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Newsletter vom 17. März 2021

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Folgt auf Corona ein Superzyklus? Die Preise vieler Rohstoffe kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Rohöl ist mittlerweile so teuer wie seit Anfang 2020 nicht mehr. Der Kupferpreis hat gar den höchsten Stand seit neun Jahren erklommen, der Platinpreis immerhin ein Sechsjahreshoch. Sind das die Vorboten für einen Superzyklus in der Weltwirtschaft, also für einen besonders lange anhaltenden Konjunkturboom? Einige Entwicklungen zeigen tatsächlich in diese Richtung. So dürfte sich die Wirtschaft mit den Fortschritten beim Impfprozess nicht nur zusehends normalisieren, sondern wegen der beachtlichen Ersparnisse bei den Bürgern und der Nachholeffekte beim Konsum regelrecht aufblühen. Während der Dienstleistungssektor noch unter den Corona-Einschränkungen leidet, sind die Industriebetriebe bereits wieder gut ausgelastet und die Auftragsbücher gefüllt. Darauf deuten jedenfalls die regelmäßigen Umfragen unter den Einkaufsmanagern hin, die sogenannten PMI. Nach dem scharfen Einbruch im ersten Halbjahr 2020 zeigen die PMI in vielen Ländern einen dynamischen Aufwärtstrend (siehe Grafik). Auch haben verschiedene Prognostiker in den großen Wirtschaftsräumen der Welt ihre Konjunkturschätzungen immer weiter hochgeschraubt. Alle weisen aber darauf hin, dass ihre Schätzungen mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Erst wenn die Pandemie besiegt sein wird, wird es mehr Klarheit über die konjunkturellen Aussichten geben.

PMI mit starkem Comeback nach Corona-Einbruch
Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Industriesektor notieren oberhalb der Wachstumsschwelle – zum Teil sehr deutlich. Das ist ein wichtiges Signal für eine expandierende Wirtschaft.
PMI mit starkem Comeback nach Corona-Einbruch

Quelle: Caixin, Markit, ISM

EZB fährt Anleihenkäufe hoch: Die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat bei der EZB-Ratssitzung vor wenigen Tagen deutlich gemacht, dass sie steigende Zinsen im Euroraum mit allen Mitteln bekämpfen werde. Sie will damit höhere Finanzierungskosten für Unternehmen, Staaten und Haushalte verhindern, welche den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden könnten. Zu diesem Zweck will die EZB ihr Corona-Anleihenkaufprogramm PEPP für die nächsten zwei Monate hochfahren. Lagarde machte außerdem klar, dass die Notenbank die Inflationsentwicklung weiter genau beobachte und mit ihrem Instrumentarium bereitsteht. Die Prognose für die Teuerung im laufenden Jahr hat die EZB zwar von 1,0 auf 1,5 Prozent erhöht. Danach soll sich die Entwicklung aber wieder beruhigen, da der grundsätzliche Preisauftrieb nach wie vor gedämpft sei. Nun richten sich die Blicke an den Finanzmärkten auf die geldpolitischen Entscheide der US-Notenbank am heutigen Mittwochabend.

In Deutschland verbessern sich die Konjunkturerwartungen: In Deutschland haben sich die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten überraschend deutlich aufgehellt. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW stieg im März gegenüber dem Vormonat um 5,4 Punkte auf 76,6 Punkte. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 74,0 Punkte gerechnet. Die Umfrageteilnehmer gehen von einer breit angelegten Erholung der deutschen Wirtschaft aus, kommentiert ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse. Die aktuelle Konjunkturlage verbesserte sich laut der Umfrage ebenfalls. Sie wird jedoch deutlich negativer betrachtet als die Erwartungen. Der entsprechende Indikator stieg um 6,2 Punkte auf minus 61,0 Punkte.

Corona-Hilfspaket in USA steht: Das 1,9 Billionen US-Dollar schwere Corona-Hilfspaket von US-Präsident Joe Biden ist unter Dach und Fach. Das Konjunkturprogramm, das zu den größten aller Zeiten zählt, sieht unter anderem Einmal-Schecks in Höhe von 1400 US-Dollar für nahezu alle Amerikaner außer Besserverdiener vor. Das allein lässt sich der Staat 400 Milliarden US-Dollar kosten – in der Hoffnung, so vor allem den Konsum anzukurbeln, eine zentrale Säule der amerikanischen Konjunktur. Außerdem sind Finanzspritzen für die Bundesstaaten und Kommunen, für Schulen und Kindergärten geplant. Familien mit Kindern bekommen Steuernachlässe. Die Arbeitslosenhilfe wird bis September aufgestockt. Darüber hinaus soll mehr Geld in die Corona-Impfkampagne fließen. Für Biden, der die Bekämpfung der Corona-Pandemie zur absoluten Priorität in der ersten Phase seiner Präsidentschaft erklärt hatte, ist das Corona-Hilfspaket der erste große politische Erfolg als Präsident.

Fokus: Wie funktioniert ein ETF?

ETFs nehmen für sich in Anspruch, die Rendite eines Börsenindexes so genau wie möglich nachzubilden. Dieses Ziel lässt sich auf verschiedene Arten erreichen. ETF-Anleger sollten die wesentlichen Unterschiede bei der Indexnachbildung kennen.

