Aktienfonds und ETFs ein Muss

Focus Money, 03.07.2019

Im Alter ist die gesetzliche Rente eine wichtige Säule des Einkommens, aber sie allein reicht nicht. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum erklärt, wie das Rentensystem zukunftssicher gemacht werden muss und worauf jeder einzelne bei der privaten Altersvorsorge achten sollte.

Fast jeder dritte Deutsche erwartet, seinen Lebensstandard im Rentenalter sehr stark einschränken zu müssen. Gut jeder zweite rechnet damit, Abstriche zu machen. Das ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa Anfang des Jahres durchgeführt hat. Wie sehen Sie das?

Michael Huber: Ohne zusätzliche private und/oder betriebliche Vorsorge dürfte es sehr schwierig werden, den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten. Aber statt allzu pessimistisch zu sein, empfehle ich, mit Optimismus die eigene Vorsorge anzugehen.

Schätzen Sie, dass die gesetzliche Rente auch zukünftig die wichtigste Einkommenssäule bleibt?

Michael Huber: Ja, ich denke schon. Die regierenden Politiker riskieren zu viele Wählerstimmen, falls sie echte Einschnitte im System vornehmen. Im Zweifel wird dann eher der Bundeszuschuss weiter erhöht – obwohl dieser bereits bei knapp 100 Milliarden Euro liegt. Jeder dritte Euro des gesamten Bundeshaushalts fließt also schon heute in die gesetzliche Rente.

Die gesetzliche Rentenversicherung muss für die Zukunft gesichert werden. Welche Maßnahmen und Reformen sind dafür Ihrer Ansicht nach notwendig?

Michael Huber: Die effektivste Maßnahme wäre wahrscheinlich, den Kreis der Pflichtmitglieder zu vergrößern um Selbstständige, Beamte, Freiberufler und Politiker. Da dies ziemlich unrealistisch ist, dürfte es zielführender sein, die private Vorsorge, insbesondere das Sparen in Aktien und Aktienfonds, noch stärker zu fördern.

Wie halten Sie von der Idee der Grundrente? Damit erhielten langjährige Einzahler eine Rentenaufstockung, wenn ihr Einkommen und damit ihre Rentenansprüche gering sind.

Michael Huber: Ich kann durchaus nachvollziehen, dass es Befürworter der Grundrenten-Idee gibt. Am Ende des Tages besteht die Herausforderung darin, das Modell so auszugestalten, dass keine falschen Anreize gesetzt werden und die Zahl derer, die sich durch die Änderungen benachteiligt fühlen, so gering wie möglich zu halten. Und finanzierbar sollte die Grundrente natürlich auch noch sein.

Angesichts der sehr niedrigen Zinsen und zum Teil sehr hoher Immobilienpreise: Welche Anlagen sind heute überhaupt noch für die private Altersvorsorge geeignet?

Michael Huber: Eine solide Altersvorsorge basiert immer auf verschiedenen Töpfen. Neben privaten Maßnahmen kann es auch spannend sein, die Möglichkeiten der betrieblichen Vorsorge auszuschöpfen. Die eigene Immobilie kann helfen, aber an Aktienfonds und ETFs kommt definitiv keiner mehr vorbei, der sich auch in diesen Zeiten noch etwas Rendite erhofft.

Es besteht die Möglichkeit, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Rentiert sich das?

Michael Huber: Auf Grund des niedrigen Zinsniveaus haben sich die Ertragsaussichten von vielen beliebten Anlageformen wie Tagesgeldern oder Lebensversicherungen verschlechtert. Dadurch haben freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rente an relativer Attraktivität gewonnen. Ob sich das für den Einzelnen tatsächlich lohnt, hängt von seiner persönlichen Situation und auch von seiner Risikobereitschaft ab.

Viele Deutsche haben den Wunsch, privat für das Alter vorzusorgen, haben aber kein Geld zum Sparen übrig. Sollte es mehr Fördermöglichkeiten für die private Vorsorge geben und wenn ja, welche?

Michael Huber: Ja, das ist ein Problem. Viele junge Familien sind kaum in der Lage, Vermögen aufzubauen, weil nach Sozialabgaben und Steuern zu wenig Netto vom Brutto übrig bleibt. Insofern wäre der erste Schritt, hier Entlastung zu schaffen und dann gezielt das Sparen mit Aktien und Aktienfonds zu fördern.

Wann sollten Vorsorgesparer mit dem Aufbau von Alterskapital starten? Welche Fehler sollte man dabei nicht machen?

Michael Huber: Fürs Sparen fürs Alter ist es nie zu früh. Und nie zu spät. Wer spät anfängt, muss mehr sparen. Also lieber früher starten, gegebenenfalls auch mit kleineren Beträgen. Dann hilft der Zinseszinseffekt, der beste Freund des Sparers, kräftig mit. Damit die Altersvorsorge Spaß macht, braucht es ein gutes Konzept – und eine große Portion Durchhaltevermögen. Es ist ein Marathon. Zwischendurch tut es weh, aber am Ende wird man belohnt.

Fehlt einem Vorsorgesparer das Know-how, kann er sich professionelle Unterstützung holen. Worauf sollte ich bei der Wahl des Beraters achten?

Michael Huber: Dass mein Berater dieselben Interessen verfolgt wie ich, also mir Produkte nicht nur deswegen empfiehlt, weil er dafür eine Provision bekommt. Dass mein Berater erst mal zuhört, was mir wichtig ist und was meine Ziele sind. Und dass mein Berater es mir so erklärt, dass ich es verstehe.

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