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Newsletter vom 25. November 2020

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Ölpreis im Aufwind: Der Ölpreis gibt ein Lebenszeichen von sich. Erstmals seit März ist der Preis für Rohöl der europäischen Referenzsorte Brent auf über 48 US-Dollar je Fass gestiegen (siehe Grafik). Der wohl wichtigste Preistreiber war zuletzt der Durchbruch bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus. Damit rückt ein Ende der wirtschaftlichen Beeinträchtigung durch die Pandemie in Reichweite. Dies wiederum dürfte eine sich relativ rasch erholende Ölnachfrage mit sich bringen. An den Terminmärkten ist bereits ein deutlicher Stimmungsumschwung festzustellen. Und auch auf der Angebotsseite sind positive Signale auszumachen. An den Märkten wird spekuliert, dass das Ölkartell Opec sowie weitere wichtige Förderländer weiterhin auf der Bremse stehen und die Förderbeschränkungen über den kommenden Januar hinaus beibehalten. Diese Allianz ist allerdings sehr brüchig. Und es ist durchaus denkbar, dass wichtige Länder wie Russland aus dem Bündnis ausscheren. Dann dürfte wieder deutlich mehr Öl gefördert werden. Deshalb ist es wohl noch zu früh, um von einer Trendwende bei den Ölpreisen zu sprechen. Die Ölnachfrage ist in der Coronakrise so stark eingebrochen wie noch nie zuvor in der Geschichte. Trotz der jüngsten Avancen bei den Ölpreisen steht seit Jahresbeginn noch immer ein Verlust von über 30 Prozent zu Buche.

Ölpreis auf höchstem Stand seit März
Die Impfstoffhoffnungen beflügeln den Ölpreis. Denn es rückt ein Ende der wirtschaftlichen Beeinträchtigung durch die Pandemie in Reichweite (Angaben in US-Dollar).
Ölpreis auf höchstem Stand seit März

Quelle: Bloomberg

Eurozone droht Rückfall in Rezession: Die Stimmung unter den Einkaufsmanagern in der Eurozone hat sich im November deutlich eingetrübt. Vor dem Hintergrund der zweiten Corona-Welle fiel der Einkaufsmanagerindex des Marktforschungsinstituts IHS Markit um 4,9 Punkte auf 45,1 Zähler zurück. Der Stimmungsindikator, der die Industrie- und die Dienstleistungsunternehmen zusammenfasst, hat sich damit bereits den vierten Monat in Folge eingetrübt. Er liegt nun deutlich unter der Marke von 50 Punkten, ab der ein Wachstum signalisiert wird. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone in die Rezession zurückfällt. Die einzelnen Euroländer sind von der Entwicklung allerdings unterschiedlich betroffen. In Deutschland kühlte sich die Konjunktur inmitten des Teil-Lockdowns zwar ebenfalls ab, doch signalisiert das Barometer mit 52,0 Zählern immer noch ein robustes Wachstum – vor allem wegen gut laufender Geschäfte der Industrie. Schwerer erwischte es Frankreich, wo die Regierung einen harten Lockdown verhängt hatte. Hier rutschte der Einkaufsmanagerindex auf 39,9 Punkte ab.

Deutsche Börse verschärft Regeln bei Dax & Co.: Nach dem Wirecard-Skandal und der Kritik an der Aufnahme von Delivery Hero in den Dax, verschärft die Deutsche Börse für alle Unternehmen in den verschiedenen Indizes die Regeln. Wer künftig in den Dax will – das Aushängeschild der Deutschen Börse, muss neu auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) die letzten beiden Geschäftsjahre profitabel gewesen sein. Ein Konzern wie der Essenslieferant Delivery Hero wäre auf Basis der neuen Regeln also nicht Dax-Nachfolger für den nach einem Bilanzskandal insolventen Zahlungsabwickler Wirecard geworden. Ausgeschlossen wird Delivery Hero dennoch nicht gleich wieder. Denn die neuen Regeln gelten nur für Dax-Anwärter. Zudem wird der Dax im September 2021 von 30 auf 40 Werte aufgestockt.

Türkische Notenbank reißt Leitzins hoch im Kampf gegen Inflation: Die türkische Notenbank hat unter ihrer neuen Führung mit einer drastischen Zinserhöhung um 4,75 Prozentpunkte auf 15,0 Prozent auf die hohe Inflation und den Zerfall der Lira reagiert. Die Entscheidung wird als grundlegende Änderung der bisherigen Politik der Notenbank interpretiert, den Leitzins möglichst tief zu halten im Kampf gegen die Inflation. Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme Anfang November hatte der neue Notenbankchef Naci Agbal die Zinserhöhung bereits angedeutet. Daraufhin konnte sich die Lira stabilisieren, nachdem sie zuvor im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro jeweils Rekordtiefs erreicht hatte. Der Währungsverfall hatte an den Märkten die Besorgnis vor einer Zahlungskrise des Landes verschärft, weil türkische Unternehmen und auch der Staat stark in ausländischer Währung verschuldet sind.

Fokus: Dr. Copper & Co. sorgen für Zuversicht

Aktienmärkte sind nicht die einzigen Frühindikatoren für die Lage der Konjunktur. Auch andere Signale geben Grund für Optimismus.

Die zweite Infektionswelle verursachte an den globalen Aktienmärkten keinen nennenswerten Rückschlag. Viele Leitbörsen befinden sich sogar auf Rekordjagd – vor allem in den USA. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Denn es ist doch trotz der jüngsten Impfstoffhoffnungen noch völlig unklar, wann eine Rückkehr zur Normalität im sozialen und wirtschaftlichen Leben gelingen kann – und wie diese neue Normalität aussehen wird. Sind die Aktienmärkte zu optimistisch?

