So wird das Geld im Ruhestand nicht knapp

Focus, 19.12.2017

Nie war die Lebenserwartung höher als heute. Viele Neugeborene werden künftig älter als 90 Jahre. Für Ruheständler bedeutet das: Sie benötigen deutlich mehr Vorsorgekapital für ihre Zusatzrente. Drei Tipps, mit denen Sie böse Überraschungen im Alter vermeiden.

Die Zahlen lassen aufhorchen: Im Jahr 2016 geborene Jungen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 90,3 Jahren, Mädchen kommen sogar auf 93 Jahre. Die Berechnungen des Kölner Statistikprofessors Eckart Bomsdorf mögen optimistisch sein, sie zeigen aber eins: Die Lebenserwartung der Deutschen steigt rasant an. Noch 2014 prognostizierte die Weltbank Lebenserwartungen von 78 Jahren für Männer und 83 Jahren für Frauen.

Lebenserwartung oft unterschätzt

Eine höhere Lebenserwartung werden zwar viele begrüßen, sie birgt aber auch Gefahren. Neben altersbedingten Erkrankungen wird die Einkommenssituation für viele Menschen problematisch sein. Einerseits belasten sinkende Renten und Niedrigzinsen die Alterseinkünfte, andererseits steigt die Rentenbezugsdauer. Heute geborene Jungs haben künftig rund 25 Ruhestandsjahre vor sich, sollte das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren verharren. Neugeborene Mädchen kommen sogar auf 28 Jahre. Zum Vergleich: Die heutige Rentenbezugsdauer liegt sechs bzw. fünf Jahre niedriger.

Vielen Menschen ist nicht klar, was die längere Rentendauer finanziell bedeutet. Wer länger lebt, braucht ein größeres Vorsorgeguthaben, von dem er zehren kann. Umfragen zeigen aber, dass deutsche Anleger ihre Lebenserwartung tendenziell zu niedrig einschätzen. Dadurch besteht die Gefahr einer Unterversorgung im Alter. Dieser Trend wird durch zurückgehende Renditen bei Sparverträgen und Lebensversicherungen noch verstärkt.

Drei Tipps für die richtige Rentenstrategie

Damit das Geld im Ruhestand nicht knapp wird, benötigen Sie eine Rentenstrategie, die ausreichende Renditen erwirtschaftet und das Langlebigkeitsrisiko umfassend berücksichtigt. Die Strategie sollte mehrere Punkte beinhalten:

  • Legen Sie für die Dauer Ihrer privaten Altersvorsorge nicht nur die statistische Lebenserwartung zugrunde, sondern planen Sie vorsorglich einen Puffer von fünf Jahren ein.
  • Rechnen Sie den Kapitalverzehr Ihres Vorsorgeguthabens nicht bis auf null. Planen Sie den Kapitalverbrauch so, dass am Ende noch etwa ein Viertel zur Verfügung steht.
  • Wählen Sie Geldanlagen aus, mit denen die Schließung der Versorgungslücke flexibel und rentabel erfolgen kann. So können Sie jederzeit auf unerwartete Ereignisse oder Engpässe reagieren.

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