ETFs sind bei Anlegern beliebt. An der deutschen Börse sind mittlerweile mehr als 1.800 ETF gelistet. Diese Anlagefonds lassen sich nach ihrer Replikationsart unterscheiden. Unter Replikation versteht man die Art und Weise, wie ein ETF einen Index abbildet. Grundsätzlich wird zwischen der physischen (direkten) und der synthetischen (indirekten) Replikation unterschieden (siehe Tabelle).

Physische und synthetische Replikation

physische Replikation synthetische Replikation
  • direkte Investition in Indextitel
  • einfach verständlich
  • nicht geeignet für gewisse Anlageklassen (z.B. Rohstoffe
  • keine direkte Investition in Indextitel
  • Indexnachbildung mittels Swap
  • Weniger einfach verständlich
  • Auch geeignet für Anlageklasse wie z.B. Rohstoffen

Bei der physischen Replikation wird direkt in die im Index enthaltenen Titel investiert. Hier gibt es drei Ansätze. Die klassische und einfachste Methode ist die volle Replikation. Dabei enthält das Fondsportfolio alle Indextitel mit exakt den gleichen Gewichtungen wie der Index. Ein voll replizierender Fonds auf den Schweizer Aktienindex SMI beispielsweise kauft die 20 im Index enthaltenen Titel mit exakt derselben Index-Gewichtung.

Es gibt allerdings auch Indizes, die über tausend Titel enthalten. Um die Kosten der Indexnachbildung zu begrenzen, werden bei Produkten auf solche Indizes oft Stichprobenverfahren angewendet. Dabei wird der jeweilige Index nur mit einem Teil der im Index enthaltenen Titel abgebildet. Bei der repräsentativen Stichprobe werden nur die Titel mit der höchsten Gewichtung berücksichtigt und proportional neu gewichtet. Fonds, die eine optimierte Stichprobe anwenden, bestimmen die neuen Gewichtungen anhand statistischer Optimierungsmethoden, um den Index möglichst genau abzubilden.

Nachbildung durch Tauschgeschäft

Bei der synthetischen Replikation erfolgt die Indexnachbildung mittels eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps. Der ETF-Anbieter tauscht die Rendite von in seinem Portfolio liegenden Titeln gegen die Rendite des abzubildenden Indexes. Die Gegenpartei eines solchen Tauschgeschäfts ist oft eine Investment Bank. Dabei kommt es zu Risiken, weil die Gegenpartei in Konkurs gehen und so das Tauschgeschäft nicht weiter durchgeführt werden kann. Allerdings dürfen diese Risiken nicht mehr als zehn Prozent des ETF-Vermögens betragen. In der Praxis sind die Gegenparteirisiken allerdings tiefer, da sich die ETF-Anbieter mit hinterlegten Sicherheiten vor einem Konkurs der Gegenpartei schützen oder die Risiken auf mehrere Gegenparteien verteilen.

Die synthetische Replikation ist teilweise weniger transparent als die physische Indexabbildung. Sie eignet sich allerdings besser, um beispielsweise illiquide Märkte abzubilden. Gewisse Märkte etwa im Rohstoffbereich lassen sich nur synthetisch abbilden.

Mehr physisch replizierende ETFs

Während ursprünglich sämtliche ETFs physisch repliziert waren, wurden im Laufe der Zeit immer mehr ETFs synthetisch aufgesetzt. Vor ein paar Jahren wurden synthetische ETFs vor allem wegen ihrer Gegenparteirisiken scharf kritisiert, weshalb in den letzten Jahren vermehrt wieder die physische Replikation angewendet wird und gewisse ETF-Anbieter von der synthetischen auf die physische Replikation gewechselt haben.

Allerdings können auch bei der physischen Replikation Risiken auftreten, wenn zum Beispiel Wertpapierleihgeschäfte zur Anwendung kommen. In diesem Fall leiht der ETF-Anbieter die Indextitel für eine bestimmte Zeit und gegen Sicherheiten an eine andere Partei aus. Er geht dabei das Risiko ein, dass die Gegenpartei diese Wertpapiere nicht mehr zurückgeben kann. Dafür erhält der ETF-Anbieter im Gegenzug eine Leihgebühr, die teilweise dem ETF-Vermögen gutgeschrieben wird und zur Rendite des ETFs beiträgt. Damit profitiert auch der Anleger von solchen Wertpapierleihen.

Replikationsqualität prüfen

Die Replikationsart kann sich auf die Replikationsqualität auswirken. Mit Replikationsqualität ist gemeint, wie gut der ETF den Index abbildet. Um die Replikationsqualität eines ETFs zu messen, lohnt es sich, die Differenz zwischen der ETF-Rendite und der Indexrendite zu vergleichen. Unterscheidet sich die ETF-Rendite stark von der Indexrendite oder kommt es zu starken Schwankungen der Differenz, ist Vorsicht geboten.

Das starke Wachstum von ETFs und die damit einhergehende Produktvielfalt haben dazu geführt, dass es für Anleger immer wichtiger, aber auch immer anspruchsvoller wird, sich vor dem Kauf seriös und detailliert zu informieren.

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