Geldanlagen

Warum Analysten mit ihren Börsenprognosen meist falsch liegen

Um die Jahreswende publizieren viele Banken einen Ausblick auf die kommenden Monate. Anleger sollten sich davon nicht allzu sehr beeinflussen lassen. Am besten fährt, wer an seiner Strategie festhält.

Michael Ausfelder

Analyst

Die einen Finanzinstitute hängen ihre Prognosen an die große Glocke, andere machen es etwas diskreter. Aber um eine klare Aussage, wie die eigenen Strategen und Anlagechefs die Lage an den Märkten für die kommenden zwölf Monate einschätzen, kommt kaum mehr eine Bank herum. Denn zum einen erwarten das viele Kunden und zum anderen bekommen die Finanzhäuser damit viel Aufmerksamkeit in den Medien: Zeitungen und Fachzeitschriften nehmen solche Prognosen dankbar auf.

DAX-Schätzung zwischen 15.000 und 18.000 Punkten

So werden auch dieses Jahr Prognosen abgegeben, auf welchem Stand der Deutsche Aktienindex (DAX) am Jahresende steht. Laut Handelsblatt liegen dabei die Schätzungen zwischen 15.000 und 18.000 Punkten. Je nach Bank wird 2022 daher ein starkes oder ein maues Börsenjahr. Im Schnitt erwarten die Anlagestrategen zum Jahresende einen Indexstand von 17.068 Punkten. Das wären immerhin rund 7 Prozent mehr als aktuell: Derzeit notiert der Dax bei knapp 16.000 Zählern.

Factsheet

Depotberatung: Expertenwissen nutzen, erfolgreich anlegen

Immer mehr Anleger, die ihre Wertpapiere selbst verwalten, lassen sich dabei im Rahmen der Depotberatung von Experten unterstützen. 

Allerdings zeigt ein Blick auf das vergangene Jahr, wie schwierig solche Prognosen sind: Vor einem Jahr hatten die meisten Banken dem DAX deutlich weniger zugetraut als er dann erreichte: Alle damals vom Handelsblatt befragten Banken erwarteten den DAX zum Jahresende 2021 zwischen 14.000 und 15.000 Punkten. Tatsächlich stand der deutsche Leitindex Ende Dezember 2021 bei 15.885 Punkten – ein stolzer Zuwachs von fast 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hatte keiner der Anlagestrategen gerechnet.

Meteorologen bei Prognosen deutlich erfolgreicher

Das wirft Fragen auf. Warum ist die Prognosefähigkeit der Anlagestrategen so bescheiden, obwohl die Finanzanalyse in den vergangenen Jahrzehnten mit riesigem Aufwand verfeinert worden ist mit dem Ziel, die Qualität der Prognose zu verbessern? Warum werden Anleger immer wieder von Börsencrashs oder von Kursfeuerwerken überrascht? Zugleich machen in anderen Disziplinen Vorhersagen erkennbare Fortschritte. Die Meteorologie beispielsweise ist heute in der Lage, auf eine Woche hinaus recht präzise Prognosen zu machen. Vor 20 oder 30 Jahren waren Wettervorhersagen von solch hoher Qualität wie heute undenkbar.

Die Antwort auf diese Fragen ist im Grunde einfach. Es ist der Mensch, der den komplexen Modellen der Wirtschaftswissenschaftler immer wieder einen Streich spielt. Die Mehrheit der Ökonomen geht bis heute fälschlicherweise davon aus, dass der Mensch stets rationale Investitionsentscheidungen trifft und sich nicht von seinen Emotionen leiten lässt. Ein fataler Irrtum, der viele Anlagestrategen dazu verleitet, die Kursentwicklung mit mathematischen Methoden vorherzusagen. Doch Erfolg ist hier reine Glückssache.

Die vz news informieren viermal jährlich über aktuelle Finanzthemen.

Verhalten der Anleger ist unberechenbar

Im Unterschied zur Meteorologie und zu anderen Naturwissenschaften beeinflusst der Mensch mit seinem oft irrationalen Verhalten die Entwicklungen an den Finanzmärkten direkt. Seine unberechenbaren Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf die Aktienkurse aus. Die klassische Finanzmarkttheorie berücksichtigt diese Erkenntnis bis heute allerdings kaum.

Merkblatt

So finden Sie die richtige Anlagestrategie

Die individuelle Anlagestrategie ist der entscheidende Faktor für den Erfolg von Geldanlagen.

Deshalb sollten Anleger Prognosen als das betrachten, was sie sind: Momentaufnahmen, die schon schnell wieder überholt sein können. Auf die Aktualität übertragen heißt das: Unvorhersehbare Einflüsse wie etwa eine neue Virusvariante, eine plötzlich zurückgehende Teuerungsrate in den USA oder eine sich unerwartet ändernde Geldpolitik der Notenbanken können das Marktumfeld derart verändern, dass sämtliche Prognosen vom Jahresbeginn sofort stark überarbeitet werden müssten.

Anleger sollten an ihrer Strategie festhalten

Anleger fahren daher am besten, wenn sie an ihrer strategischen Positionierung festhalten, anstatt sie jedes Jahr von neuem aufgrund von Prognosen anzupassen. Für Anleger mit einem langen Anlagehorizont fällt es dann auch nicht ins Gewicht, wenn die Börsen in einem Jahr mal nicht so gut abschneiden. Auf lange Sicht nämlich hat sich der breite Aktienmarkt in der Vergangenheit fast immer nach oben entwickelt.

Weitere Informationen: Depot-Check

Mit einem kostenfreien Depot-Check beim VZ VermögensZentrum können Sie feststellen, ob Ihr Depot sinnvoll zusammengestellt ist. Denn mit einem breit aufgestellten Portfolio ist man an der Börse auch für 2022 gut gerüstet – unabhängig davon, was die Finanzauguren prophezeien.