Endspurt

Capital, 1.06.2017

So mancher stellt mit Anfang 50 fest, dass für den Lebensstandard im Rentenalter noch Geld fehlt. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum rechnet vor, was man tun kann, wenn einem noch 1.000 Euro Rente im Monat fehlen.

Im Beispiel geht es um einen 52-jährigen Mann, der seit 25 Jahren in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Wenn er mit 67 aufhört zu arbeiten geht, erwartet er 2.500 Euro Rente. Außerdem erhält er 100.000 Euro aus einer Lebensversicherung ausbezahlt. Weitere 50.000 Euro hat er heute auf dem Konto.

Seinen Wunsch, 1.000 Euro mehr Rente im Monat zur Verfügung zu haben, kann er von dem Ersparten nicht finanzieren. Er möchte die kommenden 15 Jahre dazu nutzen, Kapital dafür aufbauen. Finanzplaner Michael Huber vom VermögensZentrum in Frankfurt kennt diese "Schlussspurt-Strategie" aus seiner Beratungspraxis. "Die Rente rückt in dieser Lebensphase stärker ins Blickfeld, für viele wird sie zum ersten Mal real", sagt Huber. Er weiß: "1.000 Euro Zusatzrente sind mit einer enormen Sparanstrengung verbunden. Das ist aber kein Grund, gar nicht erst anzufangen. Wer spart, hat ab Rentenbeginn in jedem Fall mehr." Aber: "Es ist nie zu spät. Auch mit 50 Jahren kann man nachjustieren."

Wichtige Frage: Kann ich mein Vermögen ausgeben?

Erleichterung bringt dabei eine ganz entscheidende Weichenstellung: Kann und will der 52-Jährige sein aufgebautes Kapital vererben oder kann er es selbst geplant verzehren? Dann nämlich muss er in den nächsten Jahren erheblich weniger Geld auf die Seite legen. Michael Huber weiß: "Die meisten Deutschen sind darauf fixiert, ihren Kindern ein Vermögen zu hinterlassen. Wer jedoch mit Anfang 50 den Aufbau einer Zusatzrente anpeilt, sollte den Kapitalverzehr wählen. Sonst ist die Ziellinie realistischer Weise kaum zu erreichen."

Bei vorsichtiger Kalkulation, die von 67 bis 90 ausgeht, bräuchte er bei einer Rendite von 2 Prozent zu Rentenbeginn über den Daumen gepeilt 600.000 Euro. Wenn er sein Vermögen verbrauchen kann, bräuchte er rund 280.000 Euro. 100.000 Euro stammen aus der Lebensversicherung, die übrigen 180.000 Euro will er in den nächsten 15 Jahren ansparen. Er rechnet mit einer Rendite von 4 Prozent, abzüglich der Abgeltungssteuer bleiben drei Prozent. Das ergibt eine monatliche Sparrate von 783 Euro.

Die Inflation einrechnen

Doch wegen der Inflation kommt er damit nicht aus. Bei einer Teuerung von 2 Prozent pro Jahr sind die 100.000 Euro aus der Lebensversicherung nur noch rund 75.000 Euro wert. Seine Wunschrente von 1.000 Euro verliert ebenso an Kaufkraft. Um diese auszugleichen benötigt er zu Rentenbeginn fast 350 Euro mehr im Monat, und während der Rentenzeit steigt die Summe weiter. Um dieses abzufedern, benötigt er statt 280.000 Euro 392.000 Euro. Seine monatliche Sparrate beträgt statt 783 Euro nun 1.272 Euro.

Michael Huber sagt: "Wenn die notwendige Sparrate auf dem Tisch liegt, lässt sich noch einmal nachjustieren - allerdings zulasten der Reserven oder der Sicherheit." Investiert er von seinem Tagesgeldkonto 40.000 Euro in den Kapitalaufbau, reduziert er damit seine monatliche Sparrate auf 1.050 Euro. Weitere Stellschrauben sind die eingeplante Rentendauer, die Höhe der Zusatzrente und die Höhe der Anlagenrendite: "Das Risiko bei der Geldanlage ist momentan, keine Aktien zu haben. Um mit der Schlussspurt-Strategie auf die Schnelle ein kleines Vermögen für die Zusatzrente zu schaffen, gibt es keine ernsthaften Alternativen. Und sonst auch nicht."

Höhere Rendite mit Aktien und ETFs

Die benötigte Rendite lässt sich zum Beispiel über günstige ETFs erzielen. In der Ansparphase empfiehlt Michael Huber einen Aktienanteil von 70 Prozent und einen Anleiheanteil von 30 Prozent. Zu Rentenbeginn sollte der Aktienanteil halbiert werden. Die Rendite ist zwar nicht garantiert, aber durch die langfristige Planung ist genügend Zeit, um Schwankungen auszusitzen. Historisch betrachtet machten Anleger, die länger als 15 Jahre investiert bleiben, keine Verluste.

In der Gesamtrechnung sollte man noch Steuern und Krankenkassenbeiträge berücksichtigen. "Abzüge von 20 bis 30 Prozent sind realistisch," weiß Michael Huber. "Das ist ein Näherungswert, der aber durchaus eine Vorstellung vermittelt, wie viel von den späteren Alterseinkünften noch abgeht."

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