Was die Märkte bewegt

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Newsletter vom 15. März 2021

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Steigende Kapitalmarktzinsen sorgen für Unruhe

Nach den konjunkturellen Bremsspuren, die die zweite Coronawelle ausgelöst hat, deutet nun vieles auf eine relativ dynamische Wirtschaftsentwicklung im weiteren Jahresverlauf hin. Denn mit den Fortschritten beim Impfprozess dürfte sich die Wirtschaft nicht nur zusehends normalisieren, sondern wegen der beachtlichen Ersparnisse bei den Bürgern und der Nachholeffekte beim Konsum regelrecht aufblühen. An den Rohstoffmärkten wird diese Entwicklung bereits ein Stück weit vorweggenommen. So zeigen die Preise für Rohöl und verschiedene Industriemetalle seit Monaten nach oben.

Die Aussicht auf einen Wirtschaftsboom lässt allerdings auch die Inflationserwartungen steigen – und in der Folge die Kapitalmarktzinsen. Denn die Investoren lassen sich für das höhere Inflationsrisiko entschädigen. Und dieser Zinsanstieg hat die Stimmung an den Finanzmärkten etwas eingetrübt, weil er viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischte.

Setzt sich der Anstieg der Kapitalmarktzinsen fort, dann dürften auch die jüngsten Markttrends weiterbestehen, dass also im Aktienbereich die als eher zinssensitiv geltenden Technologie- und Gesundheitswerte eher zurückfallen, während Zykliker und Finanzwerte im Aufwind stehen. Diese Sektorrotation, wie das Phänomen unter Finanzexperten genannt wird, ist auch bei anderen Anlageklassen zu beobachten. Grundsätzlich ist seit etwa letztem Sommer eine Bewertungskorrektur an den Anlagemärkten im Gange: Zinssensitive Anlagen – wie langlaufende und mit einem geringen Coupon versehene Anleihen und eben Wachstumsaktien mit ihrem hohen Cashflow in der Zukunft werden tendenziell zurückgestuft, während weniger zinssensitive Assets wie High-Yield- oder Unternehmensanleihen mehr Zuspruch erfahren.

Allen Zinsängsten zum Trotz gilt das Risiko von steigenden Nominalzinsen derzeit weiterhin als sehr gering. Vertreter der großen Notenbanken der Welt erklären seit Monaten praktisch bei jeder Gelegenheit, dass sie so lange expansiv und stimulierend bleiben, bis mindestens die schlimmsten Corona-Folgeschäden behoben sind und die Teuerungsrate zwei Prozent übertroffen hat. Laut Konsensschätzung dürften die Leitzinsen damit wohl noch eine ganze Zeit lang auf der Null-Linie verharren, wenigstens für die nächsten zwei Jahre. Auch der Markt sieht das so. Der allgemeine Renditeanstieg am Anleihenmarkt zeigt sich jedenfalls nicht bei den 2-jährigen US-Staatsanleihen (siehe Grafik). Anders ausgedrückt: Die Investoren rechnen bis 2023 nicht mit einem Zinsanstieg.

Bondrenditen steigen – aber nicht am kurzen Ende
Die Signale vom US-Bondmarkt sind eindeutig: Für die nächsten zwei Jahre ist nicht mit einem Anstieg der Nominalzinsen zu rechnen.
Bondrenditen steigen – aber nicht am kurzen Ende

Quelle: Bloomberg

Gleichwohl sahen verschiedene Notenbanker offenbar die Notwendigkeit, sich zur aktuellen Lage zu äußern, um so zur Beruhigung der Lage beizutragen. So zum Beispiel Lius de Guindos, der Vize-Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). Er machte klar, dass die EZB genügend Mittel habe, um jeden unerwünschten Anstieg der Anleiherenditen zu bekämpfen. Die EZB sei offen, notfalls das billionenschwere Pandemie-Anleihekaufprogramm PEPP zu "rekalibrieren", einschließlich des Kaufrahmens, sagte er. Dieser ist inzwischen auf 1,85 Billionen Euro angelegt. Rund eine Billion Euro seien aber bislang noch ungenutzt. "Wir haben Spielraum und wir haben Munition", gab de Guindos zu bedenken.

