So errechnen Sie Ihre Rentenlücke

Focus Money, 06.10.2017

Geringe Renten – hohe Ausgaben: Viele Senioren klagen über fehlende Finanzen im Alter. Damit Ihnen das nicht passiert, sollten Sie während des Berufslebens ausreichend vorsorgen.

Den Finanzbedarf im Rentenalter richtig einzuschätzen, ist gar nicht so leicht. Wer weiß schon, wie sich Renten, Mieten und Inflation bis dahin entwickeln. Viele Berufstätige vertrauen darauf, dass die Einnahmen aus gesetzlicher und betrieblicher Rente sowie aus Privatvermögen schon ausreichen werden – doch das ist häufig ein Trugschluss. Die Rentenzahlungen erreichen oft nur einen Bruchteil der früheren Gehaltshöhe und werden überdies durch Sozialabgaben und Steuern geschröpft.

Hobby oder Umbauten machen auch das Alter teuer

Die meisten Beschäftigten unterliegen zudem einem Denkfehler: Sie gehen davon aus, dass sie im Alter weniger Geld brauchen, etwa weil die Kinder aus dem Haus sind, der Kredit fürs Eigenheim abgezahlt ist und Beiträge zur privaten Altersvorsorge entfallen.

Doch auch hier sieht die Realität anders aus. Ruheständler betreiben gern teure Hobbys, unternehmen Kreuzfahrten oder gehen auf Weltreise. Viele Eigenheimbesitzer modernisieren ihre vier Wände oder bauen altersgerecht um. Nicht wenige Senioren kämpfen mit steigenden Gesundheitskosten.

So errechnen Sie Ihre Versorgungslücke

Rentenexperten geben als Faustregel einen Bedarf von 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens an. Die Überschlagsrechnung zeigt, dass dies oft nicht reicht. Angenommen Sie verdienen 3.000 Euro netto im Monat. 2.400 Euro davon benötigen Sie, um Ihren Lebensunterhalt komplett zu decken, der Rest bleibt für Sparen, Urlaub und Neuanschaffungen. Und wie sieht es im Alter aus? Stellen Sie dazu dem anvisierten Versorgungsbedarf (80 Prozent vom Nettolohn = 2.400 Euro) Ihr verfügbares Renteneinkommen gegenüber – und sehen Sie ihre Versorgungslücke.

Rechnen Sie wie folgt:

Bedarf: 2.400 €

Gesetzliche Rente: - 1.500 €

Betriebsrente: - 200 €

Privatrente: - 200 €

Fehlbetrag: - 500 €

Ergebnis: Das Renteneinkommen reicht nicht annähernd, um das Versorgungsziel von 80 Prozent des letzten Nettoverdienstes zu erreichen. Es bleibt eine Versorgungslücke von rund 20 Prozent oder 500 Euro. Sollten Ihre Ausgaben im Ruhestand über der 80-Prozent-Grenze liegen, ist der Finanzbedarf sogar noch größer.

Mein Tipp: Faustformeln zur Rente sind nicht zielführend. Nur konkrete Zahlen zeigen die tatsächliche Versorgungslücke. Um den Finanzbedarf im Alter zuverlässig zu ermitteln und zu schließen, kommen Sie um eine individuelle Berechnung nicht herum. Unabhängige Honorarberater zeigen Ihnen, wie das geht.

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