Ausblick auf die kommenden Monate

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Newsletter vom 17. März 2017

Wie entwickeln sich Konjunktur, Aktien- und Anleihemärkte und Währungen in den kommenden Monaten? Chief Investment Officer Rolf Biland beurteilt die Lage.

Die Themen dieser Ausgabe:

Lagebeurteilung: Wie stark strafft die US-Notenbank ihre Geldpolitik?

Die risikofreundliche Anlegerstimmung hält an. Nachdem die wichtigsten Aktienmärkte im Februar allesamt positiv geschlossen hatten, legten der deutsche und amerikanische Aktienmarkt  seit Anfang März eine Verschnaufpause ein.

Am 28. Februar hat Donald Trump erstmals vor dem US-Kongress gesprochen. Die Marktteilnehmer hatten im Vorfeld auf Einzelheiten zur Umsetzung des Politprogramms gehofft. Trump hat seine Wahlversprechen zwar bestätigt, blieb jedoch viele Details schuldig. Seither zeigt der US-Leitindex S&P 500 wenig Dynamik.

Die starke Entwicklung der zyklischen Aktien in den USA und in Europa hält seit Juni 2016 an. Die konjunktursensitiven Unternehmen profitieren vom stärkeren Wirtschaftswachstum und werden von den wirtschaftsfreundlichen Absichten Donald Trumps zusätzlich angetrieben. Die Grafik zeigt die jüngste Outperformance dieses Marktsegmentes im Verhältnis zur Kursentwicklung von Unternehmen aus defensiven Sektoren.

Trumps Rede und zahlreiche Wortmeldungen von Notenbankern haben die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung im März geprägt. Mehrere Fed-Mitglieder haben in ihren Reden zum Ausdruck gebracht, dass sie eine baldige Zinserhöhung für angebracht halten. Fed-Chefin Yellen sagte, dass ein Zinsschritt im März “wahrscheinlich angebracht“ sei.

Ein Zinsschritt wird vom Markt erwartet. Die letzte Bestätigung lieferte ein erneut starker Arbeitsmarktbericht Mitte März. Bereits jetzt beginnt das Rätselraten um Zeitpunkt und Häufigkeit der nächsten Leitzinsschritte.

Auch die EZB deutet in ihrem Ausblick eine Normalisierung der Geldpolitik an. Der Inflationsanstieg in der Eurozone hatte in den letzten Wochen zu Diskussionen um einen strafferen geldpolitischen Kurs geführt. Ein Großteil der Inflation dürfte zwar dem Basiseffekt des Ölpreises zuzuordnen sein. Doch Europas Wirtschaft zeigt klare Stabilisierungszeichen.

Es scheint, dass die Lockerungsmaßnahmen der EZB ihre Wirkung entfalten. Am EZB-Meeting Anfang März wurde auch keine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms beschlossen. Im Gegenteil, Mario Draghi sieht keine Notwendigkeit für weitere Lockerungsmaßnahmen, sollte sich das Hauptszenario einer nachhaltigen Wirtschaftserholung bestätigen.
 
Dem positiven Wachstums- und Inflationsausblick stehen die politischen Risiken in Europa gegenüber. Die diesbezügliche Verunsicherung schlägt sich derzeit hauptsächlich in den Risikoaufschlägen (Spreads) europäischer Staatsanleihen nieder wie jenen von Frankreich oder Italien.

Die Schweizerische Nationalbank SNB tagt am 16. März. Eine Abkehr von der bisherigen Politik wäre ebenso überraschend wie eine weitere Senkung des Negativzinses. Denn der SNB ist es gelungen, die Aufwertung des Schweizer Frankens in Grenzen zu halten. Dies war allerdings nur dank massiven Deviseninterventionen zu bewerkstelligen. Sollte es zu einer Entspannung in der europäischen Politik kommen, dürfte dies die SNB deutlich entlasten.

Fazit

  • Notenbanken wenden sich allmählich einer strafferen Geldpolitik zu.
  • Frühindikatoren untermauern die Erholung der globalen Wirtschaft.
Zyklische und defensive Aktien
Relative Outperformance von zyklischen gegenüber defensiven Aktien (Januar 2016=100).

Quelle: Vanda Securities

Aktien: Konjunktur zeigt Stärke – Kursniveaus zeugen von hohen Erwartungen an Trump

Das vorteilhafte Bild der globalen Konjunktur bestätigt sich. Die Inflation nähert sich moderat dem Ziel der Zentralbanken. Die Kurse von US-Aktien scheinen aber hohe Erwartungen an die wirtschaftspolitischen Impulse der neuen US-Regierung zu spiegeln.

Dank einer starken Performance der IT- und Gesundheitstitel hat der Weltaktienindex MSCI World im Februar ein neues Allzeithoch erzielt. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob sich der Markt auf diesem höheren Niveau behaupten und weiteres Aufwärtspotenzial erschließen kann.

Führt eine kurzfristige Konsolidierung den Weltaktienindex nicht unter die Ausbruchstelle um 1815 Punkte zurück, ist das als weiteres Indiz für ein positives Aktienszenario zu werten. Dennoch dürften erst mit einem Revival der zyklischen Marktsegmente nochmals nachhaltig höhere Kurse zu erreichen sein.

