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Newsletter vom 17. Februar 2021

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Jüngste Inflationsdaten aus Europa überraschen: Im Januar legte die Inflation im Euroraum spürbar zu und übertraf alle Erwartungen. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,9 Prozent. Für diesen starken Ansprung sind vor allem Sondereffekte verantwortlich, die über den Jahreswechsel anfielen. So wurde die Mehrwertsteuer in Deutschland wieder angehoben, eine CO2-Abgabe auf Benzin, Diesel und Heizöl eingeführt und der gesetzliche Mindestlohn erhöht. In den USA hingegen fielen die Inflationsdaten leicht schwächer aus. Dort zogen die Preise im Sommer 2020 zuerst deutlich an, entwickelten sich seitdem aber tendenziell seitwärts, wie die Grafik verdeutlicht. Ist mit den jüngsten Inflationsdaten aus der Eurozone das Inflationsgespenst nun wieder erwacht? Zwar dürfte die fortschreitende zyklische Wirtschaftserholung die Preise in den nächsten Monaten etwas antreiben. Die Überwindung des gravierenden Wirtschaftseinbruchs dürfte allerdings längere Zeit in Anspruch nehmen, was die Inflation mittelfristig dämpft. Entsprechend beurteilen auch die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks den Inflationsanstieg als temporär und halten an ihrer Tiefzinspolitik fest.

Inflation in Europa zieht an, in den USA weiter Seitwärtsbewegung
Im Gegensatz zu Europa fiel die Inflation in den USA leicht schwächer aus.
Inflation in Europa zieht an, in den USA weiter Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg, 12.2.2021

EU-Kommission rechnet ab Frühling mit Aufschwung: Die EU-Kommission sieht erste Lichtstrahlen am Konjunkturhimmel. Im ersten Quartal rechnet die Behörde laut ihrer jüngsten Konjunkturprognose zwar noch mit weitgehenden Alltagsbeschränkungen und folglich auch mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Im Frühling werde dann aber die Erholung einsetzen und im Sommer an Fahrt gewinnen. Im Gesamtjahr 2021 soll die Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) in den 19 Staaten der Eurozone um 3,8 Prozent steigen, in den 27 Staaten der Europäischen Union um 3,7 Prozent. 2022 sollen es noch einmal 3,8 Prozent Wachstum in der Eurozone sein und 3,9 Prozent in der EU. Im Corona-Jahr 2020 ging das BIP gemäss ersten Hochrechnungen der Statistikbehörde Eurostat in der Eurozone um 6,8 Prozent zurück und in der EU um 6,4 Prozent.

IEA kürzt Prognose für Ölnachfrage: Die Internationale Energieagentur IEA hat ihre Prognose für die weltweite Rohölnachfrage in diesem Jahr gesenkt. Neu rechnet die in Paris ansässige Organisation, die gelegentlich auch als Gegenstück zum Ölkartell OPEC bezeichnet wird, mit einer Ölnachfrage von 96,4 Millionen Barrel je Tag. Das sind 200.000 Barrel weniger als in der letzten Schätzung. "Neue Lockdowns, strenge Mobilitätsbeschränkungen und eine eher langsame Verbreitung von Impfstoffen in Europa haben den erwarteten Aufschwung verzögert", schreibt die IEA in ihrem aktuellen Ölrapport. Die Erholung des Erdölmarkts von dem schweren Corona-Einbruch im Frühjahr 2020 sei "fragil". Die Angebotsprognose hob die Organisation jedoch an, da die jüngste Erholung der Ölpreise neue Investitionen nach sich ziehe. In den vergangenen Monaten sind die Erdölpreise mit der Aussicht auf flächendeckende Corona-Impfungen kräftig gestiegen. Zudem begrenzt der Ölriese Saudi-Arabien das globale Angebot, indem die Förderung deutlich heruntergefahren wurde.

Draghi neuer Regierungschef in Italien: Die Regierungskrise in Italien ist vorüber. Das Kabinett des neuen Ministerpräsidenten und ehemaligen Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi steht. Zum Finanzminister hat der 73-jährige Ökonom den Generaldirektor der italienischen Notenbank Daniele Franco berufen. Draghi, dessen Amtszeit als EZB-Chef im Oktober 2019 abgelaufen war, geniesst an den Finanzmärkten hohes Ansehen und Vertrauen. Mit Blick auf den angeschlagenen Staatshaushalt Italiens ist das keine schlechte Voraussetzung. Das Mitte-Links-Bündnis unter Draghis Vorgänger Giuseppe Conte brach im Januar im Streit über die EU-Hilfsgelder für die Corona-Krise auseinander – und löste die zweite Regierungskrise seit den Wahlen vom März 2018 aus zurück.

Platinpreis springt auf Mehrjahreshoch: Platin steht bereits seit vielen Monaten im Aufwind. Doch seit Anfang Februar kennt das silberfarbene Edelmetall kein Halten mehr. Der Preis stieg zeitweise auf über 1300 US-Dollar je Unze – ein Plus von fast 20 Prozent allein für Februar. Auf diesem Niveau lag der Platin-Preis zuletzt Anfang 2015. Seit dem Einbruch im März 2020 hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Gründe für den jüngsten Preisschub sind die verbesserten Aussichten in der wichtigen Automobilindustrie in Verbindung mit künftig immer strengeren Emissionsvorschriften. Platin kommt in Fahrzeugkatalysatoren zum Einsatz, aber auch in Laborgeräten, in Zahnimplantaten und in der Schmuckindustrie.

