Tipps für Ihre Geldanlagen

Newsletter vom 9. Dezember 2020

Informieren Sie sich jede Woche aktuell über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Aktuelles zu Börsen & Märkten

Erholung am US-Arbeitsmarkt verlangsamt sich: Der US-Arbeitsmarkt hat sich im November weiter von dem schweren Einbruch im Frühjahr erholt, allerdings mit deutlich geringerem Tempo. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, wurden 245.000 neue Stellen geschaffen (unter Ausklammerung des stark von saisonalen Effekten geprägten Landwirtschaftssektors). Das sind wesentlich weniger neue Arbeitsplätze, als in den vergangenen Monaten entstanden sind. Die Arbeitslosenrate ist zwar erneut gesunken und liegt nun noch bei 6,7 Prozent (siehe Grafik). Dieser Wert ist allerdings noch ein gutes Stück von dem Niveau von unter vier Prozent entfernt, wie es vor Corona "üblich" war. Die Unterbeschäftigtenrate (Personen, welche eine Anstellung haben, aber gerne mehr arbeiten möchten) zeigt ein sehr ähnliches Bild und liegt aktuell bei 12 Prozent und hat sich damit im Vergleich zum Vormonat kaum verändert. Die Partizipationsrate (Verhältnis aus der Anzahl der Erwerbspersonen zur Gesamtanzahl der erwerbsfähigen Bevölkerung) pendelt um 61,5 Prozent und hat damit auch noch nicht wieder das Niveau über 63 Prozent von vor Corona erreicht.

US-Arbeitsmarkt kommt nur noch schleppend voran
Die anfängliche Dynamik, mit der sich der US-Arbeitsmarkt aus der Coronakrise kämpfte, hat deutlich nachgelassen.
US-Arbeitsmarkt kommt nur noch schleppend voran

Quelle: Bureau of Labor Statistics

Anlegerstimmung in Eurozone verbessert sich deutlich: Die Aussicht auf breitflächige Impfungen hat die Anlegerstimmung im Euroraum deutlich beflügelt. Der vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindikator erholte sich im Dezember um 7,3 Punkte auf minus 2,7 Zähler. Besonders kräftig hätten sich die Konjunkturerwartungen aufgehellt. In mehreren Regionen der Welt, darunter Deutschland, stieg die Komponente auf ein Rekordhoch, schreibt Sentix in einer Mitteilung. Die Bewertung der aktuellen Lage verbesserte sich ebenfalls, jedoch mit geringerem Tempo. "Der überraschend starke Anstieg fußt auf der Hoffnung, dass schon bald über einen Einsatz von Impfstoffen die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen ist. Dies setzt boomartige Wachstumskräfte frei", lässt sich Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy zitieren.

Regierung in Japan nimmt weitere Milliarden im Kampf gegen Coronafolgen in die Hand: Japan will mit einer weiteren milliardenschweren Konjunkturspritze die corona-geplagte Wirtschaft ankurbeln. Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihide Suga hat für diesen Zweck ein Paket über umgerechnet knapp 580 Milliarden Euro geschnürt. Es ist das erste Konjunkturpaket, seit Suga im September das Amt des Regierungschefs antrat und das dritte seiner Art zur Bekämpfung der Pandemiefolgen. Suga sieht sich mit gesunkenen Umfragewerten konfrontiert. In den vergangenen Wochen sind die Zahlen bei den Coronainfektionen, schwer Erkrankten und Todesfällen spürbar gestiegen, was die Sorge vor einer Überlastung des Gesundheitssystems schürt. Die japanische Wirtschaft hatte zwar im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um starke 22,9 Prozent zugelegt. Doch wieder ansteigende Corona-Infektionszahlen trüben die Geschäftsaussichten.

OPEC+ lockert Förderbremse etwas: Das Ölkartell OPEC und dessen zehn Kooperationspartner, die sogenannte OPEC+, hat vor dem Hintergrund steigender Ölpreise entschieden, den Ölhahn wieder etwas weiter aufzudrehen. So soll ab Januar die Produktion um 500.000 Fass am Tag erhöht werden, womit die kumulierte Förderkürzung neu bei 7,2 Millionen Fass liegt. Damit steht die OPEC dennoch eher auf der Bremse. Denn im Vorfeld des OPEC-Treffens von vergangener Woche wurde von Experten eine Rücknahme der Förderbeschränkungen auf 5,8 Millionen Fass erwartet. Durch die Corona-Pandemie, die aufgrund der erneuten Lockdowns die beginnende wirtschaftliche Erholung wieder gedämpft hat, dürfte sich die Ölnachfrage nach Einschätzung der Opec+ auch 2021 erst langsam wieder Wachstumseinbruch wieder ausbügeln.

Fokus: Wie finde ich den richtigen ETF?

Den richtigen ETF zu finden ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ein strukturiertes Vorgehen hilft.

ETFs sind günstig, transparent und liquide. Sie bieten auch unter dem Gesichtspunkt der Diversifikation Vorteile gegenüber anderen Anlageprodukten. Entsprechend groß ist die Nachfrage. Und auch das Angebot wächst laufend. Den richtigen ETF zu finden, ist also alles andere als einfach. Folgende sechs Schritte helfen bei der Wahl des richtigen ETFs.

1. Herleitung der Anlagestrategie

Unter Berücksichtigung der eigenen Risikotoleranz und der Verlusttragfähigkeit steht vor einer Investition in Wertpapiere die Festlegung der passenden Anlagestrategie. Dabei beeinflussen Anlageziel und Anlagehorizont ebenso die Strategieplanung wie die spätere Kapitalverwendung. Die gewählte Strategie gibt die langfristige Aufteilung des Anlagebetrags auf die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe vor. Eine klar definierte Anlagestrategie ist der wichtigste Faktor für den Anlageerfolg.

