"Es wird Ernüchterung geben"

Die Stiftung, 12.12.2018

Martin Schulz ist Stiftungsberater im VZ VermögensZentrum. Im Gespräch mit dem Magazin "Die Stiftung" analysiert er die Ergebnisse des 2. Deutschen Stiftungsbarometers.

Wie bereits beim 1. Deutschen Stiftungsbarometer gibt noch über die Hälfe der Befragten an, dass ihre Stiftung kein Konzept für eine systematische Öffentlichkeitsarbeit sowie Fundraising hat. Wie lässt sich das ändern?

Der Weg kann sehr simpel sein. Kürzlich kam eine Stiftung auf das VZ VermögensZentrum zu, um sich über Erbschaftsmarketing zu informieren. Gleichzeitig gab es Kunden, die als Nachlasslösung gerne einer Stiftung Kapital vermachen wollen. Wir haben dann intern geprüft, ob der Stiftungszweck für die Erbschaft in Frage kam – und prompt hat sich das Bemühen der Stiftung ausgezahlt, und sie steht nun im Testament der Kunden.

Letztlich muss eine Stiftung aus eigenem Antrieb Präsenz zeigen. Dafür sollte man sich Gedanken machen, welche Zielgruppe mit welchem Anliegen über welchen Kanal zu erreichen ist. Im Falle von Erbschaftsmarketing muss das dann gar nicht der moderne Instagram-Account, sondern kann auch das Amtsblatt oder Präsenz auf einer regionalen Veranstaltung sein.

Zusätzliche Einnahmequellen werden immer wichtiger. Die durchschnittlichen Renditen der Befragten liegen bei 2,5 Prozent. Fast ein Fünftel ist nicht ganz glücklich mit den eigenen Finanzen. Gibt es Grund zur Sorge?

Das liegt in der Regel daran, dass wir uns in einer Phase der Umorientierung von Sicherheit zu vermehrter Schwankung befinden. Damit fühlen die Stiftungsverantwortlichen sich verständlicherweise nicht wohler. Hier kann der Austausch mit externen Experten helfen, die den Vermögensverantwortlichen mit einem breiteren Wissensfundus ausstatten, um Marktentwicklungen und Investitionsentscheidungen besser einschätzen zu können. Die Beauftragung einer Vermögensverwaltung entlastet die Stiftungsverantwortlichen nicht nur bei der Anlageentscheidung, sondern hilft auch, einen kühlen Kopf in schwierigen Marktphasen zu bewahren.

Immerhin fast 30 Prozent der Befragten gaben an, zukünftig stärker auf Aktien setzen zu wollen. Ist daraus bereits eine stärkere Hinwendung zum Aktienmarkt abzulesen?

Es ist schon eine Tendenz dahingehend zu erkennen, dass Stiftungen ihre Scheu vor Aktien ablegen. Dennoch sind bei Stiftungen die Veränderungsprozesse sehr träge. Es ist nicht unüblich, dass bei uns vom ersten Beratungsgespräch bis zur finalen Strukturberatung hinsichtlich Aktienquote und Risikoprofil beinahe ein Jahr vergeht. Das Vorhaben ist bei vielen zu erkennen, manchen fehlt noch der Mut, und bei den meisten vergeht dann in der Umsetzung noch viel Zeit.

Nach einem langen Börsenaufschwung folgte 2018 ein sehr durchwachsenes Jahr. Wie sollten Stiftungen darauf reagieren?

Hier kommt den Stiftungsverantwortlichen dann wiederum entgegen, dass sie nicht überschnell auf den Markt reagieren und ihre Vermögensstruktur sukzessive umstellen. Ich kenne keinen, der plötzlich von null Prozent auf 50 Prozent Aktien gegangen ist. Mit einem sanften Übergang lässt sich auch Risiko vermeiden.

Über die Hälfte der befragten Stiftungen signalisiert Kooperationsbereitschaft. Gibt es einen Trend zur Kooperation im Stiftungssektor?

Ja, wir befinden uns in einer Art Pilotphase, und Stiftungen tasten sich langsam an Kooperationen heran. Sicherlich ist auch die geringere Ertragslage ein Anlass, Projekte zu bündeln, um sie gut auszufinanzieren. Der institutionalisierte Austausch in Expertengremien, der meist überregional stattfindet, ist zudem ein Ausweis einer voranschreitenden Professionalisierung. Das ist gut so!

Immerhin 20 Prozent der Stiftungen planen in den kommenden zwölf Monaten eine Grundlagenänderung. Hängt das mit der Stiftungsrechtsreform zusammen?

Die Euphorie ist teilweise sogar sehr groß, aber es wird auch Ernüchterung geben. Satzungsänderungen sind jetzt und zukünftig nicht einfach, und die Möglichkeiten für Zweckänderungen bleiben äußerst gering. Kleinere Änderungen in den Gremien oder bei der Prüfpflicht sollten jedoch einfacher möglich sein. Die sind letztlich auch begrüßenswert, da so gerade bei kleineren Stiftungen auch Komplexität herausgenommen und die Verwaltungskosten gesenkt werden können.

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