Ausblick auf die kommenden Monate

Diese Seite teilen

Newsletter vom 10. November 2017

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Einkaufsmanager-Indizes signalisieren Stärke

Noch vor einem Jahr hatte die Wahl Donald Trumps als US-Präsident die weltweiten Märkte bewegt. Seither hat sich die finanzwirtschaftliche Landschaft verändert. Die Aktienindizes der Hauptregionen haben mehrfach neue Allzeithöchststände erreicht – größere Rückschläge sind ausgeblieben. Die Zinsen sind angestiegen, wenn auch weniger stark als erwartet. Bei den Wechselkursen hat sich auch einiges getan: Der US-Dollar hat eine unerwartete Schwächephase hinter sich – gleichzeitig ist der Euro zunehmend stärker geworden.

Politische Themen haben die Märkte durch das gesamte Jahr angetrieben. In den USA wechselten sich Hoffnungen auf Reformen und Ernüchterung ab. In Europa standen vor allem die Parlamentswahlen in mehreren Ländern im Fokus.

Konjunkturell hat sich die Lage laufend aufgehellt. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen. Das lässt sich an den Wachstums- und Arbeitsmarktdaten sowie an den vorlaufenden Indikatoren ablesen. So zeugen auch die Einkaufsmanager-Indizes verschiedener Wirtschaftsräume von weiterer Dynamik (siehe Grafik).

Einkaufsmanager-Indizes (verarbeitendes Gewerbe)
Daten per September 2017

Quelle: Marktit

Die Werte notieren allesamt über der kritischen Wachstumsgrenze von 50 Punkten (y-Achse). Für die Schweiz steht der Wert mit über 60 Punkten sogar deutlich darüber. Erfreulich ist nicht nur die absolute Höhe, sondern auch der relative Fortschritt (x-Achse): Alle Werte haben sich gegenüber dem Vorjahr verbessert.

Die politischen Themen beschäftigen auch weiterhin die Märkte. Sie werfen aber weniger hohe Wellen als früher. So steht in den USA aktuell die Steuerreform im Interesse der Marktteilnehmer. US-Firmen wie auch private Haushalte versprechen sich deutliche Steuerersparnisse. Die Chancen, dass die Steuerreform noch im laufenden Jahr umgesetzt wird, sind seit der Absegnung des Haushaltsbudgets gestiegen.

Geldpolitisch befinden sich die Notenbanken im Wandel, wenn auch unterschiedlich. Die Fed hat seit der Finanzkrise und dem Start ihres Bilanzabbaus die Leitzinsen dreimal erhöht – und damit wieder die Führungsrolle übernommen. Die EZB hat die Reduktion ihrer Anleihekäufe ab Januar 2018 angekündigt, ist aber weiterhin auf einem expansiven Kurs. Das gleiche gilt für die Bank of Japan, die ihre Bilanz weiterhin vergrößert. 

Die kombinierte Bilanzsumme der Notenbanken wird sich kaum vor 2020 verkürzen. Bis dahin bleibt der geldpolitische Kurs wohl noch locker – gleichzeitig bewegt er sich aber in Richtung einer Normalisierung.

Fazit

  • Die Einkaufsmanagerindizes signalisieren Stärke.
  • Die Umsetzungschancen für die US-Steuerreform sind gestiegen.
  • Die geldpolitische Lockerung verlangsamt sich.

Aktien: Fundamentalfaktoren lassen Kurssteigerungen zu

Dank dem soliden Marktumfeld und den positiven Quartalsergebnissen erreichte der DAX Ende Oktober ein neues Rekordhoch. Die Stimmung ist also positiv. 

Die deutsche Konjunktur beschleunigt sich. Die Beschäftigtenanzahl ist auf einem Rekordhoch und die Arbeitslosenzahl auf einem neuen Tiefststand. Die sogenannten Wirtschaftsweisen sehen sogar ein „deutliches Anzeichen für eine Überauslastung“, wobei dies noch nicht in einer erhöhten Inflation spürbar ist. 

Weltweit ist das fundamentale Anlageumfeld sehr vorteilhaft für Aktien. Das bestätigen die wichtigsten marktbeeinflussenden Meldungen der vergangenen zwei Wochen. Die Konjunktur-Indikatoren deuten weiterhin auf ein solides Wachstum in allen relevanten Wirtschaftsregionen hin.

Die fürs dritte Quartal veröffentlichten Unternehmensergebnisse im IT-Sektor haben die schon hohen Erwartungen übertroffen. In Europa ist die Gewinnentwicklung europäischer Unternehmen im dritten Quartal stärker ausgefallen.

In Japan nimmt die Zuversicht in die wirtschaftliche Erholung laufend zu. Vorlaufende Indikatoren deuten schon länger auf eine positive Entwicklung der japanischen Wirtschaft hin. Die Partei des amtierenden Premiers Shinzo Abe konnte ihre Mehrheit im Unterhaus bestätigen – das senkt die Unsicherheit am Markt. Mit der zunehmenden Abschwächung im Yen bewegt sich nun auch die Währung in eine klarere Richtung.