Mit der Rekordjagd der US-Aktien hat der deutsche Aktienmarkt angezogen. Neben den großkapitalisierten Unternehmen bestätigt sich weiterhin die Attraktivität von klein- und mittelkapitalisierten Firmen, die in Ihren jeweiligen Nischen erfolgreich sind.

Fazit

  • Inflation zieht weiter an, was für Aktienanlagen vorteilhaft ist.
  • Klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen überzeugen während der Gewinnsaison.
  • Die Bewertung des US-Aktienmarktes spiegelt viel Hoffnung auf "Trumponomics".

Zinsen: Marktteilnehmer blicken bereits über einen März-Zinsschritt hinaus

Der Aufwärtsdruck auf die Zinsen hat sich in allen Regionen verstärkt. Nach der eher verhaltenen Zinsbewegung zu Jahresbeginn sind die Zinsen jetzt vor allem in den USA gestiegen. Wie in den USA akzentuiert sich der Inflationsanstieg auch in Europa. Die Schweiz macht einen Teil des Zinsanstieges mit und 10-jährige Staatanleihen überschreiten Mitte März erstmals seit Herbst 2015 wieder die Nullprozentmarke. In Deutschland liegen die Zinsen mittlerweile bei 0,4 Prozent pro Jahr für die 10-jährige deutsche Staatsanleihe.

An einem US-Zinsschritt am 15. März besteht kein Zweifel mehr. Die Fed hat die Märkte darauf vorbereitet. Der anhaltende Inflationsanstieg und die soliden Arbeitsmarktdaten für den Februar stützen diesen Schritt zusätzlich.

In Europa beginnt sich ebenfalls eine Normalisierung der Geldpolitik abzuzeichnen. Am EZB-Meeting letzte Woche hat Mario Draghi gesagt, dass eine Ausweitung der Lockerungsmaßnahmen kaum mehr nötig sein wird. Die EZB sieht weniger Risiken für die Wirtschaft. Das reale BIP-Wachstum in der Eurozone ist auch auf 1,8 Prozent nach oben revidiert worden und der Inflationsausblick ist mit 1,7 Prozent nun deutlich höher als noch im Dezember. Das fehlende Lohnwachstum verhindert derzeit aber eine unmittelbare geldpolitische Straffung.

Auch die SNB wird Ende der Woche wohl ihre Geldpolitik unverändert lassen. Der Fokus bleibt auf der Kontrolle der Schweizer-Franken-Aufwertung mittels Deviseninterventionen.


Der Zinsanstieg der letzten Wochen belastet Staats- und Unternehmensanleihen vor allem in den USA.

Hochzins- und Wandelanleihen gehören zu den Gewinnern und erzielen Kursgewinne dank der freundlichen Stimmung.

Fazit

  • Die Zinsanstiege an den Kapitalmärkten ergreifen nun alle drei Hauptregionen USA, Europa und die Schweiz.
  • Die EZB sieht deutlich weniger Notwendigkeit für Lockerungsmaßnahmen.
  • Dritter US-Leitzinsschritt seit der Finanzkrise steht unmittelbar bevor.

Rohstoffe: Gold leidet unter Zinserhöhungen

Rohstoffe: Gold vermochte in den letzten Wochen nicht an den starken Kursanstieg vom Jahresbeginn anzuknüpfen. Getrieben durch die Gewissheit auf einen weiteren Zinsschritt im März und die dadurch höheren Realzinsen, ist der Goldpreis pro Unze teilweise unter die wichtige Marke von 1.200 US-Dollar gerutscht. Exakt das gleiche Bild hat sich auch vor den letzten beiden Zinsschritten in den USA abgespielt, wobei die Zinserhöhung selbst jeweils einen erneuten Wendepunkt darstellte.

Der Goldpreis dürfte sich weiterhin tendenziell seitwärts bewegen. Es fehlen fundamentale Treiber, die Nachfrage auf dem physischen Goldmarkt bleibt verhalten und die Fördermengen zeigen sich solide. Ein Preis um die 1.200 US-Dollar pro Unze scheint angemessen.

Bei den Industriemetallen hat sich an der positiven Einschätzung nichts geändert. Die Datenlage deutet auf eine Belebung der globalen Wirtschaft, was wiederum die Nachfrage nach Industriemetallen stützt. Da das Angebot aufgrund der langen Investitionszyklen von Bergbauunternehmen nur langsam erhöht werden kann, dürfte das bei vielen Metallen vorherrschende Angebotsdefizit weiter Bestand haben und sich positiv auf die Rohstoffpreise auswirken.

Nach dem Kursanstieg in Folge der Drosselung der Fördermengen durch die Opec bewegte sich der Preis für ein Fass Rohöl in einem Band zwischen 55 und 58 US-Dollar. Anfang März begannen die Kurse tiefer zu tendieren. Höher als erwartet ausgefallene Produktionsdaten in den USA und ein erneuter Anstieg der dortigen Lagerbestände, die sich bereits auf einem Allzeithoch befinden, haben den Preis belastet.

Wir gehen indes nicht davon aus, dass die US-Schieferölproduzenten kurz- bis mittelfristig in der Lage sind, die komplette Kürzung der Opec-Förderung zu kompensieren. Daher dürfte der Preis für Rohöl, auch dank der weiterhin soliden Nachfrage, in einem Band von 45 bis 55 US-Dollar gut abgestützt sein.