Was die Märkte bewegt

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Newsletter vom 14. Februar 2020

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Ungewissheit um konjunkturelle Auswirkung der Coronakrise

Das prägende Thema an den Finanzmärkten war in den vergangenen Wochen der Ausbruch des Coronavirus in China. Es ist durchaus denkbar, dass sich die für 2020 erhoffte konjunkturelle Belebung der Weltwirtschaft dadurch hinauszögert. Die chinesische Regierung hatte zwar sehr schnell und effektiv auf die Bedrohung reagiert. Unter anderem wurde die Millionenstadt Wuhan, in welcher der Coronavirus mutmaßlich seinen Ursprung hat, abgeriegelt. Die Präventionsmaßnahmen, mit denen eine großflächige Verbreitung verhindert und den Finanzmärkten die Angst vor einer unkontrollierbaren Pandemie genommen wurde, haben jedoch vereinzelte Produktionsstillstände zur Folge. Auch der Binnenkonsum in China dürfte gelitten haben. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie stark die konjunkturellen Auswirkungen tatsächlich sind und inwiefern sie auf die globale Wirtschaft ausstrahlen.

Die Aktienmärkte reagierten jedenfalls relativ gelassen. Zwar kam es im Januar zu Kursrücksetzern an den Leitbörsen. Doch ließ sich dabei ein seit langem zu beobachtendes Muster erkennen: Kursrücksetzer werden als günstige Kaufgelegenheit genutzt. Brexit, Handelskonflikt, Iran-Krise – das alles vermochte das Rally an den Aktienmärkten nicht zu stoppen. Es ist die Alternativlosigkeit von Aktien in dem Zinstief und die Schützenhilfe der Notenbanken, auf konjunkturelle Verwerfungen mit noch größeren Liquiditätsspritzen zu reagieren, was die Aktienmärkte nach unten absichert.

Andere Anlageklassen gerieten wegen den Folgen der Coronakrise allerdings in größere Bewegung. Der Ölpreis fiel auf den niedrigsten Stand seit etwa einem Jahr zurück, weil der Coronavirus Ängste vor einer deutlichen konjunkturellen Abkühlung auslöste, nicht nur im Reich der Mitte. An den Anleihenmärkten dagegen zogen die Kurse an, was im Gegenzug die Renditen sinken ließ. Mittlerweile haben sich die Zinsen aber wieder etwas erholt. Die zwischenzeitlich höhere Nachfrage nach sicheren Anlagen bekam auch der Schweizer Franken zu spüren, der sich vor allem gegenüber dem Euro aufwertete (siehe Grafik). Der Aufwertungsdruck dürfte aber auch auf einen zweiten Faktor zurückzuführen sein: die Aufnahme der Schweiz auf eine Beobachtungsliste des US-Finanzministeriums. Mit dieser Liste behalten die USA Staaten im Blick, die sie verdächtigen, ihre Währung zu manipulieren. An den Devisenmärkten wird nun darauf spekuliert, dass die Schweizerische Nationalbank bei ihren Devisenmarktinterventionen zur Schwächung des Frankens etwas zurückhaltender vorgehen werde.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist nach der Unterzeichnung eines ersten Abkommens ("Phase-1-Deal") zumindest bislang etwas in den Hintergrund gerückt. Nun gerät dafür das Verhältnis zwischen den USA und der EU in den Fokus. Streitpunkte gibt es auch hier genügend. US-Präsident Donald Trump sind unter anderem die deutschen Autoexporte und die Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus ein Dorn im Auge.

Ein wichtiges Thema ist derzeit auch die auf Hochtouren laufende Berichtssaison der Unternehmen über den Geschäftsverlauf im vierten Quartal bzw. im vergangenen Jahr. Das Zwischenfazit fällt positiv aus; die Markterwartungen wurden mehrheitlich übertroffen. Auch die jüngsten Konjunkturindikatoren stimmten zuversichtlich. In den USA übersprang der ISM-Einkaufsmanagerindex im Januar wieder die 50-Punkte-Marke und auch das Konsumklima hellte sich ebenfalls überraschend auf. Und der jüngste Arbeitsmarktbericht zeigt einmal mehr, dass die größte Volkswirtschaft der Welt weiterhin in solider Verfassung ist. In der Eurozone zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der Abwärtstrend im Industriesektor gestoppt und die Gefahr einer gesamtwirtschaftlichen Rezession vom Tisch zu sein scheint.

Fazit

  • Der Ausbruch des Coronavirus trübt die zuvor recht optimistischen Konjunkturerwartungen. Noch ist allerdings unklar, wie groß der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum sein wird.
  • Die Aktienmärkte zeigten sich relativ unbeeindruckt von der Coronakrise. Safe-Haven-Anlagen wurden dagegen stärker angesteuert, was die Renditen zwischenzeitlich unter Abgabedruck brachte.
  • Die Berichtssaison der Unternehmen verläuft bislang positiv. Zusammen mit den soliden Wirtschaftsdaten aus den USA und dem sich zumindest nicht weiter verlangsamenden Konjunkturmotor in der Eurozone, kann die derzeitige Ausgangslage an den Finanzmärkten als vielversprechend bezeichnet werden.
Franken unter Aufwertungsdruck
Der Schweizer Franken hat sich in den letzten Wochen insbesondere gegenüber dem Euro deutlich aufgewertet.
Franken unter Aufwertungsdruck

Quelle: Bloomberg

Aktien: Starke Aktienkursentwicklung von defensiven Sektoren getragen

Nachdem Aktienanlagen dank des ersten Zwischendeals im Handelskonflikt stark ins Jahr starteten, kamen sie infolge der Nachrichten rund um das Coronavirus unter Druck. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen ist schwer abzuschätzen. Da aufgrund Chinas Vernetzung im Welthandel globale Lieferketten betroffen sind, sind Europa und die USA nicht unbeeinflusst. Die Folgen für den Welthandel dürften aber begrenzt bleiben sofern sich die Lage wieder beruhigt, beispielsweise wenn die Anzahl an Neuerkrankungen wieder abnimmt.

