Ein aktiv gemanagter Fonds bringt also meist keine Renditevorteile, sodass Anleger sich auf ETFs konzentrieren sollten", rät Christian Lange. Es gibt nur wenige Ausnahmen: "Investieren Anleger ihr Geld in schwierigen Regionen oder intransparente oder Nischenmärkte, macht ein guter Fondsmanager Sinn."

Die Anlagemöglichkeiten mit ETFs sind sehr groß

"ETFs gibt es wirklich für jede Anlagestrategie", informiert Christian Lange. Auf dem deutschen Markt sind rund 1.500 ETFs erhältlich. Sie haben verschiedene Schwerpunkte, zum Beispiel auf eine Branche (wie Chemie, Banken oder Automobil), auf eine Region (wie Europa, USA oder Lateinamerika) oder auf Nachhaltigkeit (ökologisch-ethische ETFs). Sie können auf dividendenstarke Aktien in Europa oder weltweit ausgerichtet sein oder sich auf Anleihen von Entwicklungsländern konzentrieren.

"Welche ETFs die richtigen sind, hängt von den Präferenzen des Anlegers ab – und von seiner sonstigen Kapitalanlage", sagt Christian Lange. "Wir sehen ETFs als gutes Basisinvestment für jedes Depot. ETFs sind für die Altersvorsorge geeignet – umso früher ein Anleger damit beginnt, desto besser ist es für ihn."

7 Anleger-Tipps von Christian Lange

Wer Vermögen aufbauen möchte, sollte diese Tipps berücksichtigen:

  • Rund 50 Prozent der Altersvorsorge müssen heute privat erbracht werden. Nutzen Sie dafür den Kapitalmarkt, insbesondere ETFs, denn sie sind marktabdeckend.
  • Glauben Sie nicht an kurzfristige Tipps. Ein Privatanleger kann nicht schlauer sein als der Markt.
  • Steigen Sie möglichst in einen breiten Markt ein (wie etwa Aktien, weltweit). Das reduziert das Risiko für Kursverluste.
  • Streuen Sie das Risiko, indem Sie mehrere ETFs kaufen und dabei sowohl auf Aktien als auch auf verzinsliche Wertpapiere (Anleihen) setzen. Die Mischung hängt von der Anlegerpräferenz ab.
  • Nutzen Sie ETF-Sparpläne für sich selbst, ihre Kinder oder Enkel.
  • Junge Menschen sollten stark in Aktienmärkte investieren und nachkaufen, wenn der Börsenkurs eine Korrektur erfahren hat. Nach ein paar Jahren werden sie zum Erfolg kommen.
  • Ruheständler sollten ausschüttende ETFs wählen. So können sie ihre Rente aufbessern, ohne den Kapitalstock angreifen zu müssen. Besonders geeignet sind hierfür auch Dividendentitel.

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