Die Signale vom Börsenparkett in New York, London, Tokio oder Frankfurt werden, wie viele andere Marktsignale auch, von der seit Jahren ultraexpansiven Geldpolitik verzerrt. Dadurch sind die Aktienmärkte als Seismograph für die weltwirtschaftliche Entwicklung differenzierter zu betrachten. Die Kurse haben sich in den letzten Monaten in der Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung von der wirtschaftlichen Realität vorerst entkoppelt.

Rohstoffpreise als zusätzliche Frühindikatoren

Zuverlässigere Indikatoren sind zum Beispiel Rohstoffindizes. Da rund ein Viertel des Warenaustauschs rund um den Erdball auf Rohstoffe entfällt, gelten sie als wichtige Gradmesser für den Zustand der Weltwirtschaft. Steigen die Rohstoffpreise, ist das ein Hinweis darauf, dass der Konjunkturmotor brummt und umgekehrt. Deswegen werden Rohstoffindizes oft auch als Fieberkurve der Weltwirtschaft bezeichnet. Und im Gegensatz zu den Aktienkursen beeinflussen die billionenschweren Hilfsprogramme der Notenbanken und Regierungen zur Bekämpfung der Pandemiefolgen die Preisbildung an den Rohstoffmärkten viel weniger.

In vielen Rohstoffindizes haben die Energiepreise ein relativ hohes Gewicht, weshalb sie von den tiefen Erdölnotierungen im Preis gedrückt werden. Deswegen schielen viele Börsianer für eine Standortbestimmung derzeit beispielsweise lieber auf den Kupferpreis. Das Metall wird für so viele industrielle Anwendungen benötigt, dass dem Kupferpreis zugetraut wird, die Stärke der Nachfrage in der Weltwirtschaft recht zuverlässig widerzuspiegeln. Hierfür hat sich der Name Dr. Copper (engl. für Kupfer) eingebürgert. Und aktuell ist Dr. Copper offenbar recht optimistisch, was die konjunkturelle Entwicklung anbelangt. Denn der Kupferpreis hat jüngst die Marke von 7.000 US-Dollar pro Tonne übersprungen und notiert damit etwa auf einem Zweijahreshoch. Ähnlich wie an den Aktienmärkten wurde auch hier das im Zuge der Coronakrise preisgegebene Terrain somit längst wieder aufgeholt (siehe Grafik).

Kupferpreis im Höhenflug
Während der breit aufgestellte Rohstoffindex (Bloomberg Commodity) von den tiefen Ölpreisen ausgebremst wird, hat der Kupferindex die während der Coronavirus-Krise erlitten Verluste längst aufgeholt (Preise in US-Dollar).
Kupferpreis im Höhenflug

Quelle: Bloomberg

Ebenso wie bei den Aktienkursen gibt es beim Kupferpreis realwirtschaftliche Gründe für den Höhenflug. Der wohl wichtigste ist China. Dort ist die Nachfrage insgesamt wieder stärker angesprungen und nach dem roten Metall besonders stark. Das Land hat sich bereits fast vollständig von der Coronakrise erholt. Zudem profitieren Branchen mit einem hohen Kupferverbrauch, wie die Elektroindustrie und der Maschinenbau, stark von den chinesischen Konjunkturprogrammen. Hinzu kommt, dass die chinesische Währung Renminbi gegenüber dem US-Dollar stark an Wert gewonnen hat. Dadurch wird Kupfer, das auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird, für chinesische Einkäufer billiger.

Containerumschlag auf Rekordhoch

Neben Dr. Copper gelten weitere Signale aus dem globalen Warenaustausch als relativ zuverlässige konjunkturelle Frühindikatoren. Da der internationale Warenverkehr im Wesentlichen per Containerschiff abgewickelt wird, achten Marktbeobachter auch auf die Auslastung der Container-Terminals in großen Häfen wie Shanghai, Singapur, Rotterdam und jene an der Westküste der USA.

Ein wichtiger Indikator im deutschsprachigen Raum ist hierfür der Containerumschlag-Index des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). In diesen Index fließen die Angaben zum monatlichen Containerumschlag in 91 internationalen Häfen ein, auf die ungefähr 60 Prozent des weltweiten Containerumschlags entfallen. Der Index erreichte im September – aktuellere Daten liegen noch nicht vor – bei 119,7 Punkten ein Allzeithoch (siehe Grafik). Sowohl in den chinesischen Häfen als auch in den Häfen außerhalb Chinas habe der Containerumschlag kräftig zugenommen, halten das RWI und das ISL dazu fest.

Containerumschlag so hoch wie nie
Der Containerumschlag-Index vom RWI/ISL erreichte im September ein Allzeithoch (Daten saisonbereinigt).
Containerumschlag so hoch wie nie

Quelle: RWI

Mit dem Shanghai Containerized Freight Index zeigt ein weiterer wichtiger Index für den globalen Warenverkehr seit einigen Monaten ebenfalls einen steilen Anstieg. Dieser Index bildet wöchentlich die Entwicklung der Frachtraten von Containertransporten ab, die vom Hafen von Shanghai ausgehen, dem größten Containerhafen der Welt.

Trotz der ermutigenden Konjunkturdaten wird der begonnene neue Konjunkturzyklus keine Einbahnstraße sein können. Es ist weiter mit erhöhter Volatilität an den Kapitalmärkten zu rechnen. Eine auf Langfristigkeit ausgelegte Strategie ist in diesem Umfeld von höchster Wichtigkeit, am besten ohne zu viel Gebühren dafür zahlen zu müssen.

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