Geldanlagen

Von Kursrücksetzern an der Börse nicht verunsichern lassen

Die angekündigte Zinswende in den USA, die hohe Inflation, das Omikron-Virus und der Ukraine-Konflikt haben die Aktienmärkte im Januar stark belastet. Doch wer einen langfristigen Anlagehorizont hat, muss sich keine Sorgen machen. In der Vergangenheit haben sich solche Rückschläge sogar häufig als günstige Einstiegsgelegenheiten herausgestellt.

Michael Ausfelder

Analyst

Anleger brauchen derzeit starke Nerven. Die Kurse vieler Aktien haben zuletzt deutlich nachgegeben. Wichtigster Grund: In den USA bahnt sich eine Zinswende an. Die US-Notenbank Fed hat angedeutet, dass sie den Leitzins in diesem Jahr mehrmals erhöhen wird, um die Inflation zu bekämpfen. Denn höhere Zinsen entziehen der Wirtschaft Liquidität. Es werden weniger Kredite nachgefragt und das bremst den Preisanstieg – so zumindest die Theorie.

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Technologiewerte besonders unter Druck

Höhere Zinsen bedeuten aber auch: das Wirtschaftswachstum wird gedämpft. Zudem werden dadurch Anleihen wieder attraktiver. Beides belastet die Aktienmärkte. Besonders heftig unter Druck geraten sind viele Technologiewerte. Beobachter begründen das folgendermaßen: Technologiefirmen sind Wachstumsunternehmen. Im Börsenkurs stecken eine Menge Zukunftserwartungen. In Erwartung steigender Zinsen gestehen die Investoren den Tech-Firmen aber nicht mehr so hohe Bewertungen zu wie noch vor wenigen Wochen, weil Zinspapiere als Anlagealternative dann relativ gesehen wieder an Attraktivität gewinnen.

Die hohen Infektionszahlen durch die Corona-Variante Omikron und der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine haben ihr Übriges getan und die Aktienmärkte ebenfalls verunsichert. Womöglich entstand ein Dominoeffekt. Denn unterschreiten die Kurse von bestimmten Aktien gewisse von Händlern gesetzte Marken, löst das automatische Verkaufsprogramme aus – wodurch die Kurse weiter sinken. Viel spricht dafür, dass auch diesmal solche Programme ausgelöst wurden.

Verluste sind oft nur eine Momentaufnahme

Die Erfahrungen der Vergangenheit lehren allerdings: Wer in Phasen wie diesen verkauft, begeht häufig einen großen Fehler. Denn meistens erholen sich die Märkte relativ schnell wieder von solchen Schwächeanfällen. Jüngstes Beispiel: Der Corona-Schock im März 2020. Innerhalb von nur vier Wochen stürzte der Deutsche Aktienindex (DAX) um fast 40 Prozent ab – nur, um sich anschließend fast ebenso rasant wieder zu erholen. Zum Jahresende 2020 hatte der DAX die Verluste nicht nur wieder aufgeholt, sondern sogar neue Höchststände markiert.

Zinserhöhungen haben Aktienkurse mittelfristig nicht belastet

Das Ereignis war zwar besonders spektakulär, aber alles andere als ein Einzelfall. Das zeigen Auswertung, wie sich die wichtigsten Zinserhöhungsphasen der Vergangenheit auf die Kursentwicklung des breit gefassten US-Aktienindex S&P 500 ausgewirkt haben. Das Ergebnis: in elf von zwölf untersuchten Zinserhöhungsphasen sind die Aktienkurse in der Summe gestiegen. In nur einen einzigen dieser Zeiträume kam es per Saldo zu Kursverlusten (siehe Grafik).

Andere Untersuchungen zeigen: Mehr als die Hälfte ihres Jahreszuwachses erzielten DAX, S&P 500 und andere wichtige Indizes in der Vergangenheit meist an nur wenigen Handelstagen. Wer an der Börse also die entscheidenden guten Tage verpasst, der läuft Gefahr, sich die Performance für das ganze Jahr verhageln zu lassen.

Gute Gelegenheit zum Einstieg

Die jüngsten Kursverluste an den Aktienmärkten könnten sogar – wie es in der Vergangenheit häufig der Fall war ­– eine Gelegenheit sein, günstig einzusteigen oder zu attraktiven Kursen weiteres Geld in Aktien zu investieren. Das gilt umso mehr für Anleger, die größere Beträge auf Tages- oder Festgeldkonten liegen haben. Denn dieses Geld bringt heute so gut wie keine Zinsen ein. Viele Banken berechnen dafür sogar Strafzinsen. Daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern. Denn in der Eurozone ist von steigenden Leitzinsen noch nicht die Rede. Und selbst wenn die EZB die Leitzinsen irgendwann anhebt, dürfte es eine ganze Weile dauern, bis sich das positiv auf die Sparzinsen auswirkt.

Eine Garantie auf Kursgewinne gibt es an der Börse nie. Aber auf lange Sicht haben sich Aktien als die Anlageklasse erwiesen, die Privatanlegern die höchsten Erträge einbrachte. Wenden Sie sich an einen Experten in einem VZ VermögensZentrum in Ihrer Nähe. Dieser entwickelt gern ein auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes Anlagekonzept und berücksichtigt dabei selbstverständlich Ihre individuelle Risikotragfähigkeit.