Fokus: Stehen Value-Aktien vor einem Comeback?

Unternehmen, die überdurchschnittlich wachsen, sind die Lieblinge der Anleger. Weniger gefragt sind Firmen mit überdurchschnittlicher Substanz. Dieser Trend hat sich 2020 weiter verstärkt. Allerdings gibt es auch Anzeichen dafür, dass sich das bald ändern könnte.

Technologie-Unternehmen sind die grossen Gewinner der Corona-Pandemie. Das ist ein wichtiger Grund, warum sogenannte Growth-Aktien 2020 einen Kursschub erlebten. Tech-Titel gehören nämlich zu den prominentesten Vertretern des wachstumsorientierten Anlagestils. Das Zinsumfeld verleiht Wachstums-Unternehmen zusätzlichen Rückenwind: Dank der anhaltend tiefen Zinsen können sie so günstig wie nie zuvor in ihr Wachstum investieren. Auf der anderen Seite rechtfertigen sinkende oder tiefere Diskontsätze, dass diese Unternehmen an der Börse höher bewertet sind.

Ein typischer, als Value geltender Sektor sind Bankaktien. Die Titel wurden im Coronajahr 2020 unter anderem deshalb gemieden, weil Banken von einer Zunahme der Konkurse direkt betroffen wären. Und die extrem tiefen Zinsen belasten ihre Profitabilität zusätzlich. Aus ähnlichen Gründen machen Anleger auch einen Bogen um die Versicherungsbranche. Ein weiteres Beispiel sind Unternehmen im Energiesektor, die ebenfalls dem Value-Anlagestil zugeordnet werden. Der weltweite Rückgang der Nachfrage Anfang des Jahres liess den Ölpreis einbrechen, was die Profitabilität dieser Unternehmen schwer belastet. In der Folge verloren Energieaktien deutlich an Wert.

Auf unterbewertete Aktien setzen

Die Idee des Value-orientierten Anlagestils ist, werthaltige und unterbewertete Aktien zu kaufen, weil sich ihr Aktienkurs über kurz oder lang dem intrinsischen beziehungsweise fairen Wert annähern wird. Im Unterschied zu Unternehmen, bei denen Anleger dem Wachstum besonders viel Wert beimessen, bewerten sie bei Value-Titeln die Substanz des Unternehmens. Um unterbewertete Aktien zu identifizieren, stützen sich Anleger auf Kennzahlen wie das Verhältnis zwischen Kurs und Gewinn beziehungsweise Kurs und Buchwert, die Dividenden-Rendite sowie weitere Kennzahlen.

Der berühmteste Value-Investor ist Warren Buffett. Sein Handwerk lernte er von Benjamin Graham, der als Erfinder des Value-Ansatzes gilt. Mit diesem Ansatz wuchs der Wert von Buffetts Finanzkonglomerat Berkshire Hathaway in rund 60 Jahren auf die astronomische Summe von mehr als 500 Milliarden US-Dollar. In den letzten Jahren investierte allerdings auch Berkshire Hathaway vermehrt in Unternehmen wie Amazon und Apple, deren Aktien als Growth-Titel gelten. Apple-Aktien sind heute sogar eine der grössten Positionen in Berkshire Hathaways Portfolio. Die Kardinalsfrage ist also: Zeichnet sich eine Trendwende ab?

Immer wieder Marktphasen mit Value-Vorteil

Es gab in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Marktphasen, in denen sich der Value-Anlagestil besser bewährte als der Growth-Stil; sie waren aber nur von kurzer Dauer. Früher zählte Value hingegen zu den erfolgreichen Anlagestilen. Nachdem im Jahr 2000 die Dotcom-Blase geplatzt war, wandten sich viele Anleger von Wachstumstiteln ab und konzentrierten sich auf Substanzwerte. Es folgte eine längere Phase, in welcher der Value-Stil dominierte. Auch nach der Finanzkrise von 2008/2009 war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. In den 14 weltweiten Rezessionen seit 1998 führten stets Value-Aktien die Erholung an.

Daraus könnte man ableiten, dass die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass Value-Titel auch derzeit vor einem Aufschwung stehen, weil viele Volkswirtschaften mit einer Wachstumsschwäche kämpfen. Allerdings muss man bei dieser Überlegung auch die aktuellen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Von steigenden Zinsen profitieren Value-Aktien

Normalerweise gehen mit einer Wirtschaftserholung steigende Zinsen oder zumindest eine steigende Inflationserwartung einher. Davon profitieren üblicherweise vor allem Unternehmen, die eher dem Value-Bereich zuzuordnen sind. Ein weiterer Faktor ist, dass sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschlechtern, wenn die Zinsen steigen. Wachstumsunternehmen, die auf frisches Kapital angewiesen sind, dürften es in so einem Umfeld schwerer haben als werthaltige Unternehmen.

Es sprechen also tatsächlich einige Faktoren für einen neuen Trend hin zu Value-Anlagen. Dazu zählen neben den bereits erwähnten auch die relativ hohe Bewertungsdifferenz zwischen beiden Anlagestilen. Solange die Notenbanken aber an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten und ein Zinsanstieg unwahrscheinlich bleibt, ist es zu früh, von einer echten Trendwende zu sprechen.

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