Geldanlagen

"Sell in May and go away": Stimmt die alte Börsenweisheit?

An den Börsen droht im Sommer eine Durststrecke, behauptet die bekannte Börsenweisheit. Doch stimmt das wirklich? Ist es sinnvoll, im Mai Aktien zu verkaufen und erst im September wieder an der Börse einzusteigen?

Michael Ausfelder

Analyst

Im Frühjahr sollte man sich von seinen Aktien trennen und erst im Herbst wieder einsteigen. Zumindest glauben das Anleger, die sich an der Börsenweisheit orientieren: "Sell in May and go away, but remember to come back in September." – "Verkaufe im Mai und gehe, aber vergiss nicht, im September zurückzukehren". Das Vorgehen, Aktienpositionen im Mai zu verkaufen und erst vier Monate später wieder zurückzukaufen, soll die Depot-Rendite verbessern, weil die Kurse im Sommer oft nachgeben.

Keine verlässliche Aussagekraft

Doch lohnt sich für Privatanleger eine solche Strategie wirklich? Fakt ist: Historisch gesehen gibt es tatsächlich einen saisonalen Unterschied an der Börse. In den Monaten September bis Ende April läuft es, statistisch gesehen, für Aktien besser als zwischen Mai und Ende August. Doch die Unterschiede sind relativ gering und sind nur Durchschnittswerte. (siehe Grafik). Anleger können sich nicht darauf verlassen, dass es immer so kommt. Es hat auch schon Jahre gegeben, in denen die Aktienmärkte im Frühjahr und Sommer stark gestiegen sind. 2020 zum Beispiel kam es im Februar/März zum Corona Crash. Anschließend erholten sich die Kurse bis Ende September kräftig, ehe sie im Oktober zwischenzeitlich wieder deutlich nachgaben. 

Psychologisches Risiko

Das Depot im Mai zu leeren, bringt also auf Dauer kaum Vorteile, ist aber mit einem hohen Risiko psychologischer Natur verbunden: Es besteht nämlich die Gefahr, dass man im September nicht wieder einsteigt, wenn die Aktien dann wider Erwarten doch teurer sind als zu dem Zeitpunkt, zu dem man sie im Mai verkauft hat. Dann bleibt man womöglich dauerhaft vom Aktienmarkt fern – und verzichtet auf die Chance, sich ein Vermögen aufzubauen.

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Tipp: Hören Sie nicht auf Börsenfloskeln. Erfolgversprechender sind regelbasierte Anlagestrategien wie Rebalancing oder Trendfolge-Modelle. Sie verhindern falsches Timing sowie emotionale Anlageentscheidungen und reagieren stark auf das Börsengeschehen – das senkt Verlustwahrscheinlichkeiten und stärkt die Renditeaussichten.

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