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Newsletter vom 16. September 2020

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Aktuelles zu Börsen & Märkten

Unterschiedliches "Tempo" bei Inflation in Eurozone und USA: Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht noch für Jahre hinaus eine schwache Inflation. Die entsprechende Prognose für 2020 liegt unverändert bei 0,3 Prozent. Die Erwartung für 2021 wurde aber leicht nach oben revidiert (von +0,8 auf +1,0 Prozent). Für 2022 wiederum rechnet die EZB unverändert mit einer Inflationsrate von 1,3 Prozent. Damit bleibt die erwartete Inflation für die kommenden Jahre weit vom EZB-Zielwert (knapp zwei Prozent) entfernt. Es ist also in Europa mit weiteren gezielten Stimuli zu rechnen und die Geldpolitik dürfte noch lange auf dem expansiven Pfad verharren. In den USA entwickelt sich die Inflation hingegen relativ dynamisch. Im August ist sie erneut angestiegen – sowohl bei Betrachtung der Konsumentenpreisinflation (1,3 Prozent; siehe Grafik) als auch bei der Kerninflation (1,7 Prozent). Ein wichtiger Treiber hinter den höheren Werten waren unter anderem die Autopreise. Denn offenbar wurde in den USA die Produktion langsamer wieder heraufgefahren als die Nachfrage sich erholte. Autos stehen ein Stück weit stellvertretend für andere langlebige Konsumgüter, bei denen dasselbe Phänomen eintreten könnte – denn es ist schwierig für die Produzenten, die Nachfrageerholung abzuschätzen. Keiner will auf großen Lagerbeständen sitzen bleiben. Es ist also durchaus möglich, dass die Inflationszahlen in den USA durch das oben beschriebene Phänomen noch etwas weiter steigen. Für die Notenbank ist dies kein Problem, da die Inflation noch unter der Zwei-Prozent-Marke liegt und diese Marke von der Notenbank neu auch flexibler ausgelegt wird.

US-Inflation steigt dynamisch – anders als in Europa
In den USA zeigt sich für die letzten Monate ein steigender Inflationstrend.
US-Inflation steigt dynamisch – anders als in Europa

Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics

Industrie in Eurozone kämpft sich aus Krise: In der Eurozone verliert die Erholung in der Industrie etwas an Fahrt. Die Unternehmen produzierten im Juli 4,1 Prozent mehr her als im Juni, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Im Juni hatte es noch ein Plus von revidiert 9,5 Prozent gegeben, im Mai einen Anstieg von 12,2 Prozent. Der Aufholprozess in dem wichtigen Wirtschaftszweig ist noch nicht abgeschlossen: denn die Betriebe stellten 7,7 Prozent weniger her als im Vorjahresmonat. Der Ausstoß lag auch kalender- und saisonbereinigt noch um gut sieben Prozent unter dem Niveau vom Februar, als sich die Virus-Pandemie noch nicht in den Daten niedergeschlagen hatte.

Erholung der US-Industrie verlangsamt sich: Die Industriebetriebe in den USA haben sich im August weiter von der Coronakrise erholt. Allerdings hat auch hier die Dynamik nachgelassen. So erhöhte sich die Gesamtproduktion zum Vormonat um lediglich 0,4 Prozent, wie die US-Notenbank mitteilte. Dabei handelt es jedoch um den vierten Anstieg in Folge. Der Zuwachs fiel aber deutlich geringer aus als in den Monaten zuvor. Auch die Erwartungen von Analysten wurden verfehlt. Nach Angaben der Fed liegt die Produktion immer noch 7,3 Prozent unter dem Vorkrisenniveau (von Februar). Belastet wurde das Gesamtergebnis im August jedoch durch zwei größere Wirbelstürme, die die Öl- und Gasproduktion beeinträchtigten.

Suga ist neuer Regierungschef in Japan: In Japan wurde Yoshihide Suga zum neuen Ministerpräsidenten und damit zum Nachfolger von Shinzo Abe gewählt. Der 71-jährige war zuvor Kabinettssekretär und Regierungssprecher unter Abe. Suga will dessen Politik nun fortsetzen und damit für Kontinuität und Stabilität sorgen, den Schwerpunkt aber auf den wirtschaftlichen Reformprozess verlagern. Zuvor wurde Suga zum neuen Parteichef der Liberaldemokratischen Partei (LDP) gewählt. Auch hier folgte er Abe. Der 65-jährige Abe hatte aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef angekündigt. Abe hat mit seiner nach ihm benannten Wirtschaftspolitik "Abenomics" Japan fast acht Jahre lang geprägt. Der Begriff steht für eine aktive Wirtschaftsförderung aus lockerer Geldpolitik, hohen Staatsausgaben und Reformen.

Fokus: Exchange Traded Funds, Indexfonds, Zertifikate: Was passt am besten um passiv zu investieren?

Passives Investieren steht hoch im Kurs. Doch das Produktangebot ist mittlerweile kaum noch zu überblicken. Darauf sollten Anleger achten.

Passive Anlageinstrumente erfreuen sich seit einigen Jahren einer immer größeren Beliebtheit. Das ist nachvollziehbar. Da sie das Ziel haben, lediglich einen Vergleichsindex abzubilden, können sie auf ein teures Management verzichten. Somit sind sie günstiger als aktive Produkte. Viele Studien zeigen zudem, dass aktive Fondsmanager nach Kosten oftmals schlechter als ihr Benchmark abschneiden.

Beim passiven Investieren haben Anleger die Auswahl zwischen börsennotierten Fonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs), nichtnotierten Fonds (Indexfonds) und Zertifikaten.

