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Newsletter vom 16. Dezember 2020

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

EZB drückt geldpolitisches Gaspedal noch stärker durch: Die EZB wird im Kampf gegen die Corona-Folgen nochmals expansiver. Das Pandemie-Anleihenkaufprogramm stockte der EZB-Rat bei seiner letztwöchigen Sitzung kräftig auf – bereits zum zweiten Mal. Denn schon im Juni wurden die ursprünglich 750 Milliarden Euro um 600 Milliarden erhöht. Jetzt kommen noch einmal 500 Milliarden dazu. Das Gesamtvolumen liegt damit neu bei 1,85 Billionen Euro. Die zweite Infektionswelle und die Eindämmungsmaßnahmen hinterlassen auch in der Inflationsentwicklung ihre Spuren. Die EZB-Ökonomen erwarten dieses Jahr nun eine Inflationsrate von 0,2 Prozent. Bei der letzten EZB-Sitzung im September wurde noch ein minimal höheres Plus von 0,3 Prozent in Aussicht gestellt (siehe Grafik). Für 2021 lautet die Prognose unverändert 1,0 Prozent. Für 2022 werden neu 1,1 (1,3) Prozent und für 2023 dann 1,4 Prozent vorhergesagt. Gemäß diesen Prognosen würde die EZB ihr Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent also auch in den nächsten Jahren deutlich verfehlen. Klar ist damit aber auch, dass die ultraexpansive Geldpolitik der EZB weiterhin Bestand haben wird. Denn die rekordtiefen Zinsen und die billionenschweren Anleihenkäufe begründen die EZB-Verantwortlichen mit der zu geringen Inflation im Euroraum.

Inflationsprognosen der EZB
Die Inflationsprognosen hat die EZB gesenkt. Das Inflationsziel von knapp 2 Prozent ist weiterhin nicht in Sicht.
Inflationsprognosen der EZB

Quelle: EZB

Starker Stimmungsaufheller bei Chefeinkäufern in der Eurozone: Die Stimmung unter den Chefeinkäufern im Euroraum hat sich im Dezember überraschend deutlich aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex des Forschungsunternehmens IHS Markit stieg zum Vormonat um 4,5 Punkte auf 49,8 Zähler. Analysten waren von einer geringfügigen Erholung auf im Durchschnitt 45,5 Punkte ausgegangen. Sowohl im Industriesektor (+1,7 auf 55,5 Punkte) als auch in der Dienstleistungsbranche (+5,6 auf 47,3) war die Konjunkturlaune besser. Auf Länderebene verzeichnete Deutschland zum sechsten Mal hintereinander Wachstum. Der Gesamtindex stieg um 0,8 Punkte auf 52,5 Zähler. In Frankreich signalisierte der kräftige Anstieg um 9,0 Punkte auf 49,6 Zähler, dass sich die Schrumpfung hier signifikant verlangsamt hat und schwächer ausgefallen ist als in den zurückliegenden drei Monaten, wie Markit schreibt. "Momentan sieht es so aus, als ob der Rückgang im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen wird als jener im Frühjahr, obgleich sich auf Sektorenebene ein gemischtes Bild ergibt", lässt sich Markit-Chefökonom Chris Williamson in der Mitteilung zitieren.

Chinas Wirtschaft wird immer stärker: Während die westlichen Volkswirtschaften von der zweiten Corona-Welle zurückgeworfen werden, hellt sich die konjunkturelle Lage in China immer weiter auf. Dort legte die Produktion in den Industriebetrieben im November im Vorjahresvergleich um sieben Prozent zu, wie das chinesische Statistikamt mitteilte. Bereits im Oktober war die Produktion um starke 6,9 Prozent gestiegen. Einen erneuten Sprung machten auch die Detailhandelsumsätze, die nach einem Plus von 4,3 Prozent im Oktober im November um fünf Prozent zulegten. Die Investitionen in Sachanlagen stiegen derweil im Zeitraum von Januar bis Ende November um 2,6 Prozent. Letzteres ist ein wichtiges Zeichen, weil es die konjunkturelle Zuversicht im Land liegt.

Fokus: Der Euro wird immer stärker

Die Kräfteverschiebung vom US-Dollar hin zum Euro hat sich zuletzt akzentuiert. Bei der Eurowirtschaft und der EZB löst das keine Freudensprünge aus. 

