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Newsletter vom 9. September 2020

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Fokus: Wie funktioniert ein ETF?

ETFs nehmen für sich in Anspruch, die Rendite eines Börsenindexes so genau wie möglich nachzubilden. Dieses Ziel lässt sich auf verschiedene Arten erreichen. ETF-Anleger sollten die wesentlichen Unterschiede bei der Indexnachbildung kennen.

ETFs sind bei Anlegern beliebt. An deutschen Börsen sind mittlerweile rund 1.750 ETFs gelistet. Diese Fonds lassen sich nach ihrer Replikationsart unterscheiden. Unter Replikation versteht man die Art und Weise, wie ein ETF einen Index abbildet. Grundsätzlich wird zwischen der physischen (direkten) und der synthetischen (indirekten) Replikation unterschieden (siehe Tabelle).

Physische und synthetische Replikation

physische Replikation synthetische Replikation
direkte Investition in Indextitel keine direkte Investtition in Indextitel
einfach verständlich Indexnachbildung mittels SWAP
nicht geeignet für gewisse Anlageklassen (z.B. Rohstoffe) weniger einfach verständlich
  auch geeignet für Anlageklassen wie z.B. Rohstoffe

Bei der physischen Replikation wird direkt in die im Index enthaltenen Titel investiert. Hier gibt es drei Ansätze. Die klassische und einfachste Methode ist die volle Replikation. Dabei enthält das Fondsportfolio alle Indextitel mit exakt den gleichen Gewichtungen wie der Index. Ein voll replizierender Fonds auf den Schweizer Aktienindex SMI beispielsweise kauft die 20 im Index enthaltenen Titel mit exakt derselben Index-Gewichtung.

Es gibt allerdings auch Indizes, die über tausend Titel enthalten. Um die Kosten der Indexnachbildung zu begrenzen, werden bei Produkten auf solche Indizes oft Stichprobenverfahren angewandt. Dabei wird der jeweilige Index nur mit einem Teil der in ihm enthaltenen Titel abgebildet. Bei der repräsentativen Stichprobe werden nur die Titel mit der höchsten Gewichtung berücksichtigt und proportional neu gewichtet. Fonds, die eine optimierte Stichprobe anwenden, bestimmen die neuen Gewichtungen anhand statistischer Optimierungsmethoden, um den Index möglichst genau abzubilden.

Nachbildung durch Tauschgeschäft

Bei der synthetischen Replikation erfolgt die Indexnachbildung mittels eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps. Der ETF-Anbieter tauscht die Rendite von in seinem Portfolio liegenden Titeln gegen die Rendite des abzubildenden Indexes. Die Gegenpartei eines solchen Tauschgeschäfts ist oft eine Investment Bank. Dabei kommt es zu Risiken, weil die Gegenpartei in Konkurs gehen und so das Tauschgeschäft nicht weiter durchgeführt werden kann. Allerdings dürfen diese Risiken nicht mehr als zehn Prozent des ETF-Vermögens betragen. In der Praxis sind die Gegenparteirisiken allerdings niedriger, da sich die ETF-Anbieter mit hinterlegten Sicherheiten vor einem Konkurs der Gegenpartei schützen oder die Risiken auf mehrere Gegenparteien verteilen.

Die synthetische Replikation ist teilweise weniger transparent als die physische Indexabbildung. Sie eignet sich dagegen besser, um beispielsweise illiquide Märkte abzubilden. Gewisse Märkte, etwa im Rohstoffbereich, lassen sich nur synthetisch abbilden.

Mehr physisch replizierende ETFs

Während ursprünglich sämtliche ETFs physisch repliziert waren, wurden im Laufe der Zeit immer mehr ETFs synthetisch aufgesetzt. Vor einigen Jahren wurden synthetische ETFs vor allem wegen ihrer Gegenparteirisiken scharf kritisiert, weshalb in den letzten Jahren vermehrt wieder die physische Replikation angewendet wird und gewisse ETF-Anbieter von der synthetischen auf die physische Replikation gewechselt haben.

Allerdings können auch bei der physischen Replikation Risiken auftreten, wenn zum Beispiel Wertpapierleihgeschäfte zur Anwendung kommen. In diesem Fall leiht der ETF-Anbieter die Indextitel für eine bestimmte Zeit und gegen Sicherheiten an eine andere Partei aus. Er geht dabei das Risiko ein, dass die Gegenpartei diese Wertpapiere nicht mehr zurückgeben kann. Dafür erhält der ETF-Anbieter im Gegenzug eine Leihgebühr, die teilweise dem ETF-Vermögen gutgeschrieben wird und zur Rendite des ETFs beiträgt. Damit profitiert auch der Anleger von solchen Wertpapierleihen.

Replikationsqualität prüfen

Die Replikationsart kann sich auf die Replikationsqualität auswirken. Mit Replikationsqualität ist gemeint, wie gut der ETF den Index abbildet. Um die Replikationsqualität eines ETFs zu messen, lohnt es sich, die Differenz zwischen der ETF-Rendite und der Indexrendite zu vergleichen. Unterscheidet sich die ETF-Rendite stark von der Indexrendite oder kommt es zu starken Schwankungen der Differenz, ist Vorsicht geboten.

Das starke Wachstum von ETFs und die damit einhergehende Produktvielfalt haben dazu geführt, dass es für Anleger immer wichtiger, aber auch immer anspruchsvoller wird, sich vor dem Kauf seriös und detailliert zu informieren.

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