Warum Vorsorge wichtig ist

Südwest-Presse, 16.11.2017

Private Vorsorge wird immer wichtiger, damit man auch im Rentenalter seinen Lebensstandard finanzieren kann. Michael Huber erläutert, worauf es bei der Vorsorge ankommt und was man mit 20, 40 und Ende 50 am besten tun sollte.

Vielen ist bewusst, dass sie zusätzlich zur gesetzlichen und betrieblichen Altersversorgung auch privat vorsorgen müssen. Doch die meisten beschäftigen sich immer noch viel zu wenig damit, wie ihre persönliche Vorsorge aussehen sollte. Sie nehmen sich nicht die Zeit, um sich eingehend mit dem Thema Altersvorsorge zu beschäftigen, sondern wünschen sich eine einfache Lösung.

„Immer wieder wird das erstbeste, vermeintlich passende Produkt genommen – und damit wird das Thema Altersvorsorge abgehakt“, beobachtet Michael Huber, Mitglied der Geschäftsleitung der VZ VermögensZentrum GmbH. Sein Rat: „Wer sich mit seiner Altersvorsorge beschäftigen will, sollte erst einmal ganz einfache Aufgaben erledigen.“

Eingangs sollte man sich einen Überblick über seine regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Neben den monatlichen Fixkosten zählen dazu auch jährliche, unregelmäßige und geplante Ausgaben, zum Beispiel für die Grundsteuern, Urlaube, ein neues Auto oder Instandhaltungskosten für das eigene Haus. „Sonst wird die Rentenlücke künstlich niedrig gerechnet“, so Huber.

Diese Bilanz zeigt auf, wie viel Geld man heute pro Monat oder pro Jahr für einen Kapitalaufbau zur Verfügung hat. Außerdem kann man abschätzen, wie viel Kapital man zu Beginn des Ruhestands benötigt, um damit seine Einkommenslücke im Rentenalter zu decken. „Wenn ich absehe, dass ich das nicht schaffe, sollte ich überlegen, mein Renteneintritt hinauszuschieben oder mich einschränken“, empfiehlt Huber.

In jedem Alter sollte man das Richtige tun, um Kapital für später auf die Seite zu legen. Michael Huber gibt Tipps für Berufsanfänger, Familien und ältere Ehepaare.

Tipps für Berufsanfänger, Mitte 25

Schon wer anfängt zu arbeiten, kann etwas für seine Rente tun. Wer früh mit dem Sparen anfängt, muss jeden Monat nämlich nur kleine Beträge zurücklegen. Auch Angebote der betrieblichen Altersvorsorge sollte man von Anfang an wahrnehmen.

„Für junge Menschen gilt, ihre Arbeitskraft abzusichern und Vermögensrisiken abzudecken – etwa über eine Berufsunfähigkeits- beziehungsweise Haftpflichtversicherung“, empfiehlt Huber. Sie sollten Kredite vermeiden und einen „Notgroschen“ anlegen, um nicht auf den Dispo angewiesen zu sein.

„Ein erster Schritt in die Altersvorsorge ist dann ein Sparplan auf börsengehandelten Indexaktienfonds.“ Der Vorteil: Der Anlagehorizont ist so lang, dass das Verlustrisiko aufgrund von Kursschwankungen sehr gering ist.

Tipps für Familien (Ehepaar Anfang 40 mit Kindern)

Die Gründung einer Familie bringt in der Regel einige große Veränderungen, auch in finanzieller Hinsicht. Oft schränkt einer der Ehepartner seine Erwerbstätigkeit zugunsten der Familie ein, gleichzeitig steigen mit den Kindern die Lebenshaltungskosten. Daher ist es existenziell, die Arbeitskraft des Hauptverdieners abzusichern durch eine Berufsunfähigkeits- und eine Lebensversicherung.

Wer in dieser Lebensphase weiter Kapital aufbauen möchte, ist mit Banksparplänen und Investmentfonds-Sparverträgen gut bedient. Das Geld kann für die eigene Vorsorge oder für die Ausbildung der Kinder genutzt werden.

Wer Wohneigentum hat, sollte zum schnelleren Schuldenabbau Sondertilgungen tätigen, beispielweise mit Weihnachtsgeld oder Boni. Wenn darüber hinaus noch Gelder zur Verfügung stehen, sollte man diese in ETF-Sparpläne und die betriebliche Altersvorsorge investieren. Wichtig: „Falls ein Partner beruflich wegen Kindererziehung kürzer tritt, sollte es zudem eine familieninterne Regelung geben, damit auch dieser eine Vorsorge aufbauen kann.“

Ehepaar, Ende 50

Wer bis zum 50. Lebensjahr kaum vorgesorgt hat, sollte spätestens jetzt damit beginnen. Es ist allerdings ziemlich anspruchsvoll, in 10 bis 15 Jahren genug Kapital aufzubauen, um davon im Rentenalter 20 Jahre oder länger seine Einkommenslücke zu decken. Eine gute Möglichkeit sind Fondssparpläne mit hoher Rendite. Dabei sollte darauf geachtet werden, mit einem breit gestreuten Portfolio das Anlagerisiko im Griff zu behalten.

Wer hingegen schon ein größeres Vermögen aufbaut hat, kann sich mit Ende 50 über seine Verwendung und Absicherung Gedanken machen. Michael Huber rät, das vorhandene Kapital auf seine „Ruhestandsfähigkeit“ zu überprüfen. Viele haben nur noch einen Teil des Kapitals in renditestarken, aber schwankungsintensiven Investments investiert und halten den Rest in wertstabileren Anlagen.

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