Der US-Dollar gilt als Leitwährung in der Weltwirtschaft. Er ist die international wichtigste Transaktions-, Anlage- und Reservewährung. Bewegt sich der Dollarkurs, dann beeinflusst das die Entwicklungen an den Finanzmärkten. In den vergangenen Jahren hatte der Dollar von mehreren Entwicklungen profitiert. Zum einen hatte sich die US-Wirtschaft im Gegensatz zu den Volkswirtschaften in Europa und weiten Teilen Asiens relativ rasch von den Folgen der weltweiten Finanzkrise 2008/09 erholt. Die starke wirtschaftliche Dynamik lockte viele ausländische Investoren an, was die Dollar-Nachfrage ankurbelte.

Zum zweiten profitierte der US-Dollar von seinem Zinsvorteil gegenüber den wichtigsten Referenzwährungen. Denn während sich beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) durch die Eurokrise 2011/12 gezwungen sah, ihre bereits expansive Geldpolitik noch weiter zu lockern und die Leitzinsen in der Folge immer tiefer Richtung null drückte – und die Nulllinie schließlich 2016 erreichte, leitete die US-Notenbank 2014 eine Straffung ihrer Geldpolitik ein. Die Aussicht auf höhere Nominalrenditen und in der Folge höhere Erträge bei festverzinslichen US-Wertpapieren ließ den Dollar weiter erstarken.

US-Dollar gilt als antizyklisch

Noch ein weiterer Treiber steckt hinter dem jahrelangen Höhenflug des Dollars. Es ist der antizyklische Charakter, welcher der US-Währung zugesprochen wird. Und es besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Weltwirtschaft und dem Wert des Dollars. So wertet der Dollar in der Regel immer dann auf, wenn die globale Wirtschaft in einen zyklischen Abschwung gerät bzw. wenn das Wirtschaftswachstum enttäuscht – was nach 2010 der Fall war. Und umgekehrt gerät er meist in einer konjunkturellen Aufwärtsphase unter Druck.

Dieser Mechanismus scheint auch derzeit am Wirken zu sein. Es dürfte jedenfalls kein Zufall sein, dass sich die seit Frühjahr anhaltende Dollarschwäche seit Anfang November akzentuiert hat – just als der Durchbruch bei den Corona-Impfstoffstudien die wirtschaftlichen Aussichten deutlich verbesserte (siehe Grafik).

Stärketrend beim US-Dollar gebrochen
Die 2011 eingeleitete Stärkephase beim US-Dollar fand in diesem Frühjahr ein Ende. Bereits 2017 hatte der US-Dollar einen Schwächeanfall erlitten, der aber nicht lange anhielt.
Stärketrend beim US-Dollar gebrochen

Quelle: Bloomberg

Ausgelöst wurde der Trendwechsel beim Dollar, nachdem er seinen entscheidenden Vorteil verloren hat: den Zinsvorteil gegenüber Euro, Yen und Franken. Denn die US-Notenbank Fed hatte ihren Leitzins diesen März auf null Prozent heruntergerissen, um der US-Wirtschaft bei der Bekämpfung der Pandemiefolgen zu Hilfe zu eilen. Die EZB und die japanische Notenbank hatten ihre Leitzinsen dagegen nicht weiter gesenkt, weswegen sich der relative Zinsnachteil von Euro und Yen erheblich verringerte.

Vor diesem Hintergrund knackte der Euro Anfang Dezember die Marke von 1,20 US-Dollar. Damit notiert die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar so hoch wie seit dem Frühjahr 2018 nicht mehr. Der Euro profitiert zudem stark von dem Wiederaufbaufonds der EU, der das Risiko eines Auseinanderbrechens des Währungsgebietes, welches seit der Eurokrise den Euro belastete, stark minimiert.

Problem für die EZB

Die Erstarkung des Euro löst bei den Wirtschaftsführern im Euroraum und vor allem bei der EZB keine Freudensprünge aus. Im Gegenteil. Ein starker Euro verteuert die Exporte und schwächt damit die Wirtschaft. Im Gegenzug werden zwar die Importe billiger, aber das wiederum drückt die Inflation. Und genau dies kann die EZB derzeit überhaupt nicht gebrauchen. Denn aufgrund der Folgen der Pandemie sinken die Preise im Euroraum bereits heute schon.

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