Was die Märkte bewegt

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Newsletter vom 15. Februar 2021

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Finanzmärkte zeigen sich sehr robust

Für kurze Zeit war die Stimmung an den Finanzmärkten im Keller. Nach einem schwungvollen Jahresstart stieg die Nervosität in der zweiten Januarhälfte unvermittelt an. Das ist vor allem auf vereinzelte, von Kleinanlegern ausgelöste Kursturbulenzen am US-Aktienmarkt zurückzuführen. Diese hatten sich über spekulative Finanzwetten mit Profiinvestoren angelegt – und sie beinahe in die Knie gezwungen. Und das hätte aufgrund von Ansteckungseffekten durchaus eine veritable Krise auslösen können. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Vielmehr zeigten sich die Finanzmärkte sehr robust. Und das wiederum ist ein starkes Signal an die Investoren. So erklärt sich auch, warum seit Anfang Februar die Risikolaune zurückgekehrt ist.

Eine weitere Auffälligkeit der letzten Wochen: Häufig wurden in der aktuell laufenden Bilanzsaison Unternehmen trotz besser als erwarteter Geschäftszahlen an der Börse abgestraft. Für Börsenpessimisten ist dies ein ungutes Zeichen, weil dieses "profit taking" die vierte von fünf Stufen im vom US-Ökonomen Hyman Minsky entworfenen populären Modell einer Spekulationsblase ist.

Allerdings zeigte sich in den letzten Tagen ein weiteres altbekanntes Muster an den Aktienmärkten: in Kursrücksetzern holt der Markt Schwung für einen neuen Anstieg. Und diese Entwicklung ist auch nachvollziehbar. Denn angesichts der Rahmenbedingungen mit tiefen Zinsen stehen Dividendenpapiere besser da als Anleihen. Auf den Punkt gebracht: Die Alternativlosigkeit von Aktien hat sich während der Pandemie nochmals verstärkt. Daran wird sich sobald nichts ändern. Wie die jüngsten Notenbanksitzungen einmal mehr zeigten, haben die Entscheidungsträger derzeit alles andere im Sinn als die Geldpolitik in irgendeiner Form zu straffen. Die Geldpolitik bleibt auf absehbare Zeit unterstützend. Anleger, die ihr Portfolio in Schwächephasen offensiver positionieren, haben genau das vor Augen.

Ein weiterer wichtiger Grund, weshalb Rückschläge als Kaufgelegenheit genutzt werden: Die Investoren an den globalen Finanzmärkten haben bereits die Zeit nach der Pandemie im Blick. Denn mit der immer weiter voranschreitenden Durchimpfung der Gesellschaft ist ein Ende in Sicht. Noch ist zwar nicht klar, ob das Coronavirus bereits in der zweiten Jahreshälfte in die Schranken gewiesen werden kann. Doch selbst bei Rückschlägen dürfte klar sein: die Pandemie hat ein Verfallsdatum. Und das, was danach kommt, ergibt ein durchaus ansprechendes Bild. Konjunkturelle Nachholeffekte dürften in Verbindung mit den riesigen Fiskalprogrammen einen regelrechten Wirtschaftsboom auslösen.

Allein in den USA kommt zu den drei Billionen US-Dollar, die man letztes Jahr schon verabschiedet hat, ein weiteres Programm im Umfang von voraussichtlich knapp zwei Billionen US-Dollar hinzu. Das zusammen entspricht etwa einem Fünftel des Bruttoinlandprodukts der USA. Ähnlich die Situation in der Eurozone, wo der Wiederaufbaufonds mehrere hundert Milliarden Euro zur Verfügung stellen dürfte. Diese Impulse wiederum werden für steigende Unternehmensgewinne und in der Folge für weiter steigende Aktienkurse sorgen.

Die Hoffnung auf einen kräftigen Konjunkturaufschwung nach der Pandemie lässt bereits die Anleihenrenditen am mittleren und langen Ende steigen. In den USA wurde hier zuletzt eine wichtige Hürde genommen: Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen stieg auf deutlich über 1 Prozent (siehe Grafik), nachdem vor einem halben Jahr bei 0,5 Prozent ein Rekordtief markiert wurde. Neu zeigt sich auch in einigen Ländern Europas ein Renditeanstieg – wenn auch bislang erst zaghaft.