Für Investoren bleiben die Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten chancenreich und vielversprechend. Deshalb haben viele Profi-Anleger wie Hedgefonds in jüngster Zeit Kursrückschläge vor allem dazu genutzt, ihr Portfolio noch offensiver auszurichten. Für Kleinanleger empfiehlt sich allerdings weiterhin der Fokus auf altbewährtes: der eigenen Anlagestrategie treu zu bleiben und auf Experimente zu verzichten.

Fazit

  • Aussicht auf dynamisches Wirtschaftswachstum im weiteren Jahresverlauf lässt Inflationserwartungen steigen. In der Folge steigen auch die Kapitalmarktzinsen.
  • Mit steigenden Nominalzinsen ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. In den großen Währungsräumen werden die Notenbanken im Gegenteil bis auf weiteres expansiv und stimulierend bleiben.
  • Für Investoren bleiben die Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten chancenreich und vielversprechend.

Aktien: Gestiegene Inflationserwartungen vorteilhaft für zyklische Sektoren

Februar war für die Aktienmärkte insgesamt ein positiver Monat – allerdings mit deutlichen Unterschieden unter den verschiedenen Segmenten. Insbesondere gegen Ende des Monats traten große Tagesschwankungen zu Tage, welche die Vergleiche unter den Regionen teilweise etwas verzerren. Haupttreiber waren die höheren Inflationserwartungen sowie gestiegene Zinsen. Somit kam es auf Sektorebene zu einem deutlichen Trend: Profiteure von tiefen Zinsen verloren, Profiteure von höherer Inflation gewannen. Energiewerte, Industrie- sowie Finanztitel legten teils deutlich zu, während Versorger und IT, aber auch Gesundheitswerte und Konsum-Titel dem Markt hinterherhinkten. Generell waren die größten Verluste dort zu finden, wo auch die höchsten Bewertungen vorherrschten.

Die Titel von kleinkapitalisierten Unternehmen lieferten erneut eine deutlich bessere Performance ab, als ihre großkapitalisierten Pendants. Zudem schnitten Value-Titel erneut besser ab als Wachstumswerte.

Aus technischer Sicht ist der weitere Anstieg der Langfristzinsen und die damit verbundene Konsolidierung an den Aktienmärkten als zwischenzeitliche Abkühlung durchaus positiv zu werten. Für die Entwicklung des MSCI World in den nächsten Wochen ist das Januar-Zwischentief bei 2650 Punkten wichtig. Solange dieses Kursniveau gehalten werden kann, bleibt der kurzfristige Ausblick konstruktiv. Sollte der Markt die Unterstützung durchbrechen, muss eine Verlängerung der Konsolidierung und ein Rücksetzer bis 2500 Punkte einkalkuliert werden. Aufgrund des weiterhin positiven mittelfristigen technischen Bilds wäre ein solcher Rückgang auf den 200-Tagesdurchschnitt eine interessante Möglichkeit, das Portfolio nochmals etwas offensiver auszurichten.

Fazit

  • Inflationsängste und steigende Zinsen bremsen die Aktienrally etwas.
  • Zinssensitive Sektoren wie Gesundheitswerte und Versorger hinken dem Markt hinterher, während Energie-, Industrie- und Finanztitel vom aktuellen Umfeld profitieren.
  • Inzwischen haben die Dienstleister ihren Abstand zum verarbeitenden Gewerbe wieder aufgeholt.

Zinsen: Notenbanken schätzen Renditeanstieg als nicht nachhaltig ein

Der Anstieg der Zinsen setzte sich auch im Februar fort.  In Europa sind die Zinsen über alle Laufzeiten gestiegen, wobei vor allem die Renditen am langen Ende durch die Inflationssorgen nach oben getrieben wurden. Den stärksten Anstieg gab es in den USA, wo Inflationsängste die mittleren und langen Zinsen deutlich in die Höhe trieben.

