Was die Märkte bewegt

Diese Seite teilen

Newsletter vom 14. September 2021

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Trotz mehr Gegenwind – der Aufschwung setzt sich fort

Die Anzeichen, dass die steilste Phase des Konjunkturaufschwungs hinter uns liegt, nehmen zu. Doch diese Erkenntnis darf nicht überraschen. Denn der Schwung aus den Tiefen der Krise muss logischerweise an Antriebskraft verlieren, um wieder auf die normale Spur einzumünden.

Das Virus erfasste Asien letztes Jahr zuerst. Nun sind auch die asiatischen Regionen jene, die sich konjunkturell als erste wieder abzukühlen beginnen. Die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) zeigen, dass die wirtschaftliche Dynamik in der jüngsten Zeit in vielen Regionen nachlässt. In den Industrieländern erfolgt diese Verlangsamung aber auf Ständen, die eine Boomphase signalisieren. So liegen eine Mehrzahl der Indexwerte Nordamerikas und Europas auf noch über 60 Punkten – ein Wert, der auf äußerst solide Wachstumsaussichten hinweist. Der globale Einkaufsmanager-Index für den August ist den dritten Monat in Folge gefallen und liegt nur noch wenig über dem Stand vom Februar. Insbesondere die Verlangsamung in Asien ist für den Trend verantwortlich. Mit 54,1 Punkten notiert der weltweite Gradmesser aber noch deutlich über der Wachstumsmarke von 50 (siehe Grafik).

Wirtschaftliche Dynamik lässt etwas nach
Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe; in Punkten; Werte über 50 Punkte signalisieren eine wirtschaftliche Expansion, Werte darunter eine Kontraktion.
Wirtschaftliche Dynamik lässt etwas nach

Quelle: IHS Markit

In Fernost trübt sich das Konjunkturbild ein. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die ausgesprochen exportorientierten Länder Japan und Südkorea liegen nur noch knapp über der Wachstumsschwelle. Die Lieferengpässe in der Halbleiterindustrie bremsen hier die Dynamik empfindlich. Die jüngsten, gewohnt strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind neben den Lieferproblemen in China ein Grund für die Abkühlung.

Doch Vieles spricht dafür, dass sich das wirtschaftliche Wachstum auch in den kommenden Monaten solide entwickeln wird. Aktuell ist der Rückgang vieler Indikatoren vor allem als eine Normalisierung von den kräftigen Nachholeffekten und den Fiskalstimuli zu verstehen.

Die steigenden Preise von Immobilien und Finanzanlagen haben viele mittelständische Haushalte vermögender gemacht. Die Zinsen verharren noch längere Zeit auf äußerst tiefen Ständen, die Unternehmensgewinne entwickeln sich sehr gut, die Löhne steigen und die Beschäftigungslage   verbessert sich zusehends.

Diese Ausgangslage lässt die zweifellos bestehenden Gefahren in den Hintergrund treten. Eine erhöhte Teuerung kann von der Mehrheit der Haushalte problemlos einige Zeit verkraftet werden, ohne dass sie ihr Konsumverhalten ändern. Und trotz einer verstärkten Ausbreitung der Delta-Variante ist die Lage nicht vergleichbar mit den früheren Wellen der Pandemie. Es drohen kaum noch Lockdowns und Einschränkungen wie in der Vergangenheit. Dazu kommen die Aussichten auf das große US-Infrastrukturprogramm und den EU-Wiederaufbaufonds, die ihre stimulierende Wirkung über Jahre hinaus entwickeln werden.

All diese Faktoren werden dazu beitragen, dass sich die Notenbanken in den nächsten Monaten und Jahren graduell aus ihren ultralockeren Programmen zurückziehen können, ohne die Finanzmärkte aus ihrer Bahn zu werfen.

Fazit

  • Die Industrieländer befinden sich noch immer in einer äußerst soliden Wachstumszone, Südostasien kühlt sich stärker ab.
  • Die aktuelle Verlangsamung der Konjunkturindikatoren bedeutet in erster Linie eine Normalisierung.
  • Die finanzielle Verfassung der mittelständischen Haushalte hat sich in den letzten Monaten so verbessert, dass eine hohe Inflation einige Zeit problemlos verkraftet wird.
  • Die riesigen Wiederaufbauprogramme der USA und Europas werden über Jahre stimulierend wirken.