Ein aus Anlegersicht zentraler Unterschied zwischen ETFs und Indexfonds auf der einen Seite und Zertifikaten auf der anderen Seite ist die Rechtsstruktur. Bei ersteren handelt es sich um Sondervermögen, wobei das investierte Vermögen vom Vermögen der Fondsanbieter getrennt ist. Im Insolvenzfall des Emittenten ist der Anleger also vor Forderungen von Gläubigern geschützt.

Indexzertifikate hingegen sind Schuldverschreibungen. Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht dem Anleger im schlimmsten Fall der vollständige Verlust seiner Investition, wie das beispielsweise beim Konkurs von Lehman Brothers 2008 der Fall war. Damals wurden viele Zertifikate der Bank wertlos.

Auch zwischen ETFs und Indexfonds gibt es Unterschiede. Neben der Börsennotierung – Indexfonds werden in der Regel nicht notiert – sind es auch Kosten. Die Indexfonds sind in der Regel nochmal einen Tick günstiger.

Hinsichtlich des Angebots in Deutschland sind Indexfonds für Privatanleger vergleichsweise gering vertreten. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass diese Produkte eine lange Zeit nur institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Erst in den vergangenen Jahren haben sich die Anbieter stärker für Kleinanleger geöffnet. Auch ist die Produktvielfalt der Indexfonds noch begrenzt, replizieren sie doch vor allem klassische Indizes.

ETFs sind vergleichsweise vielfältiger bei einer größeren Anzahl von Anbietern. Zertifikate wiederum sind weniger aufwändig zu emittieren als ETFs und Indexfonds. So können Nischenindizes und Trendthemen einfacher abgedeckt werden. Dadurch ist ihre Produktvielfalt größer.

Wer eine Anlagestrategie mit passiven Produkten umsetzen möchte, sollte zunächst festlegen, wie die Zielgewichtung der für eine Investition in Frage kommenden Anlageklassen ausfallen soll. Zudem ist es empfehlenswert, den Aktivitätsgrad der Strategie zu bestimmen, ob also aus taktischen Gründen von der Zielgewichtung abgewichen werden darf, und – falls ja – in welcher Regelmäßigkeit.

In einem nächsten Schritt sollte der Anleger einen Index auswählen, der zu den Anlageklassen und zum Aktivitätsgrad passt. Hierfür ist es unerlässlich, dass er sich mit den Eigenschaften und der Entwicklung des Indexes in unterschiedlichen Marktphasen bekanntmacht.

Das Marktumfeld spielt bei der Auswahl der Produktart nur eine untergeordnete Rolle, da alle passiven Anlageinstrumente das gleiche Ziel verfolgen: einen Index nachzubilden. Allerdings steht je nach Index eventuell nur eine bestimmte Produktart zur Verfügung. So können zum Beispiel bestimmte Nischenthemen nur mit Zertifikaten abgebildet werden.

Sofern passive Anlagefonds den gesuchten Index abdecken und das Emittentenrisiko umgangen werden soll, sind diese den Zertifikaten vorzuziehen. Dabei stehen Anlegern mehrere ETFs und Indexfonds verschiedener Anbieter zur Verfügung. Der Anleger sollte sich deswegen vor einer Investition auch im Klaren sein, ob er innerhalb eines Tages handeln möchte oder ob es ihm reicht, den Fonds einmal täglich zum Schlusskurs handeln zu können. Ist die Handelbarkeit innerhalb eines Tages eine zwingende Voraussetzung, kommen demnach nur ETFs in Frage.

Ein weiterer Aspekt für die Auswahl eines Instruments ist die von der Anlagestrategie vorgegebene Haltedauer. Bei einer langen Haltedauer (z.B. Kaufen-und-Halten-Strategie) liegt der Fokus bei der Produktauswahl vor allem auf den Verwaltungskosten und der Renditedifferenz im Vergleich zum Index. Hingegen spielen die Schwankungen dieser Differenz und die Handelsgebühren für den Kauf und Verkauf bei einer kurzen Haltedauer mit vielen taktischen Transaktionen eine größere Rolle. In beiden Fällen können sich je nach individueller Produktqualität ETFs, Indexfonds oder Zertifikate eignen.

Für welchen Anleger sich welches Produkt in welcher Situation am besten eignet, lässt sich nicht pauschal beantworten. Je nach Anlagestrategie, Haltedauer, Risikoaversion und individuellem Bedürfnis des Anlegers kann der Einsatz eines ETFs, Indexfonds oder Zertifikats empfehlenswert sein, oder eine Kombination aus diesen Produkten. Aufgrund des dynamischen Marktumfeldes kann zudem eine andere Produktart vorteilhafter werden. Deshalb ist eine laufende Überwachung der eingesetzten Anlageinstrumente wichtig.

Überblick der Produkteigenschaften von ETFs, Indexfonds und Zertifikaten

  ETFs Indexfonds Tracker-Zertifikate
Zielsetzung Möglichst genaue Indexabbildung Möglichst genaue Indexabbildung Möglichst genaue Indexabbildung
Verwaltungskosten Tief Tief, im Regelfall sogar günstiger als ETFs Tief
Rechtsstruktur Sondervermögen Sondervermögen Schuldverschreibung
Emittentenrisiko Nein Nein Ja
Börsennotierung Ja i.d.R. Nein Ja
Handelbarkeit Laufend während der Börsenöffnungszeiten Einmal pro Tag Laufend während der Börsenöffnungszeiten
Produktanzahl Hoch Tief Hoch
Produktvielfalt Mittel Tief Hoch

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