Renditen zehnjähriger Staatsanleihen
Die Aussicht auf ein Konjunkturboom nach der Pandemie lässt die Zehnjahres-Renditen in den USA auf über 1 Prozent steigen. Und in Deutschland beginnen sich die Bondrenditen von ihren Tiefstständen zu lösen.
Renditen zehnjähriger Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg

Die Kardinalsfrage an den Finanzmärkten ist derzeit, wie weit die US-Notenbank Fed die Anleihenrenditen steigen lassen wird. Die hohe Verschuldung sowohl auf staatlicher wie auch auf Unternehmensebene dürfte die Notenbank wohl früher oder später zum Eingreifen zwingen. Spekuliert wird, dass die Fed dann das Instrument der Zinskurvenkontrolle auspackt, wie es bereits die Zentralbanken von Japan und Australien erfolgreich im Einsatz haben. Dabei definiert die Fed für einen bestimmten Bereich der Zinskurve konkrete Renditeziele. Und diese werden dann mittels – faktisch – unbeschränkter Anleihenkäufe in diesem Laufzeitenbereich am Markt durchgesetzt. Sollte es tatsächlich zu dieser Maßnahme kommen, dürfte diese massive Geldflut den US-Dollar auf Talfahrt schicken.

Doch mit der sich jüngst abzeichnenden Trendwende beim US-Dollar zu erneuter Stärke haben diese Spekulationen etwas an Substanz verloren. Es könnte allerdings auch sein, dass sich hier – wie so häufig an den Finanzmärkten – mehrere Faktoren überlagern. Denn der seit einigen Wochen insbesondere gegenüber dem Euro sich aufwertende US-Dollar kann auch mit der Erwartung einer rascher wiedererstarkenden US-Wirtschaft erklärt werden. Im Vergleich zu Europa kommen die USA mit der Impfung ihrer Bevölkerung nämlich deutlich schneller voran.

Fazit

  • In der zweiten Januarhälfte zeigte sich die Robustheit des globalen Finanzmarktes. In der Folge kehrten die Risikofreude und die Zuversicht an die Märkte zurück.
  • Erneut bestätigte sich das Muster, dass Rücksetzer an den Aktienmärkten als Kaufgelegenheit betrachtet werden. Die Rahmenbedingungen sprechen weiterhin für Aktien.
  • Die Hoffnung auf einen kräftigen Konjunkturaufschwung nach der Pandemie lässt die Anleihenrenditen insbesondere in den USA steigen.

Aktien: Nach fulminantem Jahresstart kurzer Marschhalt

Für die meisten Aktienmärkte endete der erste Monat im Jahr mit einer Performance um null Prozent. Das widerspiegelt jedoch die tatsächliche Entwicklung nicht, denn die Aktienkurse starteten fulminant ins Jahr und erreichten teilweise neue Höchststände. In den letzten Handelstagen des Januars bremsten aber wiederum verschiedene Faktoren die Aktienmärkte: Pandemiesorgen, die US-Wahlen und die Geschehnisse um den Machtwechsel. Dies hat bei den Kursen für deutliche Rücksetzer gesorgt.

Dies führte auch dazu, dass Zykliker, abgesehen von den ersten Januar-Tagen, wesentlich weniger gefragt waren als defensive Titel. Dies schlug sich auch auf Sektor-Ebene durch: Energie- und Rohstofftitel waren weniger gesucht, ebenso Industrie- und Finanzwerte. Dafür erlebten Konsum-Titel ein gewisses Revival.

Alles in allem konnten die Titel von klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen ihren Trend zur Outperformance gegenüber den grosskapitalisierten Werten weiter fortsetzen, wenn auch etwas holpriger als in den Vormonaten.

Seit Anfang Februar kehrten die Aktienindizes wieder um und seither befinden sich die Anleger erneut in Kauflaune. Auch aus technischer Sicht bestätigt die anhaltende Stärke von kleiner kapitalisierten Unternehmen und zyklischen Sektoren den mittelfristigen Aufwärtstrend an den Aktienmärkten. In den nächsten Monaten ist mit einer Fortsetzung der freundlichen Markttendenz zu rechnen. Kleinere Kursrücksetzer, wie zuletzt Ende Januar, sind natürlich jederzeit möglich, gelten jedoch weiterhin als Chancen das Portfolio bei Bedarf nochmals offensiver auszurichten.