Für die Herleitung der Anlagestrategie müssen zwei Faktoren berücksichtigt werden: die Risikofähigkeit und die Risikobereitschaft.

  • Die Risikobereitschaft drückt aus, wie gut der Anleger vorübergehende Kursverluste auf seinen Investitionen emotional verkraftet. Wer schlecht mit Verlusten umgehen kann, hat eine tiefe Risikobereitschaft. Ein Anleger mit einer hohen Risikofähigkeit kann eine tiefe Risikobereitschaft haben und umgekehrt.
  • Die Risikofähigkeit besagt, in welchem Zeitraum der Anleger welchen Anteil seines Vermögens benötigt. Wer beispielsweise im kommenden Jahr einen Großteil seines Vermögens für den Kauf eines Hauses verwenden will, hat eine tiefe Risikofähigkeit.

Eine Anlagestrategie lässt sich heute ausschließlich mit ETFs umsetzen. An deutschen Börsen stehen über 1.750 ETFs zur Auswahl, die in eine Vielzahl von Anlageklassen, Märkten und Währungen investieren und eine breite Diversifikation des Vermögens ermöglichen.

2. Index wählen

Anleger müssen sich bewusst sein, dass ETF-Anlagen die Wertschwankung des Indexes vollumfänglich mitmachen. Die Wahl des richtigen Indexes ist deshalb von zentraler Bedeutung.

Um eine Vorstellung für die Wertentwicklung eines ETFs zu bekommen, empfiehlt sich ein Blick auf die historischen Renditen und Kursschwankungen des zugrundeliegenden Indexes. Dabei sollte ein möglichst langer Zeitraum betrachtet werden. Hilfreich ist auch ein Verständnis für die Berechnung und Zusammensetzung des Indexes. Viele Indizes gewichten die Titel entsprechend ihrem Börsenwert. Dadurch können sich Klumpenrisiken ergeben. Beim US-amerikanischen S&P 500 machen die zehn größten von 500 Werten fast 30 Prozent des Index aus, angeführt von Apple, Microsoft, Amazon und Facebook.

3. Abbildungsqualität prüfen

Viele Anleger gehen davon aus, dass ein ETF seinen Vergleichsindex eins zu eins abbildet. Das hätte zur Folge, dass die ETF-Rendite der Benchmark-Rendite entsprechen würde. Das ist aber nicht der Fall. Zwischen einzelnen ETFs auf einen bestimmten Index kann es zu Renditeunterschieden von mehreren Prozentpunkten pro Jahr kommen. Um die Abbildungsqualität eines ETFs zu messen, lohnt es sich, die ETF-Rendite mit der Indexrendite zu vergleichen. Unterscheiden sie sich stark, ist Vorsicht geboten.

4. Replikationsart wählen

Unter Replikationsart versteht man die Art und Weise, wie ein ETF einen Index abbildet. Grundsätzlich wird zwischen physischer Replikation und synthetischer Replikation unterschieden. Bei der physischen Replikation investiert der ETF in die im Index enthaltenen Wertpapiere. Die synthetische Replikation funktioniert über Finanzderivate. Sie ist komplizierter und weniger transparent als die physische Indexnachbildung. Gewisse Märkte lassen sich jedoch nur durch synthetische Replikation abbilden.

Die Risiken von physisch replizierenden ETFs werden häufig als geringer eingestuft. Unter gewissen Umständen kann die synthetische Replikation aber durchaus sinnvoll sein. Die passende Replikationsart muss deshalb von Fall zu Fall beurteilt werden.

5. Kosten vergleichen

Einen Hinweis auf die Höhe der jährlich anfallenden Kosten in einem ETF gibt die Gesamtkostenquote TER (Total Expense Ratio). Sie umfasst neben den Verwaltungsgebühren auch die Kosten für Werbung und Vertrieb des Produkts. Eine niedrige TER sorgt aber nicht zwangsläufig für eine höhere Rendite. Denn zum einen sind in der TER nicht alle Kostenkomponenten eines ETFs enthalten. Zum anderen wird die Rendite auch von der Replikationsart beeinflusst.

6. Handelsgebühren optimieren

Beim Kauf und Verkauf eines ETFs fallen bankübliche Transaktionsgebühren und Börsenabgaben an. Zudem muss auch der Kauf- bzw. Verkaufspreis eines ETF genauer analysiert werden. Bei börsengehandelten Wertpapieren wie ETF besteht üblicherweise eine Spanne zwischen Geld- und Briefkurs. Diese Spanne (auch Spread genannt) entspricht der Preisdifferenz zwischen Ankaufkurs (Brief) und Verkaufskurs (Geld). Anleger sollten auf eine niedrige Geld-Brief-Spanne achten. Als Faustregel gilt, dass Anleger ihre Transaktionen in der Mitte der Handelszeit tätigen sollten, da die Spreads zu Beginn und am Ende des Tages oft höher sind. An der Frankfurter Börse werden beispielsweise ETFs von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 17.30 Uhr am liquidesten gehandelt.

Wichtig beim Kauf oder Verkauf eines ETFs ist zudem, dass die im ETF enthaltenen Wertpapiere zum Zeitpunkt der Transaktion gehandelt werden. Ein ETF auf den US-Aktienmarkt beispielsweise sollte dann an deutschen Börsen gekauft werden, wenn die US-Börsen geöffnet sind. Andernfalls ist mit höheren Spreads zu rechnen.

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