Regional betrachtet waren die USA in den vergangenen vier Wochen der Lichtblick. Amerikanische Aktien reagierten wohl darauf, dass das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump nun eingestellt ist. Inzwischen ist das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union ausgeschieden. Nun bleiben bis Ende Jahr noch die vertraglichen Formalitäten zu klären. Dies hat die Unsicherheit am Aktienmarkt ebenfalls reduziert.

Abgesehen vom IT-Sektor kam der Großteil des hohen Aktienkursniveaus durch die gute Entwicklung von defensiven Sektoren zustande. Dazu zählen Verbraucher, Immobilienwerte, Telekom und Basiskonsumgüter.

Nach dem leichten Übertreffen des Kursziels bei 2.400 Punkten ist der MSCI World in der zweiten Januarhälfte als Reaktion auf die Verbreitung des Coronavirus kurzzeitig unter Druck geraten. Der Markt konnte den Kursrücksetzer jedoch sehr rasch wieder ausgleichen und notiert aktuell bereits wieder in der Nähe der Höchstkurse. Das technische Bild signalisiert mit einem Verkaufssignal im Stochastic-Indikator aber weiterhin gewisse Abwärtsrisiken. Solange die Unterstützung bei 2.340 Punkten verteidigt werden kann, bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend intakt. Erst ein Bruch der Unterstützung würde eine größere Zwischenkorrektur in Richtung von 2.250 Punkten wahrscheinlich machen. Nach heutiger Beurteilung wäre eine solche Korrektur eine Kaufgelegenheit für eine nochmalige Aufwärtsbewegung in den Kursbereich von 2.600 Punkten.

Fazit

  • Unsicherheitsfaktoren aus dem Vorjahr haben an Wirkung verloren: Brexit, Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und Handelskonflikt dank erstem Zwischendeal.
  • Das Coronavirus beschäftigt die Nachrichten weltweit. Regional betrachtet sind vor allem die asiatischen Aktienmärkte betroffen.
  • IT-Titel überzeugen mit einer starken Entwicklung, während ansonsten eher defensive Sektoren dominieren.

Zinsen: Der Sturzflug der Zinsen setzt sich im Januar fort

der Marktverunsicherung wegen des Coronavirus zu erhöhter Volatilität und sichere Häfen wurden stark nachgefragt. Dies hatte ein weiteres Absinken der Zinsen zur Folge – davon waren v.a. langlaufende Anleihen betroffen. Der Zinsrückgang war in Europa und auch in den USA spürbar.

Gleich mehrere Notenbanken hielten im Januar ihre geldpolitischen Treffen ab. Weder in Europa noch in den USA wurden Änderungen am Leitzins vorgenommen. Auch die Bank of England beließ den Leitzins auf dem bisherigen Niveau, obwohl spekuliert wurde, die englischen Notenbanker würden aufgrund schlechterer Konjunkturdaten und der zuletzt eingebrochenen Inflationsrate allenfalls die Zinsen senken.

Geldpolitische Maßnahmen kamen hingegen aus China. Die People‘s Bank of China versuchte zuletzt die Märkte mit Liquiditätsspritzen und einer Zinssenkung zu stützen.

Auch bei den alternativen Anleihesegmenten sorgte das Coronavirus für reichlich Bewegung. Im Zuge der Aktienkursanstiege resultierte für Wandelanleihen ein Plus. Die Ausweitung der Risikoprämien führte kurzfristig zum Abverkauf von Hochzinsanleihen. Besonders US-Hochzinsanleihen kamen dadurch unter Druck. Weiterhin stark nachgefragt werden hingegen Investment-Grade Unternehmensanleihen.

Fazit

  • Die Zinsen fallen auf globalem Level weiter – besonders vom Rückgang betroffen waren Anleihen mit langen Laufzeiten.
  • Die Notenbanken verfolgen weiterhin eine expansive Geldpolitik – daran dürfte sich in naher Zukunft nichts ändern.
  • Risikobehaftete Anleihensegmente wie Wandelanleihen profitieren vom Aktienkursanstieg.

Weitere Anlageklassen: Die Preise von Öl und Gold entwickelten sich in entgegengesetzter Richtung

Rohstoffe: Obwohl aufgrund der geopolitischen Lage Mitte Januar wenig dafür sprach, dass der Preis für Öl nochmals derart stark zurückgehen würde, wurden die Märkte von neuen Nachrichten überrascht. Die Preise für Öl der Sorte Brent sowie auch von WTI sackten aufgrund des Virus-Ausbruchs auf die Stände von Anfang 2019 ab. Auch den Industriemetallen erging es ähnlich, sie profitierten von der Beruhigung rund um den Handelskonflikt ehe sie von den Nachrichten rund um das Coronavirus ebenfalls unter Druck kamen. Der Grund hinter dem Preisrückgang liegt in der Befürchtung, Chinas Wachstum könnte sich abschwächen und infolge dessen seine Rohstoffnachfrage nachlassen. Spiegelbildlich zum Ölpreis, legte der Preis von Gold hingegen nochmals zu.