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Newsletter vom 2. Dezember 2020

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Konjunkturelle Zuversicht zeigt sich auch bei Industriemetallen: Nicht nur die Aktienmärkte reagierten mit kräftigen Avancen auf die Impfstoffhoffnungen. Auch die Signale von den Rohstoffmärkten zeugen von einem um sich greifenden Optimismus. Deutlich wird dies an der gegenläufigen Preisentwicklung bei Industrie- und Edelmetallen (siehe Grafik). Da Industriemetalle häufig ganz am Anfang der industriellen Wertschöpfungskette stehen, deuten anziehende Preise auf eine steigende Nachfrage und in der Folge auf eine wirtschaftliche Belebung hin. Neben dem Kupferpreis zogen zuletzt vor allem die Preise für Platin und Palladium an. Beide Metalle sind zum Beispiel für die Automobilindustrie ein wichtiger Rohstoff. Während also die Industriemetalle von der Aussicht auf eine Rückkehr zur Normalität profitieren, stehen die Preise für Edelmetalle wie Gold und Silber im Gegenwind. Da Gold wie auch Silber als sichere Anlagehäfen gelten, hatten sie von den großen Unsicherheiten während der Pandemie profitiert und waren auf ein Mehrjahres- bzw. – im Falle von Gold – auf ein Allzeithoch gestiegen. Die bessere Stimmung an den Finanzmärkten ließ die Preise für Gold und Silber nun korrigieren. Zuletzt hatten zudem die sich erholenden US-Realrenditen für eine weitere Belastung gesorgt. In den nächsten paar Monaten dürfte dieser Schwächetrend insbesondere beim Gold wohl anhalten, denn in den USA dürften die Bondrenditen weiterhin schneller steigen als die Inflationserwartungen.

Industriemetalle im Aufwind
Während die Industriemetalle von den konjunkturellen Aussichten profitieren, belastet die nachlassende Unsicherheit die Preise für Edelmetalle. Bei den Energiepreisen sind die Aussichten von hoher Ungewissheit geprägt.
Industriemetalle im Aufwind

Quelle: Bloomberg

US-Industrie spürt Gegenwind: Die Stimmung in der US-Industrie hat sich im November stärker als erwartet eingetrübt. Der vom Institute for Supply Management (ISM) erhobene Einkaufsmanagerindex fiel zum Vormonat um 1,8 Punkte auf 57,5 Zähler. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 58,0 Punkte gerechnet. Besonders schwach zeigte sich der Indikator für die Beschäftigungsentwicklung im Industriesektor. Mit 48,4 Punkten deutet er auf eine Verschlechterung hin. Abgeschwächt hat sich auch der Wert für die neuen Aufträge bzw. die Auftragseingänge, der sich mit 65,1 Punkten aber immer noch auf einem hohen Niveau bewegt. Zuletzt hat sich die Corona-Krise auch in den USA wieder verschärft. Die Industrie leidet jedoch deutlich weniger unter Beschränkungen des öffentlichen Lebens als der Dienstleistungssektor. So signalisiert der ISM-Index immer noch ein robustes Wachstum in der Industrie.

In China stehen Industrie und Dienstleister weiter im Aufwind: Während die meisten westlichen Länder noch immer in einer Art Lockdown-Modus verharren, boomt die chinesische Wirtschaft. Dabei ist vor allem der Industriesektor auf dem Weg zu alter Stärke. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im November auf den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren. Er kletterte konkret um 0,7 auf 52,1 Punkte, wie das chinesische Statistikamt mitteilte. Aber auch der immer wichtiger werdende Dienstleistungssektor Chinas ist weiterhin im Aufwind. Hier legte der Einkaufsmanagerindex den mittlerweile neunten Monat in Folge zu auf aktuell 56,4 Punkte. In China war das Bruttoinlandsprodukt wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise im ersten Quartal stark eingebrochen, konnte sich dann aber rasch erholen. So konnte China als erste große Volkswirtschaft den coronabedingten Wachstumseinbruch wieder ausbügeln.

Fokus: Der Bitcoin meldet sich zurück

Der aktuelle Höhenflug des Bitcoins stellt die meisten Anlageklassen in den Schatten. Auch wenn die Ursachen für die Avancen nicht ganz klar sind: Der Bitcoin ist erwachsener geworden und wird von immer mehr Profianlegern umgarnt.

Er ist zurück in den Schlagzeilen: der Bitcoin. Seit Wochen schießt der Preis für die wohl bekannteste Kryptowährung in die Höhe. Noch Ende September wurde ein Bitcoin auf der europäischen Handelsplattform Bitstamp zu etwa 10.600 US-Dollar gehandelt. Mittlerweile werden über 19.000 US-Dollar gezahlt. Auf diesem Niveau stand der Bitcoin letztmals Anfang 2018. Das bisherige Rekordhoch von Ende 2017 wurde mit 19.914 US-Dollar nun übertroffen. Seit einem kurzen aber heftigen Einbruch zu Beginn der Corona-Krise im März, als der Bitcoin kurzzeitig auf unter 5.000 US-Dollar zurückfiel, hat sich dessen Wert vervierfacht. Alleine seit Ende Oktober steht ein Plus von über 30 Prozent zu Buche.

Einige Anlageklassen verzeichnen seit dem Frühjahr eine ebenfalls sehr dynamische Entwicklung. Doch der Bitcoin stellt alles in den Schatten. Nimmt man die beiden US-Aktienindizes S&P 500 und Nasdaq 100, die beide von "Pandemiegewinnern" wie Amazon, Netflix, Zoom, Paypal oder Moderna angetrieben wurden und bereits nach den Sommerferien neue Rekordmarken setzen konnten, ragt der Bitcoin dennoch heraus. Auch gemessen am Goldpreis, der in diesem Jahr ebenfalls einen sehr starken Lauf zeigt, schneidet der Bitcoin um Klassen besser ab.