Aktien: Indizes im August mit weiteren Kursgewinnen

Im August gelang den globalen Aktienmärkten ein Plus von rund drei Prozent. Seit Ende des Monats hat der Weltaktienindex weiter zugelegt und notiert mit aktuell rund 3160 Punkten auf einem neuen Allzeithoch. Auch europäische und US-amerikanische Aktien bauten ihre gute bisherige Entwicklung dieses Jahres weiter aus. Letzteren gelang vor dem Hintergrund einer "dovishen" Notenbankrhetorik sogar noch eine stärkere Performance als dem Weltaktienindex. Selbst asiatische Titel und Schwellenländeraktien legten nach einer langen Durststrecke gegen Augustende wieder einmal kräftig zu. Die gute Aktienmarktentwicklung über den Monatswechsel und in der ersten Septemberwoche ist auf weitere Impfpflichtverschärfungen in diversen Ländern zurückzuführen. Sie dämmen die Sorgen um weitere Virusmutanten und deren Auswirkungen etwas ein und geben Hoffnung, das Virus insgesamt besser unter Kontrolle zu bringen. Auf Sektorenebene konnten IT und Telekommunikation über fünf Prozent zugewinnen. Etwas schwächer entwickelten sich Konsum-, Energie- und Rohstofftitel

Ebenfalls mit einem positiven Vorzeichen, jedoch leicht schwächer als der Gesamtmarkt, beendeten deutsche Aktien (DAX Index) den Monat August. Etwas besser lief es für die klein- und mittelkapitalisierten Titel. Ähnlich wie auf globaler Ebene nimmt die dynamische Erholung der deutschen Konjunktur auf hohem Niveau leicht ab. Es erstaunt daher nicht, dass vorlaufende Indikatoren einen allmählichen Rückgang zur Normalisierung anzeigen. Der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen ging im Juli vom 61.8 Punkten auf 57.5 Punkte zurück während sich der Index für das verarbeitende Gewerbe über 65 Punkten halten konnte. Nahe am Rekord.

Die weitere Aktienmarktentwicklung wird von den Fortschritten rund um die Coronabekämpfung geprägt sein. In den letzten Wochen sind zu diesen globalen Unsicherheiten zusätzlich noch geopolitische Herausforderungen hinzugekommen. Solange sich der Markt auf die fiskal- und geldpolitische Unterstützung verlassen kann, sind die Voraussetzungen für eine solide Kursentwicklung gegeben.

In der technischen Analyse zeigt sich im MSCI World ebenfalls der starke Aufwärtstrend der letzten Wochen. Zuletzt hat sich auch die Marktbreite dank einer Outperformance der klein- und mittelgroßkapitalisierten Unternehmen verbessert. Die relative Performance der zyklischen Sektoren konsolidiert weiterhin den steilen Anstieg zwischen März 2020 und März 2021. Eine Fortsetzung der relativen Stärke der Zykliker wäre ein starkes Signal für den Gesamtmarkt. Noch zeichnet sich aber kein Ende der Konsolidierung ab. Statistisch gilt der September als schwächster Monat des Börsenjahres. Somit würde zumindest der Kalender die Vorlage für eine volatilere Marktphase geben. Aufgrund der anhaltend konstruktiven technischen Marktlage wäre ein Kursrücksetzer eine attraktive Möglichkeit, das Portfolio nochmals etwas offensiver auszurichten.

Fazit

  • Aktienindizes setzen ihre Kursanstiege fort.
  • Global nimmt die dynamische Konjunkturerholung ab und vorlaufende Indikatoren weisen auf eine Rückkehr zur Normalisierung hin.
  • Die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen werden bis auf weiteres fortgeführt, was für die Aktienmärkte weltweit eine wichtige Stütze ist.

Zinsen: Erste Tapering-Diskussionen sorgen für leichten Zinsanstieg

Die Zinsen sind seit Anfang August leicht angestiegen. Dieser Anstieg war in allen Regionen und über sämtliche Laufzeiten zu beobachten. Infolge der stärkeren Bewegung bei langlaufenden Anleihen hat sich auch die Zinskurve versteilert.

