Das ist die beste Rentenstrategie für jedes Alter

Focus, 2.12.2017

Um im Alter nicht darben zu müssen, ist private Vorsorge unerlässlich. Drei Modellfälle zeigen, wie die unterschiedlichen Altersklassen vorgehen sollten, um das Alter zu genießen.

Trotz überdurchschnittlicher Rentensteigerungen in den letzten Jahren befürchten viele Deutsche finanzielle Engpässe im Alter. Bis 2030 soll das Rentenniveau auf 44 Prozent des letzten Bruttogehalts sinken.

Dabei müssen sich Frauen schon heute im Schnitt mit 665 Euro Rente begnügen müssen. Männer stehen mit 1.096 Euro zwar besser da, doch auch hier sinken die Auszahlungen. Neurentner des Jahres 2017 erhielten im Schnitt nur noch 1.008 Euro Rente. Ob die künftige Bundesregierung gegensteuern wird, steht in den Sternen.

Single, 25 Jahre

Auch wenn Berufseinsteiger oft knapp bei Kasse sind: Wer sein erstes Geld verdient, sollte frühzeitig mit der Altersvorsorge starten. Auf lange Sicht summieren sich selbst kleine Sparbeträge zu einem Vermögen.

Zwei Wege empfehlen sich: Fondssparplan und betriebliche Altersvorsorge. Zahlt ein Berufsneuling von Anfang an 100 Euro in einen Fondssparplan ein, verfügt er nach 40 Jahren bei vier Prozent Nettorendite über ein Kapital von 116.000 Euro. Das reicht - trotz Abgeltungssteuer - 30 Jahre lang für eine Zusatzrente von monatlich 450 Euro, wenn sich der Auszahlplan mit drei Prozent verzinst.

Ohne Abzug von Steuern und Sozialabgaben gelingt der Kapitalaufbau im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Bis zu 254 Euro im Monat können Beschäftigte aktuell in einen bAV-Vertrag überweisen. Die Einzahlungen kommen brutto für netto der späteren Zusatzrente zugute.

Positiv: Ab 2018 verdoppelt sich der mögliche Steuervorteil. Junge Menschen sollten nicht vergessen, die eigene Arbeitskraft gegen Berufsunfähigkeit abzusichern. Wichtig ist auch eine Finanzreserve für Notfälle.

Ehepaar, 40, zwei Kinder

Mit der Familiengründung erreichen Vermögensaufbau und finanzielle Belastung eine neuen Stellenwert. Für junge Eltern spielen der Schutz der Familie, der Erwerb eines Eigenheims und ein gesichertes Einkommen eine wichtige Rolle. Das gilt besonders, wenn ein Elternteil wegen der Kinder beruflich kürzer treten muss.

Kreditraten und hohe Lebenshaltungskosten erfordern stabile Einkünfte, deshalb sollten Verdienstausfälle des Hauptverdieners unbedingt abgesichert werden. Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung sind dafür erste Wahl.

Zum Ansparen fürs Alter empfehlen sich werthaltige Aktien und kostengünstige ETF-Sparpläne. Wichtig ist eine ausgewogene und chancenreiche Depotmischung. Damit beim Rentensparen nichts schief geht, sollten sich unerfahrene Anleger auf jeden Fall beraten lassen.

Mütter können eine eigene Zusatzvorsorge mit Hilfe staatlicher Förderung aufbauen. Leben zwei Kinder im Haushalt, addieren sich Grund- und Kinderzulagen bei der Riester-Rente ab 2018 auf 775 Euro pro Jahr. Binnen 20 Jahren summieren sich die Fördergelder auf 15.500 Euro.

Für Hauptverdiener ist die Betriebsrente dank hoher Steuer- und Abgabenvorteile interessant, mit der Direktzusage winken sogar unbegrenzt Steuervorteile.

Ehepaar, Mitte 50

Sind die Kinder aus dem Haus und das Eigenheim abgezahlt, kann der Vermögensaufbau Fahrt aufnehmen. Das ist vor allem für Ehepaare Mitte 50 wichtig, die bislang nur wenig zurückgelegt haben.

Ist der Renteneintritt mit 65 geplant, bestehen noch knapp zehn Jahre zum Ansparen. Um in dieser Zeit genügend Kapital aufzubauen, sollte man soviel wie möglich beiseite legen.

Aus monatlich 600 Euro erwächst binnen zehn Jahren bei vier Prozent Rendite ein Guthaben von rund 88.000 Euro. Dies ermöglicht 25 Jahre lang eine Monatsrente von gut 400 Euro, wenn sich der Auszahlplan mit drei Prozent jährlich verzinst.

Aufgrund des anhaltenden Zinstiefs investieren viele Sparer am Kapitalmarkt. Wer vorrangig auf Einzelaktien und Themenfonds setzt, sollte Richtung Erwerbsende in weltweit gestreute Anlagen umschichten, um Risiken im Alter zu mindern. Bei Aktien und Fonds, die später an die Kinder vererbt werden sollen, besteht dazu aber keine Eile.

Hoch im Kurs stehen Immobilien zur Vermietung. Eigentumswohnungen und Grundstücke bestechen mit hoher Wertbeständigkeit, regelmäßigen Pacht- oder Mieteinkünften und Steuervorteilen. Die Kreditzinsen sind steuerlich abzugsfähig, ebenso die Ausgaben für Instandhaltung und Modernisierungsmaßnahmen.

Ältere Kreditnehmer sollten sicherstellen, dass sie die Darlehensraten auch bei Renteneintritt mühelos schultern können. Große Immobilienwerte sollten rechtzeitig an Angehörige weitergereicht werden, um Erbschaftssteuer zu sparen.

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