Geldanlagen

Nicht von der Dividende blenden lassen

Im Frühjahr schütten viele Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne an ihre Aktionäre aus. Viele Anleger nehmen das zum Anlass, nach dividendenstarken Aktien Ausschau zu halten. Prinzipiell ist das eine gute Idee. Allerdings kann eine sehr hohe Dividendenrendite auch ein Alarmsignal sein.

Moritz Fleischmann

Anlageexperte

Dividenden sind der neue Zins, lautet ein geflügeltes Wort, das in der Niedrigzinsphase entstanden ist. Tatsächlich ist einiges dran an dieser Formulierung. Denn während mit sicheren Staatsanleihen und Festgeldangeboten kaum mehr etwas für Anleger zu holen ist, schütten viele Unternehmen nach wie vor üppige Dividenden an ihre Aktionäre aus. Im Deutschen Aktienindex DAX zum Beispiel betrug die durchschnittliche Dividendenrendite im vergangenen Jahr knapp 3 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte sie ähnlich hoch ausfallen.

Vorsicht: Kursstürze können die Dividendenrendite steigern

Also einfach das gesamte Kapital in dividendenstarke Aktien investieren? Das kann auch schiefgehen. Denn eine hohe Dividende ist noch kein Qualitätsausweis für ein Unternehmen. Sie kann sogar trügerisch sein.

Merkblatt

Kleine Unterschiede: So holen Sie mehr aus Ihren Anlagen

Auch bei der Geldanlage gilt die altbekannte Kaufmannsregel: "Im Einkauf liegt der Gewinn".

Ein drastisches Beispiel zur Erläuterung: Gehen wir von einer Firma X aus. Der Aktienkurs steht bei 100 Euro und die letzte Jahresdividende betrug 3 Euro. Die Dividendenrendite liegt also bei 3 Prozent. Nun erleidet Firma X einen heftigen Gewinneinbruch. Der Aktienkurs stürzt auf 50 Euro ab. Was bedeutet das für die Dividendenrendite? Sie steigt auf vermeintlich sehr attraktive 6 Prozent!

Es liegt auf der Hand, dass die hohe Dividendenrendite in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen ist. Denn aufgrund des starken Gewinneinbruchs wird die Firma X ihre Dividende von 3 Euro kaum halten können. Der Vorstand wird die Dividende in diesem Jahr wahrscheinlich stark zusammenstreichen oder ganz ausfallen lassen. Doch selbst wenn die Dividende konstant bleibt, ist das nicht unbedingt ein Gewinn für die Aktionäre. Denn dann bestünde die Gefahr, dass die Ausschüttung teilweise aus der Substanz bezahlt würde – was dem Unternehmen mittelfristig schaden und den Kurs weiter belasten kann.

Keine Erfolgsgarantie

Doch auch bei dividendenstarken Unternehmen, die nicht in solch negatives Fahrwasser geraten, gibt es keine Erfolgsgarantie an der Börse. In den vergangenen fünf Jahren zum Beispiel konnte der maßgebliche weltweite Index für dividendenstarke Aktien nicht mit dem allgemeinen Marktdurchschnitt mithalten (siehe Grafik).

Anlegern, die in dividendenstarke Aktien investieren möchten, empfiehlt es sich daher, die Unternehmen vorab genau unter die Lupe nehmen und umfassend nach verschiedenen Qualitätskriterien abzuklopfen. Folgende Fragen sollten dabei im Mittelpunkt stehen: Wie ist die Stellung des Unternehmens in seiner Branche? Wie wahrscheinlich ist es, dass die Firma ihre Gewinne und damit auch ihre Dividende halten oder sogar steigern kann? Wie gut ist das Management?

Die gleiche Vorgehensweise empfiehlt sich übrigens, wenn man sich für einen ETF entscheidet, der in dividendenstarke Aktien investiert. Hier stellen sich folgende Fragen: Welchen Index bildet der ETF ab? Wie werden die Aktien für diesen Index ausgewählt? Wie nachhaltig sind die Dividenden?

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Machen Sie es sich einfacher

Sie sehen also: In dividendenstarke Aktien zu investieren, kann eine gute strategische Entscheidung sein. Doch die Auswahl ist nicht einfach und das Risiko entsprechend hoch, dass man sich für die falschen Aktien oder auch für die falschen ETFs entscheidet. 

Tipp: Lassen Sie sich von einem Experten in einem VZ VermögensZentrum in Ihrer Nähe erläutern, wie eine sinnvolle Dividendenstrategie aussehen könnte. Das Erstgespräch ist kostenlos.