Weniger Geld durch Frührente? So gleichen Sie Abschläge aus

Focus Money, 10.06.2018

Möchten Sie vorzeitig in den Ruhestand gehen, befürchten aber finanziellen Einbußen? Dann sollten Sie rechtzeitig gegensteuern. Ergreifen Sie Maßnahmen, die einen sorgenfreien Lebensabend sicherstellen. Welche Maßnahmen dabei sinnvoll sind, zeigen die nachfolgenden 4 Tipps.

1. Abschläge bei der gesetzlichen Rente ausgleichen

Den drohenden Abschlag von bis zu 14,4 Prozent bei vorzeitigem Rentenbezug können Sie zum Beispiel durch freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung ausgleichen. Wie viel Geld dafür notwendig ist, hängt von Ihrer erwarteten Rente und dem gewünschten Ausstiegszeitpunkt ab. Außerdem beeinflussen Faktoren wie der geltende Rentenwert (aktuell West 31,03 Euro, Ost 29,69 Euro) und das allgemeine Durchschnittsgehalt in Deutschland die Ausgleichszahlung. Es wird jedes Jahr neu berechnet. Der Mechanismus ist: Verdienen Sie in einem Jahr genauso viel wie der Durchschnitt, erhalten Sie einen Entgeltpunkt.

Das heißt, wenn Sie durch freiwillige Einzahlungen Abschläge ausgleichen wollen, müssen Sie den Beitrag des Durchschnittsverdieners in den Rentenkasse einzahlen, um einen Entgeltpunkt zu "kaufen". Allerdings müssen Sie neben dem Arbeitnehmer- auch den Arbeitgeberanteil einzahlen.

Ein Beispiel: Eine erwartete Rente von 1500 Euro fällt bei drei Jahren Vorbezug um 182 Euro geringer aus. Um dies auszugleichen, müssten Sie beim aktuellen Rentenwert 40.726 Euro in die Rentenkasse einzahlen.

Mein Tipp: Die Ausgleichszahlung liegt zwar im fünfstelligen Bereich. Da Sie das Geld aber in Raten von bis zu zwölf Beitragszahlungen pro Jahr einzahlen können - und das bereits ab 50 Jahren - verteilt sich die Gesamtbelastung auf viele Jahre.

2. Verdienstausfall kompensieren

Als Frührentner müssen Sie einen weiteren Einkommensausfall einplanen und kompensieren: Der Verdienstausfall, die Sie durch den vorzeitigen Rentenbeginn erleiden. Gehen Sie statt mit 67 bereits mit 64 in Rente, gehen Ihnen drei Bruttojahreseinkommen verloren. Bei einem Jahresgehalt von 75.000 Euro summiert sich der Verdienstausfall auf insgesamt 225.000 Euro. Ihre vorgezogene Rente fängt einen Teil des Verlustes auf. Eine Monatsrente von 1500 Euro kompensiert insgesamt aber nur 54.000 Euro. Den Rest können Sie mittels Abfindung, Auszahlung einer Lebensversicherung, Erbschaft oder Mieterträgen ausgleichen.

Mein Tipp: Klappt das nicht oder sind die Einnahmen ungenügend, sollten Sie fehlende Gelder ansparen. Dazu empfehlen sich Fondssparpläne oder ETF-Sparpläne mit hohem Aktienanteil.

3. Umgehend mit dem Kapitalaufbau beginnen

Um den Verdienstausfall zu kompensieren und zusätzlich noch ein Monatsextra in Form einer Zusatzrente anzusparen, sollten Sie möglichst früh mit dem Kapitalaufbau beginnen. Je mehr Zeit Sie für den Vermögensaufbau haben, desto leichter wird es. Ein früher Start ermöglicht verkraftbare Raten, außerdem profitieren Sie mit jedem zusätzlichen Sparjahr vom stärker werdenden Zinseszins-Effekt.

Ein langer Anlagehorizont ermöglicht zudem eine renditeorientierte Anlagestrategie, zum Beispiel mit Aktien und Aktienfonds. Damit erreichen Sie Ihr Sparziel schneller und günstiger. Um zum Beispiel 300.000 Euro anzusparen, brauchen Anleger, die 30 Jahre lang in einen Aktienfonds mit fünf Prozent Rendite einzahlen, monatlich nur rund 360 Euro. Ist die Sparzeit halb so lang, sind bereits 1130 Euro im Monat fällig. (Angaben gerundet, ohne Kosten und Steuern gerechnet)

Mein Tipp: Achten Sie in der Ansparphase auf eine passende Anlagestrategie. Die Wahl der Anlageinstrumente hängt von Ihrem persönlichen Risikoprofil, dem Sparhorizont und Ihren Einkommensvorstellungen im Ruhestand ab. Mindern Sie Risiken, indem Sie Ihre Anlagen in unterschiedliche Wertpapiere, Anlageregionen und Branchen diversifizieren. Achten Sie auf niedrige Kosten. Sind Sie unsicher über die richtige Vorgehensweise, empfiehlt sich Beratung durch einen unabhängigen Finanzexperten.

4. Hinzuverdienst: Rentenkürzungen ausgleichen

Viele bevorzugen einen schrittweisen Berufsausstieg, möchten also weniger arbeiten, aber noch nicht ganz aufhören. Wichtig: Wenn Sie vorzeitig Rente beziehen, aber Ihre Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, dann müssen Sie beim sogenannten Hinzuverdienst aufpassen. Bei Überschreiten bestimmter Verdienstgrenzen wird nämlich die Rente gekürzt. Dank der 2017 in Kraft getretenen Flexi-Rente ist dies aber einfach zu steuern. Als Frührentner dürfen Sie 6300 Euro pro Jahr anrechnungsfrei hinzuverdienen, das entspricht 525 Euro pro Monat. Alles, was Sie darüber hinaus verdienen, wird zu 40 Prozent auf Ihre Rente angerechnet.

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