Ausblick auf die kommenden Monate

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Newsletter vom 13. April 2017

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Europa und USA mit unterschiedlicher Tendenz

Die Aktienmärkte verharren seit nun gut sechs Wochen in einer Seitwärtsbewegung, insbesondere in den USA und der Schweiz. In Europa bewegen sich die Märkte mit wenig Dynamik in einer leichten Aufwärtstendenz.

Alle Einkaufsmanagerindizes der wichtigen Aktienregionen notieren weiterhin klar in der Expansionszone von über 50 Punkten. Diese maßgeblichen Frühindikatoren für die Konjunkturentwicklung zeigen ein durchwegs optimistisches Bild. Seit Kurzem ist allerdings ein Unterschied zwischen der Bewegungsrichtung im Euroraum und in den USA festzustellen. Der europäische Indikator bewegt sich steil aufwärts, während jener in den USA jüngst ein paar Zähler abgegeben hat (siehe Grafik).

Diese unterschiedliche Entwicklung deutet darauf hin, dass die euphorische Stimmung seit den US-Präsidentschaftswahlen im November abflaut. Dasselbe scheint für den Aktienindex S&P500 zu gelten, der seit der Wahl Donald Trumps auf Rekordstände geklettert ist. Seit der gescheiterten Abschaffung von "Obama Care" Ende März kommen vermehrt Zweifel an Trumps Durchsetzungskraft auf.

Die Marktteilnehmer hoffen weiterhin auf Impulse aus dem Infrastrukturprogramm und den Steuererleichterungen. Je nach Ausgestaltung und Zeitpunkt der Umsetzung dieser Vorhaben dürften die Kurse ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen. Aufgrund der erhöhten Bewertungen besteht aber nach wie vor Korrekturpotenzial.

In Europa erhält der Aktienmarkt konjunkturelle wie auch geldpolitische Unterstützung. Die Wirtschaftserholung setzt sich fort. Die Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank zeigen ihre Wirkung, die sich seit einigen Monaten in den harten Daten Europas niederschlagen. Die EZB wird ihren lockeren Kurs wohl nur langsam zurückfahren.

Mit dem offiziellen EU-Austrittsgesuch Großbritanniens ist zudem ein Unsicherheitsfaktor weggefallen. Die politischen Risiken auf dem zweijährigen Weg aus der EU bleiben aber bestehen.

Ein nächster kritischer Termin steht am 23. April an, wenn in Frankreich der erste Wahlgang zur neuen Präsidentschaft stattfindet. Ein gutes Resultat von Marine Le Pen vom Front National könnte die Marktteilnehmer beunruhigen. Der zweite, endgültige Wahlgang ist am 7. Mai. Die Wahlchancen von Le Pen werden allgemein als niedrig eingeschätzt. Aber 2016 hat uns gelehrt, dass bei Präsidentschaftswahlen mit Unerwartetem zu rechnen ist.

Fazit

  • Seitwärts tendierende Märkte und regionale Diskrepanz
  • Globale Wirtschaftserholung weiterhin intakt
  • Wahlen in Frankreich stehen unmittelbar bevor
Lagebeurteilung: Europa und USA mit unterschiedlicher Tendenz
Die Einkaufsmanagerindizes für die Welt, die USA und die Eurozone liegen deutlich über der Expansionsmarke von 50 Punkten. Sie entwickeln sich allerdings unterschiedlich.

Aktien: Politik ist nach wie vor das prägende Element an den Märkten

Die Aktienmärkte befinden sich seit Ende Februar in einer Seitwärtsbewegung. Damit ist eine nennenswerte Korrektur bisher ausgeblieben, was die fundamental solide Verfassung der Märkte unterstreicht.

Das Scheitern der Gesundheitsreform in den USA ist ein wichtiges Signal für die Durchsetzungsfähigkeit von der Regierung Trump. Die Investoren fragen sich, ob, wie und wann Präsident Trump seine wirtschaftspolitische Agenda umsetzen kann. Auf das Scheitern der Aufhebung von "Obama Care" haben die Märkte relativ gelassen reagiert. Jetzt stehen die Steuerreform, Deregulierungen und Handelsverträge im Fokus. Enttäuschungspotenzial ist vorhanden, zumal das Bewertungsniveau am US-Aktienmarkt hoch ist.

Europa wirkt attraktiver. Die anstehenden europäischen Wahlen haben nicht nur Risiken. Sollten die rechtspopulistischen Parteien nicht den erwarteten Zulauf erzielen, dürften Europa und die europäischen Märkte gestärkt aus den Wahlen hervorgehen.

Auch die Stimmung am Schweizer Aktienmarkt ist weiterhin positiv. Er erreichte im März mehrmals einen Jahreshöchststand. Die immer höhere Bewertung mahnt aber auch hier zur Vorsicht.

Aus charttechnischer Sicht hat der Weltaktienindex MSCI World bei 1830 Punkten eine kurzfristig relevante Unterstützung gebildet. Die Performance der zyklischen Marktsegmente verbesserte sich in den letzten Tagen, wobei das Bild über die einzelnen Sektoren relativ heterogen ist.

