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Impulse, 01.02.2018

Die Sparzinsen sind sehr niedrig, die Aktienkurse sehr hoch: Wie sollten Unternehmer 2018 vorgehen, um ihr Kapital bestmöglich anzulegen? Unabhängige Finanzberater geben Tipps für kurz-, mittel- und langfristige Geldanlagen. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum zeigt, worauf Sie achten sollten, um eine akzeptable Rendite zu erzielen.

Die Zinsen befinden sich seit Jahren auf einem historischen Tiefstand. Tagesgeldkonten haben meist nur 0,1 Prozent Zinsen, bei zehnjährigen Bundesanleihen sieht es mit 0,5 Prozent nicht viel besser aus. Auf der Suche nach attraktiveren Geldanlagen fragen sich Anleger, wo sie mehr Rendite bekommen und bei welchen Aktien sich der Einstieg noch lohnt.

"Die Titelauswahl macht aber nur 20 Prozent des Erfolgs einer Geldanlage aus", sagt Tom Friess. Er ist Geschäftsführer des VZ VermögensZentrums, das seit 18 Jahren als unabhängiger Finanzdienstleister zu Geldanlagen und zur Ruhestandsplanung berät und als Vermögensverwaltung tätig ist. "Welche Rendite ich erwarten kann, hänge vor allem von der gewählten Strategie ab", sagt Friess. Außerdem wirken sich die Gebühren von Geldanlagen enorm auf deren Ertrag aus.

Drei wichtige Fragen zur Geldanlage

Unternehmer sollten sich die folgenden drei Fragen stellen, um für sich die passende Anlagestrategie zu finden:

1. Welches Risiko kann ich eingehen, um eine höhere Rendite zu ermöglichen?

Von der Risikobereitschaft hängt ab, welche Teile seines Vermögens ein Anleger in Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert. "Ich muss wissen: Mit welchen Schwankungen kann ich noch ruhig schlafen?", sagt Tom Friess. "Wenn ich nicht mehr gut schlafen kann, wenn Aktien um 10 Prozent sinken, darf ich höchstens einen kleinen Teil meines Kapitals an der Börse investieren."

2. Welchen Anlagehorizont habe ich?

Dabei geht es um die Frage, wie lange man sein Geld anlegen kann und möchte. "Wenn ich 50.000 Euro zur Anlage habe und nach einem Jahr möglicherweise über 10.000 bis 20.000 Euro verfügen muss, dann darf ich mit diesem Geld nicht ins Risiko", sagt Friess. Die Schwierigkeit dabei ist, dass Unternehmer oft nicht genau wissen, wie viel Geld sie zu welchem Zeitpunkt benötigen.

3. Welche voraussichtlichen Zahlungsverpflichtungen habe ich?

Unternehmer sollten weit im Voraus überlegen, welche Verpflichtungen auf sie zukommen, für die sie Liquidität benötigen, zum Beispiel Steuervorauszahlungen.

Tagesgeld und Festgeld

Tagesgeldkonten sind die erste Wahl, wenn man Kapital (oder Teile davon) kurzzeitig anlegen möchte oder seine Liquiditätsreserve "parken" möchte. "Bei einem Anlagehorizont von einem Jahr oder wenn ich eine hohe Verfügbarkeit brauche, dürfen Sie kein Risiko eingehen", sagt Finanzexperte Tom Friess. Die Zinsen sind allerdings sehr niedrig, oft nur 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. "Vergessen Sie den Wunsch, dafür eine höhere Rendite zu bekommen", sagt Tom Friess.

Aktien

Bei Aktien fragen sich viele, ob sich eine Investition angesichts der hohen Kurse jetzt noch lohnt oder ob die Kurse in absehbarer Zeit sinken. Wer breit diversifiziert in mehrere Märkte investieren möchte, findet mit Exchange Traded Funds (ETFs) eine einfache Anlagemöglichkeit mit niedrigen Gebühren. Ein ETF bildet einen gesamten Index nach, beispielsweise den DAX oder den MSCI World. Wenn sich der Index nach oben entwickelt, zum Beispiel um 10 Prozent, gewinnt auch der ETF um 10 Prozent an Wert – und umgekehrt.

"ETFs sind ein sehr interessantes, kostengünstiges Anlagevehikel", sagt Tom Friess. "Es ist aus unserer Sicht aber keine Anlage, die man einfach kaufen kann und sich darum dann nicht mehr kümmern muss. Denn dort gibt es keinen Fondsmanager, der auf Risiken reagieren kann."

Anleihen und Rentenfonds

Obwohl die Zinssätze derzeit noch niedrig sind, empfiehlt Tom Friess, einen Teil seines Vermögens in Anleihen zu investieren. Wichtig ist, dass man seine Investitionen, wie im Aktienbereich, breit streut. Allerdings rät Tom Friess seinen Kunden, aktiv gemanagte Fonds zu wählen. "Damit haben wir 2017 immerhin Nettorenditen von 2,5 Prozent, teilweise sogar von bis zu 4 Prozent erzielt."

Dabei sollte man besonders auf die Laufzeiten der Papiere achten. "Je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist, desto sensibler reagiert dieses Papier auf einen Zinsanstieg", sagt Tom Friess. Wenn die Zinsen steigen, sinkt der Kurs einer Anleihe. Darum sind aktuell Anleihen mit einer Restlaufzeit von drei bis fünf Jahren sinnvoll.

Die Auswirkungen von Gebühren

Vielen Anlegern ist nicht bewusst, wie stark die Anschaffungskosten (zum Beispiel der Ausgabeaufschlag) und die laufenden Verwaltungsgebühren die Rendite von Geldanlagen langfristig schmälern. Falls Sie die Kosten Ihrer Geldanlagen nicht kennen, sollten Sie sich erkundigen, wie viel Ihr Aktien- oder Rentenfonds jährlich kostet. Die Kosten erfahren Sie von Ihrem Anlageberater oder aus dem Produktinformationsblatt des Fonds.

Tom Friess, Geschäftsführer des VZ VermögensZentrums, verdeutlicht den Effekt anhand eines Beispiels: Ein Anleger investiert je 100.000 Euro in einen ETF und in einen aktiv gemanagten Aktienfonds. Die Bruttorendite liegt bei beiden Fonds bei 5 Prozent pro Jahr. Die jährlichen Kosten allerdings unterscheiden sich stark: Beim ETF betragen sie 0,5 Prozent pro Jahr, beim aktiv gemanagten Fonds 1,5 Prozent. Allein aufgrund der niedrigeren Kosten hat der ETF nach fünf Jahren 5.850 Euro mehr erwirtschaftet, nach zehn Jahren 14.237 Euro und nach 20 Jahren 42.193 Euro.

Experten-Tipp zum Ruhestand von Tom Friess

Tom Friess rät Unternehmern, die bald in den Ruhestand gehen möchten, zur Etappenstrategie. Dafür rechnet der Unternehmer aus, wie viel Kapital er für die ersten fünf Jahre nach der Erwerbsaufgabe benötigt; das ist der sogenannte Verbrauchsteil. "Dieser Teil muss sicherheitsorientiert angelegt werden, also in Anleihen und Tagesgeld", sagt Tom Friess. Das übrige Geld legt er während dieser Zeit so an, dass es an Wert zulegt; das ist der sogenannte Wachstumsteil. "Der darf Kursschwankungen vertragen", sagt Tom Friess. Unternehmern, die auch bei Wertschwankungen von bis zu 30 Prozent noch ruhig schlafen können, rät Tom Friess zu einem Depot mit 50 Prozent Anleihen- und 50 Prozent Aktien-Anteil.

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