Rentenkürzungen richtig ausgleichen

Focus, 21.02.2018

Wer früher in Ruhestand gehen will, muss Abschläge auf seine gesetzliche Rente hinnehmen. Es gibt allerdings die Möglichkeit, durch Sonderzahlungen die Abschläge auszugleichen.

Bei vorgezogenem Ruhestand kürzt die Rentenversicherung die Rente um 0,3 Prozent pro Monat, den man eher in Rente geht. Da kommen schnell einige Hundert Euro zusammen. Je nach Geburtsjahr und Rentenart können Versicherte bis zu 48 Monate früher aus dem Job ausscheiden. Das Rentenminus summiert sich dadurch auf bis zu 14,4 Prozent. Eine erwartete Rente von 1.500 Euro fällt dadurch mehr als 200 Euro geringer aus. Einzig langjährig Versicherte, die mindestens 45 Beitragsjahre vorweisen können, dürfen vorzeitig ohne Kürzung in den Ruhestand gehen.

Rentenabschläge durch Sonderzahlungen ausgleichen

Frührentner können drohende Abschläge durch freiwillige Sonderzahlungen ausgleichen. Seit dem neuen Flexirenten-Gesetz geht das leichter. Arbeitnehmer können jetzt bereits ab dem 50. Lebensjahr Extrazahlungen leisten und so ihre spätere Rente anheben – bislang ging dies erst ab 55. Der fünf Jahre längere Zahlungszeitraum entschärft die Ratenhöhe deutlich. Entscheidet man sich später doch für einen regulären Rentenbeginn, sorgen die Zusatzbeiträge für eine höhere Rente. Zusätzliches Plus: Die Ausgleichszahlungen können steuerlich beim Finanzamt geltend gemacht werden.

Beispiel: Möchten Sie zwei Jahre früher aus dem Beruf ausscheiden und trotzdem volle Rente kassieren, müssen Sie eine Rentenkürzung von 7,2 Prozent ausgleichen. Daraus resultiert bei einer erwarteten Altersrente von 1.500 Euro ein Ausgleichsbetrag von circa 26.500 Euro. Haben Sie für die Sonderzahlung 13 statt 8 Jahre Zeit, kostet der Ausgleich monatlich nur etwa 170 Euro. Nach alter Regelung waren dazu 276 Euro pro Monat erforderlich.

Früher in Rente: Wie gehe ich vor?

Um Ausgleichszahlungen zu leisten, müssen Sie bei der Deutschen Rentenversicherung eine sogenannte „besondere Rentenauskunft“ beantragen. Darin teilen Sie mit, zu welchem Zeitpunkt Sie vorzeitig in Rente gehen möchten. Die Rentenversicherung fordert dann eine Bescheinigung vom Arbeitgeber über die Höhe des derzeitigen Bruttoarbeitsentgeltes an. Auf der Grundlage der aktuellen Werte (Durchschnittsgehalt, Beitragssatz zur Rentenversicherung etc.) ermittelt sie dann die Höhe der erforderlichen Ausgleichszahlung.

Mein Tipp: Je früher Sie dran sind, desto besser. Je eher Sie die besondere Rentenauskunft beantragen, desto kleiner können die Monatsraten ausfallen.

Was ist zu beachten?

Die Deutsche Rentenversicherung weist auf zwei Einschränkungen hin, die Beschäftigte unbedingt kennen sollten: Erstens entsteht durch geleistete Ausgleichszahlungen kein Anspruch auf zusätzliche rentenrechtliche Zeiten, die zum Beispiel als Wartezeit oder ähnliches anerkannt werden. Zweitens ist eine Rückerstattung der Ausgleichsbeträge ausgeschlossen. Man sollte sich also gut überlegen, ob man die Frührente auch wirklich in Anspruch nimmt.

Mein Tipp: Manche Firmen übernehmen für ihre Beschäftigten aufgrund tarifvertraglicher Regelungen Ausgleichszahlungen in die Rentenkasse. In diesen Fällen entstehen Vorteile bei Steuern und Sozialabgaben. Wird die Ausgleichszahlung zweckgebunden als Abfindung gewährt, ist diese sogar komplett steuer- und sozialversicherungsfrei.

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