Wenn sich die Situation auf Sektorebene stabilisiert und die Zykliker eine neue Phase der Outperformance einläuten, könnte der Weltaktienindex seinen Aufwärtstrend ohne kurzfristigen Rücksetzer fortsetzen. Sollte der Markt jedoch in den nächsten Wochen die Unterstützung um 1830 Punkte unterschreiten, wäre mit einem kurzen Taucher unter 1800 Punkte zu rechnen. 

Fazit

  • Aktienmärkte seit Anfang März in Seitwärtsbewegung.
  • In Europa verstärken sich die positiven Impulse.
  • Die hohe Bewertung in den USA und der Schweiz spricht gegen weitere starke Kurssteigerungen. 

Zinsen: Auf globaler Ebene wieder rückläufig

Seit Mitte März sind die Zinsen in Deutschland, in Europa und in den USA rückläufig. Treiber für diesen Zinsrückgang sind die weniger ausgeprägten Hinweise der US-Notenbank, die Geldpolitik weiter zu straffen, sowie eine höhere Risikoaversion unter den Marktteilnehmern. Anleger suchen wieder vermehrt sicherere Anlagen wie Anleihen. Diese erhöhte Nachfrage drückt auf die Zinsen.

Am deutlichsten ist der Zinsrückgang in den USA. Zweifel an der erfolgreichen Umsetzung von Trumps Agenda wirkten sich dämpfend auf die Zinsentwicklung aus. Auslöser war das Scheitern der Gesundheitsreform. Es wird als Zeichen zur möglicherweise schwachen politischen Durchsetzungskraft Trumps gedeutet. Ausbleibende Fiskalimpulse aus den weiteren Programmen würden das Reflationsszenario in Frage stellen.

In Deutschland notieren die Renditen bei zehnjährigen Staatsanleihen bei knapp über 0 %, nachdem Sie zwischenzeitlich sogar auf fast 0,5 % pro Jahr gestiegen waren.  Die EZB belässt ihre Geldpolitik unverändert, stellt aber einen verbesserten Konjunkturausblick in Aussicht. Sie könnte schon im Sommer die Reduktion ihrer per Ende Jahr auslaufenden Anleihenkäufe ankündigen.

Nachdem die Fed an der März-Sitzung den Leitzins um 25 Prozentpunkte erhöht hat, gehen die Marktteilnehmer vom nächsten Schritt im Juni aus. Für das Gesamtjahr ist mit zwei bis drei weiteren Leitzinsanhebungen zu rechnen. Zusätzlich könnte auch die Bilanz der Notenbank reduziert werden.

Die Anleihenkurse profitierten vom globalen Zinsrückgang. Das Segment der Unternehmensanleihen behauptet sich besser als die Staatsanleihen. Auch die Kurse von Hochzinsanleihen entwickelten sich gut, als Folge der stabilen Ölpreise und des positiven Umfelds für US-Unternehmen. Wandelanleihen entwickelten sich etwas schwächer als klassische festverzinsliche Anleihen, verzeichneten aber trotzdem eine positive Gesamtrendite.

Fazit

  • Die Zinsen sinken wieder in allen wichtigen Anlageregionen.
  • EZB belässt ihre Geldpolitik unverändert.
  • Für 2017 werden zwei weitere Zinsschritte in den USA erwartet.

Weitere Anlageklassen: Verbesserte Wirtschaftslage führt zu Rohstoffnachfrage

Rohstoffe: Nach dem Zinsschritt in den USA stieg der Goldpreis wegen der erneut gesunkenen Realzinsen und bei tiefer Volatilität. Das Bedürfnis nach Sicherheit – und damit Gold – war Anfang April am größten. Der Militärschlag der USA gegen Syrien trieb den Preis einer Unze auf über 1270 US-Dollar.

Diese Kursreaktion deckt sich mit unserer Einschätzung, dass (geo-)politische Unsicherheiten aktuell der größte Treiber für den Goldpreis sind. Auf fundamentaler Seite spricht wenig für einen weiteren Preisanstieg. Ein Risiko für den Goldpreis wäre eine unerwartet rasche Zinsstraffung in den USA.

Industriemetalle profitieren weiterhin von der verbesserten globalen Wirtschaftslage. Das Angebot kann die Nachfrage nicht oder nur knapp decken, was zu einem fortlaufenden Lagerabbau führt. Die Aufhebung des Exportverbots für Nickel in Indonesien führte zu einer volatilen Preisfindung dieses Metalls. Insgesamt schätzen wir die weitere Entwicklung der Industriemetalle als positiv ein.

Der Preis für ein Fass Erdöl der Sorte Brent fiel aufgrund weiter gestiegener Lagerbestände und einer höheren Produktion in den USA zeitweise unter 50 US-Dollar. Er erholte sich erst, als einige OPEC-Mitglieder eine Verlängerung der Produktionsdrosselung signalisierten.

Der US-Militärschlag und Produktionsausfälle auf dem größten libyschen Ölfeld führten zu einem weiteren Preisanstieg. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent liegt wieder am oberen Ende der von uns als fair definierten Bandbreite von 45 bis 55 US-Dollar.