Angetrieben wird die starke Erholung derzeit von den Finanz-, Industrie- und IT-Titeln. Ebenfalls für die aufgehellte Stimmung sorgen die Hoffnungen auf das billionenschwere Konjunkturpaket in den USA, für welches sich auch US-Finanzministerin Janet Yellen deutlich zustimmend äußert.

Fazit:

  • Fulminanter Jahresstart wird Ende Januar zwischenzeitlich gestoppt.
  • Die wiedergewonnene positive Aktienmarktstimmung wird durch die gute Entwicklung zyklischer Sektoren unterstrichen.

Zinsen: Spürbarer Zinsanstieg am langen Ende

Während die Zinsen für kurze Lauf-zeiten durch die geldpolitischen Lockerungen tief gehalten werden, zeigte sich im Laufe der letzten Wochen ein spürbarer Anstieg bei den längeren Laufzeiten. Insbesondere in den USA dürfte sich diese Tendenz fortsetzen, wenn auch im historischen Vergleich eher bescheiden. Treiber für steigende US-Zinsen liegen klar in der gestiegenen Wahrscheinlichkeit für zusätzliche Fiskalpakete in den USA. Durch die demokratische Ausgestaltung dürfte Bidens Vorschlag über 1.9 Billionen US-Dollar höhere Chancen auf Zustimmung im Senat haben. Auch der Fortschritt bei den Impfstoffen könnte der Wirtschaft im Jahresverlauf zu einer dynamischen Erholung verhelfen und damit die Nachfrage nach sicheren Anlagen verringern.

Auf Notenbankseite gab es an den letzten Sitzungen von EZB und Fed wenige Neuigkeiten. Beide Notenbanken nahmen weder Anpassungen an den Leitzinsen noch an den Anleihenkaufprogrammen vor. Letztere werden wie bislang unverändert fortgesetzt. EZB-Chefin Lagarde betont weiterhin die Wichtigkeit der günstigen Finanzierungskonditionen in der Eurozone. Fed-Vorsitzender Powell dementierte Gerüchte über eine baldige Reduktion des Quantitative Easing-Programms. Die Fed will an der lockeren Geldpolitik festhalten bis eine Inflation von 2 Prozent erreicht ist und Vollbeschäftigung herrscht.

Im aktuellen Zinsumfeld und in Anbetracht einer begrenzten Fortsetzung des Zinsanstiegs, bieten die hochverzinslichen Segmente eine gute Ergänzung im Anlageportfolio. Insbesondere Schwellenländeranleihen sowie nachrangige Financials bleiben attraktiv.

Fazit

  • Zinsen mit kurzen Laufzeiten bleiben tief, während jene mit längeren Laufzeiten durch Hoffnungen an Fiskalstimuli und den Erfolg der Impfstoffe tendenziell leicht steigen dürften.
  • Die Notenbanken halten an ihren Leitzinsen fest und setzen die Anleihenkaufprogramme fort.
  • Hochverzinsliche Segmente wie Schwellenländeranleihen und nachrangige Financials bieten attraktive Anlagemöglichkeiten im Portfolio.

Weitere Anlageklassen: Ölpreise steigen weiter

Rohstoffe: Die meisten Rohstoffe starteten relativ ruhig ins neue Jahr. Eine deutliche Ausnahme war Silber: Angetrieben von "Klein-Anlegern" erlebte das Edelmetall einen steilen Aufstieg bevor es ebenso stark wieder einstürzte. Gold bewegt sich derweil weiterhin zwischen 1800 und 1900 US-Dollar pro Unze, wobei Anfang Februar gar ein Preisrückgang unter 1800 US-Dollar erfolgte. Die Kauflaune am Aktienmarkt sowie die gesunkenen Realrenditen belasten das Edelmetall derzeit.

Die beiden Erdölsorten Brent und WTI liegen zwischen 50 und 60 US-Dollar pro Fass – und momentan am oberen Ende dieses Preisbandes. Die fallenden Lagerbestände in den USA und in China treiben die Preise an, weil sie die Erwartung wecken, dass die OPEC das Angebot kontrollieren kann.

Mit Ausnahme von Zinn bewegten sich die Industriemetallpreise weitgehend unauffällig. Zinn legte sprunghaft 10 Prozent zu. Kupfer ist es gelungen im Januar die 8000 US-Dollar pro Tonne zu knacken, handelt inzwischen aber wieder leicht unter dieser Marke.