Wie so häufig beim Bitcoin, gibt es keinen eindeutigen Grund für die Kursbewegungen. Sicherlich positiv gewirkt haben Meldungen von Anfang Oktober, denen zufolge der Zahlungsdienstleister Paypal den Bitcoin und andere Digitalwährungen wie Ethereum und Litecoin demnächst als Zahlungsmittel akzeptieren werde. Weitere Firmen aus dem Zahlungsabwicklungs- und Onlinedienstleistungsbereich kündigten ebenfalls eine Öffnung ihrer Plattformen für Kryptowährungen an. Wenn es immer mehr Möglichkeiten zum Einsatz im täglichen Gebrauch gibt, dann dürfte das auch die praktische Relevanz und die Akzeptanz des Bitcoin erhöhen; der Bitcoin würde "erwachsener".

Ein weiterer möglicher Grund für die Bitcoin-Hausse: Immer mehr professionelle Anleger beginnen sich auf der Suche nach Diversifikationsmöglichkeiten offenbar für den Bitcoin zu interessieren. Denn dem Bitcoin wird eine geringe Korrelation zu den traditionellen Anlagen wie Aktien oder Anleihen nachgesagt. Zudem wird die Kryptobranche immer stärker reguliert und überwacht. Sie hat viel von ihrem „Schmuddel“-Image verloren. Die Pläne Facebooks zur Etablierung einer eigenen Digitalwährung dürften in der mittleren Frist weitere Unsicherheiten und Baustellen beseitigen.

"Härteste" Währung der Welt

Vor dem Hintergrund der jüngst noch weiter aufgerissenen Geldschleusen der großen Notenbanken verfängt aber vor allem ein Argument: Der Bitcoin sei die wohl "härteste" Währung der Welt, weil er sich nicht per Knopfdruck beliebig vermehren lässt wie Euro oder US-Dollar. Zwar nimmt auch die Anzahl an Bitcoins durch das "Mining" laufend zu. Eine fixe Obergrenze ist aber definiert: Bei 21 Millionen Bitcoins ist Schluss; mehr gibt das System nicht her.

Bislang wurden etwa 18,5 Millionen Bitcoin "gemined" bzw. "geschürft". Für diese Arbeit, bei der der Blockchain in einem komplizierten Verfahren ein weiterer Block hinzugefügt wird, werden die Miner mit ihren rund um die Uhr laufenden Hochleistungscomputerfarmen mit genau 6,25 neu erstellten Bitcoins entlohnt. Bei einem Kurs von 20.000 US-Dollar pro Bitcoin – wie etwa derzeit – sind das 112.500 US-Dollar bzw. rund 100.000 Euro. Und etwa alle zehn Minuten entstehen weitere 6,25 Bitcoin-Einheiten.

Es geht also um relativ viel Geld. Deswegen wird Bitcoin-Mining mittlerweile mehrheitlich von professionellen Firmen wie Riot Blockchain oder Marathon Patent Group betrieben. Die beiden größten Bitcoin-Miner Nordamerikas hatten jüngst angekündigt, zweistellige Millionenbeträge in neue Mining-Computer zu investieren, um ihre Marktanteile zu verteidigen. Die Aktien von Riot und Marathon übertrumpfen sogar die Avancen des Bitcoins: Seit Jahresbeginn steht für die Titel ein Plus von je rund 500 Prozent zu Buche.

"Halving" lässt Bitcoin-Menge immer langsamer wachsen

Wichtig ist: Die Entlohnung für das Mining wird ungefähr aller vier Jahre halbiert, womit die Bitcoin-Menge immer langsamer wächst. Letztmalig kam es in diesem Frühjahr zu diesem sogenannten "Halving". Zuvor erhielten die Miner 12,5 Bitcoin. Die Inflation des Bitcoins nimmt daher allmählich ab, bis die Zahl von 21 Millionen erreicht ist. Das wird aber erst im nächsten Jahrhundert der Fall sein.

Diese begrenzte Verfügbarkeit des Bitcoins ist auch im Vergleich mit anderen Anlageklassen ein wichtiges Argument. Gold beispielsweise ist zwar auch nicht grenzenlos vorhanden, doch niemand kann mit Gewissheit sagen, wie viele Tonnen davon noch in der Erde stecken.

Große Nachfrage nach Bitcoin-Derivaten

Die Finanzbranche ist spätestens seit dem letzten Höhenflug von Ende 2017 hellhörig geworden. So stehen Investoren neben einer Direktanlage in den Bitcoin immer mehr Finanzprodukte auf den Bitcoin zur Verfügung. An den etablierten Börsen ist ein Handel mit Krypto-Derivaten wie Tracker-Zertifikaten ebenfalls seit einigen Jahren möglich. Und die Nachfrage ist recht groß. Ein solches Produkt bildet die Wertentwicklung des Bitcoins ziemlich genau ab, vom Prinzip so wie das ETFs auch tun. Auch wenn einige Produktentwickler mit Hochdruck daran arbeiten: Einen Bitcoin-ETF gibt es bislang noch nicht.

Ungeachtet der großen Aufmerksamkeit, die der Bitcoin derzeit wieder genießt, sorgt eine Sache weiterhin für Unbehagen: die ausgeprägten und kaum nachvollziehbaren Kursschwankungen. Vielen wird der Crash vom Frühjahr wohl noch in den Knochen sitzen, als der Bitcoin in wenigen Tagen um etwa 50 Prozent abgestürzt war.

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