Sitzungen von Notenbanken gab es im Februar keine, jedoch äußerte sich beispielsweise der Fed-Vorsitzende Jerome Powell in einer Rede, dass weitere Fiskalmaßnahmen wichtig seien, da es noch lange dauern werde, bis sich der US-Arbeitsmarkt erholt haben wird. Sowohl Powell als auch EZB-Chefin Lagarde rechnen nicht mit einem anhaltenden Inflationsanstieg und betonen, dass die geldpolitische Unterstützung garantiert ist, solange wie die Wirtschaft diese benötigen werde.

Inzwischen ist es fast sicher, dass das US-Hilfspaket über 1,9 Billionen US-Dollar verabschiedet werden wird. Dies stimmt die Märkte positiv. US-Finanzministerin Janet Yellen forderte zudem weitere rasche Konjunkturhilfen und beruhigte durch die Aussage, dass die USA selbst im Fall eines starken Inflationsanstiegs über genügend Instrumente verfügten, um einem zu starken Überschießen der Inflation entgegenzuwirken.

Die weiteren Segmente am Zinsmarkt entwickelten sich in den vergangenen vier Wochen unterschiedlich. Während Unternehmensanleihen von den mehrheitlich positiven Quartalszahlen der Unternehmen und den Notenbankstützen profitierten, verzeichneten Hochzinsanleihen gewisse Kapitalabflüsse. Die guten Quartalszahlen waren aber auch hier ein positiver Faktor. Wandelanleihen spürten hingegen die Inflationsängste ebenfalls relativ stark. Nachrangige Finanzanleihen überzeugen mit einer mit Hochzinsanleihen vergleichbaren Entschädigung und haben gleichzeitig Firmen im Investment Grade-Bereich im Rücken. Auch sie profitieren von den Notenbankstützen.

Fazit

  • Der Zinsanstieg zeigte sich breit verteilt über alle Anlageregionen und war im Bereich der langen Laufzeiten am stärksten.
  • Die fiskal- und geldpolitischen Stimuli stützen die Märkte.
  • Während Wandelanleihen durch den Zinsanstieg unter Druck gerieten, profitierten Hochzins- und Unternehmensanleihen von guten Quartalszahlen der Unternehmen.

Weitere Anlageklassen: Die Schere zwischen Gold- und Ölpreis tut sich weiter auf

Rohstoffe: Auch bei den Rohstoffen zeigt sich das zyklische Umfeld deutlich: Erdöl, Industriemetalle und vorwiegend industriell genutzte Edelmetalle konnten deutlich zulegen, während das als sicherer Hafen geltende Gold deutlich weniger gefragt war. Kupfer konnte den Monat um 9000 US-Dollar pro Tonne abschliessen – nochmals etwa 1000 US-Dollar mehr als per Ende Januar.

Gegen Ende des Monats wurden die Schwankungen im Erdölbereich größer und es kam zu zwischenzeitlichen Rücksetzern. Die Erdölsorten Brent und WTI handelten während des gesamten Februars mehrheitlich über dem als fair erachteten Preisband von 50 bis 60 US-Dollar pro Fass. Nach dem OPEC+-Meeting bauten die Preise ihren Abstand davon noch aus. Am Wochenende stieg der Fasspreis der Sorte Brent auf knapp 70 Dollar, nachdem es zu einem Drohnenanschlag auf den saudischen Ölkonzern Aramco kam. Inzwischen sind die Preise wieder etwas gesunken.

Cat Bonds: Im Januar wurde lediglich ein neuer Cat Bond am Markt platziert. Dies ist jedoch nicht ungewöhnlich, da zu Jahresbeginn in der Regel weniger Neuemissionen an den Markt gelangen. Viele traditionelle und besicherte Rückversicherungsverträge werden Anfang des Jahres erneuert. Im Februar kam es in den USA zu einer Reihe von heftigen Wirbelstürmen. Die dadurch verursachten Versicherungsschäden werden auf 12 bis 18 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dieses Ausmaß könnte das teuerste Wintersturm-Ereignis in der jüngsten US-Geschichte sein. Je nachdem wie die Cat-Bond-Produkte ihr Portfolio ausgerichtet haben, dürften sie unterschiedlich stark von den Ereignissen betroffen sein. Bis allerdings die Schäden genau berechnet wurden, wird es noch Preisverzerrungen geben. Dies dürfte in den kommenden Wochen für Schwankungen sorgen.