Der MSCI World konnte seinen Aufwärtstrend in den letzten Wochen fortsetzen. Der Markt wird weiterhin von einer starken Sektor-Rotation zu Gunsten der zyklischen Bereiche unterstützt. Den klar stärksten Zuspruch erfährt dabei der IT-Sektor. 

Fazit

  • Die Dynamik am Aktienmarkt wird hauptsächlich von einzelnen Sektoren getragen. Der IT-Sektor kann die bereits hohen Erwartungen nochmals übertreffen.
  • In Japan erhärtet sich die wirtschaftliche Erholung – die Parlamentswahlen senken die Unsicherheit am Markt.

Zinsen: Geldpolitisch lockere Signale überwiegen

Über die vergangenen vier Wochen sind die Renditen von US-Staatsanleihen mit kurzen und mittleren Laufzeiten gestiegen. Vor allem die 1- und 2-jährigen Renditen haben sich deutlich nach oben bewegt. Auslöser waren zwei Faktoren: Einerseits wirkt die US-Geldpolitik zinssteigernd. In der November-Sitzung hat die Fed die Möglichkeit eines weiteren Zinsschrittes in diesem Jahr bestätigt. Die Marktteilnehmer erwarten fast mit Gewissheit den dritten Zinsschritt im Dezember 2017 – das wäre der fünfte seit der Finanzkrise. Andererseits hat die Fed im Oktober mit dem Bilanzabbau begonnen. Dadurch sendet sie weitere Signale einer strafferen Geldpolitik aus.

Die geplante US-Steuerreform wirkt zusätzlich zinstreibend. Seit das Haushaltsbudget verabschiedet werden konnte, sind auch die Chancen für eine erfolgreiche Durchsetzung der geplanten Reform gestiegen.

Anders die Zinsmärkte in Europa: Sie haben den Zinsanstieg nicht mitgemacht. Die Abkehr von einer Lockerung dürfte hierzulande noch länger auf sich warten lassen. Dies, obwohl die volkswirtschaftlichen Daten dafür sprechen, dass ein höheres Zinsniveau verkraftbar wäre. Einzig eine dynamische Inflationsbewegung bleibt noch aus. 

Die EZB hat Ende Oktober angekündigt, ihre Anleihekäufe zurückzufahren. Ab 2018 wird sie monatlich 30 Milliarden Euro weniger aufkaufen – also die Hälfte des heutigen monatlichen Betrags. Diese Mitteilung wurde vom Markt weitgehend erwartet, die relativ zurückhaltende Rhetorik hat allerdings zu rückläufigen Renditen in Europa geführt.

Außer am US-Zinsmarkt, profitierten die klassischen Anleihesegmente von der zurückhaltenden Zinsbewegung und Wandelanleihen zudem vom Anstieg an den Aktienmärkten.

Fazit

  • Die Fed beginnt langsam, die geldpolitischen Zügel zu straffen.
  • Die EZB halbiert ihre monatlichen Anleihekäufe ab Januar, sie bleibt aber expansiv.
  • Neuer Fed-Vorsitz: Jerome Powell steht für Kontinuität.

Weitere Anlageklassen: Starke Nachfrage nach Industriemetallen

Rohstoffe

Die Erdölpreise konnten sich wie erwartet auf erhöhten Levels halten. Dort werden sie vermutlich noch etwas länger verharren. Erdöl der Sorte Brent kostet aktuell etwa 63 US-Dollar pro Fass, die US-Sorte WTI etwa 57 US-Dollar. Aus OPEC-Kreisen, vor allem von Saudi-Arabien, verdichten sich die Gerüchte über eine Fortführung der Förderkürzungen über den März 2018 hinaus. Auch Russland will Gerüchten zufolge dabei mitziehen. Das entscheidende OPEC-Meeting findet Ende November statt. Preisstützend wirkt gleichzeitig, dass die Lagerbestände an Rohöl in den USA weiterhin rückläufig sind. 

Industriemetalle

Bei den Industriemetallen waren die Preisbewegungen im Oktober uneinheitlich. Während in den vorangehenden Monaten jeweils in der Breite gekauft wurde und dementsprechend die Preise (fast) aller Industriemetalle angestiegen sind, differenzierte der Markt zuletzt deutlich. Besonders gesucht waren Metalle, die mit der Herstellung von Akkus in Verbindung gebracht werden. Aber auch Kupfer stand weiterhin auf dem Einkaufszettel der Investoren. Das Thema Elektromobilität dürfte einzelnen Metallen weiterhin Rückenwind geben. Ein kräftiger Treiber für die Preise aller Industriemetalle ist auch die aktuelle Verfassung der Weltwirtschaft.

Gold

Gold konnte die zwischenzeitlich erreichten Stände von deutlich über 1.300 US-Dollar pro Unze aus der ersten Septemberhälfte nicht verteidigen – der Goldpreis liegt aktuell um 1.275 US-Dollar. Derzeit fehlen klare Signale für Bewegungen in die eine oder andere Richtung. Daher orientiert sich der Goldpreis aktuell recht eng an den US-Realzinsen. Die Dezember-Sitzung der US-Notenbank könnte so ein wichtiger Termin für den Goldpreis werden – im Markt besteht allerdings Konsens über den geplanten Zinsschritt.