Geldanlagen

Wie Anleger Krisen trotzen

Steigende Inflation, Ukraine-Krieg, Corona: Viele Anleger haben Angst um ihr Geld und wollen keine Fehler machen. Die Experten des VZ geben Antworten auf wichtige Fragen.

Alexander Wunder

Anlageexperte

Die Inflation scheint längerfristig hoch zu bleiben und sogar weiter zu steigen. Wie kann ich mich am besten dafür rüsten?

Mit Festgeld und Sparguthaben erzielen Sie real nur noch Verluste. Sie müssen sich deshalb nach Alternativen umsehen. Staatsanleihen mit langen Laufzeiten sind nicht das Wahre, denn bei steigenden Zinsen drohen hohe Verluste. Auch Immobilienpreise dürften unter Druck geraten, wenn die Zinsen wieder steigen.

Gerade in solchen Situationen ist es gut, auch in Aktien investiert zu sein. Aktien unterliegen zwar Wertschwankungen sowie Verlust- und ggf. auch Fremdwährungsrisiken. Doch auf Dauer erzielen Anleger mit Aktien und ETFs eine Rendite, die die Inflation in den meisten Phasen locker schlägt. Wichtig ist, dass man die Wertpapiere breit streut und mindestens 10 bis 15 Jahre am Ball bleibt.

Tipp: Möchten Sie in ETFs einsteigen oder mehr aus Ihrem Depot herausholen? Im kostenfreien Leitfaden „Erfolgreich Geld anlegen mit ETFs“ erfahren Sie alles Wichtige dafür.

Ob und inwiefern die Europäische Zentralbank (EZB) 2022 den Leitzins erhöht, bleibt ungewiss. Welche Auswirkungen hätte eine geldpolitische Wende für meine Geldanlagen? Kriege ich endlich wieder Zinsen auf dem Sparkonto?

Merkblatt

Anlegen im Niedrigzinsumfeld: Das Wichtigste in Kürze

Die Zinsen sind so niedrig wie noch nie. Für viele Privatanleger steht daher der Vermögenserhalt nach Inflation im Vordergrund.

Schön wär‘s! Steigt der Leitzins, machen sich Sparer Hoffnungen, bald auch wieder mehr Zinsen auf Spar-, Tages- und Festgeldkonten zu bekommen. Derzeit müssen Geldinstitute aber selbst für ihre Einlagen bei der EZB Negativzinsen von -0,5 Prozent bezahlen. Ringt sich die EZB eines Tages zu Zinserhöhungen durch, werden diese sehr verzögert an die Bankkunden durchgereicht. Fraglich ist, ob Sparer frühere Zinssätze von 2 bis 3 Prozent jemals wiedersehen werden. Es lohnt sich nicht, darauf zu warten.

Tipp: Sparkonten dienen heute lediglich als Aufbewahrungsort für Liquidität, die jederzeit schnell verfügbar sein soll. Empfehlenswert sind drei bis sechs Monatsgehälter, plus eingeplante Gelder für größere Anschaffungen. Ihr übriges Vermögen sollten Sie renditestärker anlegen.

Ich bin nach dem Corona-Crash im Frühjahr 2020 eingestiegen und kenne nur steigende Kurse. Jetzt gehen die Aktien auf Talfahrt. Was sollte ich jetzt tun?

Nichts – abwarten und investiert bleiben – sofern die Anlagestrategie grundsätzlich stimmt. Wer zu Tiefstkursen eingekauft hat, ist heute selbst mit größeren Wertschwankungen in der Regel noch weit im grünen Bereich. Wer seitdem regelmäßig nachgekauft hat, zum Beispiel einmal pro Monat für einen bestimmten Betrag, der kann sich über einen günstigen Durchschnittskurs freuen. Erfolgversprechend ist die Börse für langfristig orientierte Investoren, die auch Krisen durchstehen können.

Tipp: Aktienanlage ist kein Kinderspiel. Welche Unternehmen in Zukunft Erfolg haben werden, lässt sich nicht immer genau absehen. Erfolgversprechender und sicherer ist es, auf ein intelligent zusammengestelltes, breit diversifiziertes Portfolio zu setzen.

Informieren Sie sich jede Woche über die neuesten Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Aktuell ist es höchst unklar, wie es mit Russland und dem Ukraine-Krieg sowie der Corona-Pandemie weitergeht, und welche Auswirkungen beides auf die globalen Märkte hat. Wie kann ich mich als Anleger mittel- bis langfristig darauf einstellen bzw. wie sollte ich mein Portfolio ausrichten?

Ihre persönliche Anlagestrategie richtet sich nicht nach Krisen und Unwägbarkeiten, auch wenn diese kurzzeitig starke Einflüsse aufs Depot haben können. Die Anlagestrategie hängt rein von Ihrer Risikotragfähigkeit und Ihrer Risikobereitschaft ab. Die Risikotragfähigkeit besagt, in welchem Zeitraum welche Teile des Vermögens benötigt werden. Die Risikobereitschaft drückt aus, wie gut man vorübergehende Kursverluste verkraftet.

Tipp: Können Sie gut mit temporären Verlusten umgehen, können Sie den Teil Ihres Vermögens, den Sie 10 Jahre oder länger nicht benötigen, in Aktien anlegen.

Der Goldpreis geht durch die Decke, soll ich da noch einsteigen?

Gold gilt als Krisenwährung, und so ist es kein Wunder, dass der Goldpreis in den letzten Wochen zeitweise stark gestiegen ist. Ähnlich war es zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 (siehe Grafik). Doch Höchststände sind selten von Dauer, und in "normalen Zeiten" sieht der Goldkurs viel weniger Bewegung.

Anleger haben es schwer, mit Gold die Inflation auszugleichen, geschweige denn reale Zuwächse zu erzielen. Erstens wirft Gold keine Zinsen ab, und zweitens sind die Kosten nicht zu vernachlässigen, für die Aufbewahrung und die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis. Wertzuwächse auf physisches Gold sind aber steuerfrei, wenn es länger als ein Jahr gehalten wird.

Tipp: Auf lange Sicht lassen sich mit Gold keine attraktiven Renditen erzielen. Als Vermögensbestandteil sollte es eher eine Nebenrolle spielen.

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