Es gab zwar keine Notenbanksitzungen im August, ein wichtiges Treffen hat dennoch für Bewegung am Zinsmarkt gesorgt: Das alljährliche Fed Symposium in Jackson Hole, welches von den Marktteilnehmern mit Spannung erwartet wurde. Jerome Powell – Chef der amerikanischen Notenbank – machte an diesem Treffen klar, dass ein Zurückfahren der Anleihenkäufe (Tapering) mittlerweile in Diskussion stehe, jedoch diese erste geldpolitische Straffungsmaßnahme klar losgelöst von Leitzinserhöhungen sein werde. Letztere würden erst in einem zweiten Schritt und wohl auch nicht vor Ende 2022 erfolgen. Diese Aussagen wurden von den Marktteilnehmern als "dovish" wahrgenommen, was in der Folge den Zinsanstieg etwas bremste. Da einer der wichtigsten Faktoren zur Bestimmung des geldpolitischen Fahrplans der Arbeitsmarkt ist, wurde der US-Arbeitsmarktbericht in der ersten Septemberwoche ebenfalls gespannt erwartet. Während der Arbeitsplatzaufbau hinter den Erwartungen war, ist die Arbeitslosenquote weiter gesunken. 8.4 Millionen Menschen in den USA sind arbeitslos.  Die Zahl der Beschäftigten liegt nach wie vor unter dem Niveau von vor der Pandemie. Diese Daten haben die Erwartungen gebremst, die Fed werde bald ihr Anleihenkaufprogramm zurückfahren. In Europa wurden zuletzt erste Stimmen laut, dass auch die EZB erste Tapering-Diskussionen starten könnte. Eine baldige Rückkehr zur restriktiveren Geldpolitik ist in Europa jedoch weniger realistisch, da sich die konjunkturelle Erholung im Vergleich zu den USA mit einer zeitlichen Verzögerung entwickelt.

Nun sind weitere Aussagen an den nächsten Notenbanktreffen und die weiteren Konjunkturdaten abzuwarten, ehe die weitere Zinsentwicklung klarer eingeschätzt werden kann. Jeden Fall ist es sinnvoll, Anleihensubsegmente mit kürzerer Duration beizumischen.

Fazit

  • Regional breit abgestützter Zinsanstieg in Erwartung an erste Tapering-Diskussionen in den USA.
  • Wichtigste Aussage des Jackson Hole-Treffens: Planung des Zurückfahrens von Anleihenrückkäufen stellt keine Indikation für baldige Leitzinserhöhungen dar.
  • Demnächst stehen weitere Notenbanktreffen mit wichtigen Indikationen für die geldpolitischen Pläne an.

Weitere Anlageklassen: Bewertungen am Cat Bond-Markt enthalten die jüngsten Ereignisse um Hurrikan Ida noch nicht

Rohstoffe

Im Verlauf des Augusts war Gold unter die Marke von 1.800 US-Dollar pro Unze gefallen. Der Preis für das Edelmetall konnte sich dann wieder erholen und rettete sich bis Monatsende zurück bis auf 1.814 USD pro Unze. Der schwächere US-Dollar sorgte auch bei weiteren Rohstoffen für Preisanstiege. Industriemetalle waren zwar über den ganzen Monat gesehen ohne große Veränderung des Preisniveaus, hatten aber wie Gold auch einen zwischenzeitlichen Taucher zu überstehen. Ein ebenfalls sehr ähnliches Bild ist bei den Öl-Sorten WTI und Brent zu beobachten. Generell bewegten sich die konjunktursensitiven Rohstoffe ähnlich wie die zyklischeren Aktien-Positionen mit einem schwachen Start in den Monat – danach aber auch mit einer kräftigen Erholung. Nachdem in der ersten Septemberwoche der monatliche Arbeitsmarktbericht in den USA schwächer als erwartet ausgefallen war, kamen die Ölpreise leicht unter Druck.

Cat Bonds

Katastrophenanleihen profitierten im August von einer saisonal bedingten Spread-Einengung und erzielten damit eine der besten Monatsrenditen im 2021. Aufgrund der Hurrikan-Hochsaison im Atlantik ist die Emissionsaktivität am Primärmarkt derzeit tief. Der Hurrikan Ida sorgte Ende August für höhere Schwankungen am Cat Bond-Markt und einer höheren Divergenz zwischen Geld- und Briefkursen, diese hat sich bis Augustende jedoch noch nicht in den Bewertungen niedergeschlagen. Ida war der stärkste Hurrikan, der seit 2017 das US-Festland erreichte. Die Sturmfluten und hohe Niederschlagsmengen führten in den Küstengebieten und den tiefliegenden Gebieten des Staates zu zahlreichen Überschwemmungen. Starke Winde sorgten dafür, dass mehr als eine Million Haushalte von Stromausfällen betroffen waren. Es besteht noch eine große Unsicherheit, was die genaue Höhe der Schäden anbelangt. Die Schätzungen gehen von Versicherungsschäden im Bereich von 15 bis 25 Milliarden US-Dollar aus. Es ist deshalb bei Hurrikanrisiken, welche in Verbindung mit Louisiana stehen, mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Bei reinen Cat Bond Fonds-Positionen dürften die Performance-Einbußen jedoch moderat ausfallen. Eine genauere Einschätzung der Auswirkungen wird in den kommenden Wochen möglich sein.