Geldanlagen

Gelassenheit ist oberste Anlegerpflicht

Die Weltpolitik bestimmt derzeit das Geschehen an den Finanzmärkten. Die Ölpreise steigen und die Aktienkurse fallen. Doch das dürfte eine Momentaufnahme bleiben. Anleger sollten an ihrer Strategie festhalten.

Michael Ausfelder

Analyst

Der Ukraine-Konflikt und Sorgen wegen möglicher deutlicher Zinserhöhungen in den USA haben die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Seit Wochen geht es mit den wichtigsten Indizes deutlich bergab – immer wieder unterbrochen von kurzzeitigen, auch kräftigen Erholungen. Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Lage an der Börse am Donnerstag noch einmal erheblich verschärft.

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Warum der Ölpreis steigt

Spiegelbildlich zu den Aktienkursen entwickelt sich derzeit der Ölpreis. Er steigt kräftig. Die Nordsee-Sorte Brent zum Beispiel ist aktuell auf einem Fünfjahreshoch angelangt. Am Donnerstag stieg sie deutlich über die Marke von 100 Dollar. Zum Vergleich: Im April 2020, nahe dem Pandemietief, war das Nordsee-Öl noch für gut 20 Dollar zu haben (siehe Grafik).

Für den kräftigen Ölpreisanstieg gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen hat sich die Weltwirtschaft viel stärker als erwartet von den Corona-Folgen erholt. Das hat die Nachfrage regelrecht nach oben katapultiert. Und zum anderen befürchten die Märkte, dass die militärische Eskalation in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen des Westens zu Versorgungsengpässen führen könnte. Die hohen Ölpreise sind auch ein Grund für die stark gestiegene Inflation und die damit einhergehenden hohen Konsumentenpreise in Deutschland und in vielen Teilen der Welt.

Auch die Anleihenkurse sind zuletzt deutlich gefallen. Hohes Wirtschaftswachstum und rekordhohe Inflation passen nicht mehr mit minimalen oder sogar negativen Anleihenrenditen zusammen. Für die zehnjährige Bundesanleihe gibt es jetzt sogar wieder eine positive Rendite. Das hat man lange nicht gesehen.

Kurzschlussreaktionen vermeiden

Sollten Anleger ihr Geld nun von den Aktienmärkten abziehen und das Geld in Ölzertifikate umschichten? Bloß nicht! Die Erfahrung lehrt, dass solche Entwicklungen, so dramatisch sie sich auch anfühlen mögen, nicht von Dauer sind. Gut möglich, dass der Ölpreis kurzfristig deutlich über 100 Dollar steigt und die Aktienkurse noch eine ganze Weile unter Druck bleiben. Doch niemand außer vielleicht Wladimir Putin weiß, wie die Sache ausgeht.

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So lief es an den Aktienmärkten während des Golfkrieges

Auch wenn die Kampfhandlungen in der Ukraine sich noch verschärfen muss es – so zynisch es auch klingen mag – nicht zwangsläufig mit den Aktienkursen nachhaltig abwärts gehen. Historisches Beispiel gefällig? Im März 2003 griffen Amerikaner und Briten den Irak an und lösten damit den dritten Golfkrieg aus. In Erwartung des Konflikts waren die von der Dotcom-Krise ohnehin schon stark gebeutelten Aktienmärkte in den Tagen vor dem Angriff auf Mehrjahrestiefstände gefallen. Doch praktisch zeitgleich mit dem Einmarsch der "Koalition der Willigen" in den Irak begann an den Aktienbörsen die Trendwende nach oben.

Anlagestrategie auf den Prüfstand stellen

Egal wie es diesmal kommt: Anleger sind gut beraten, Gelassenheit zu demonstrieren und an den Aktienmärkten investiert zu bleiben. Wer mit seiner Anlagestrategie in der Vergangenheit erfolgreich war, für den gibt es keinen Grund, von ihr abzukehren. Insbesondere das Unterfangen, jetzt zu verkaufen und später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen, ist zwar verlockend, birgt aber ein enormes Risiko. Denn selbst wenn die Kurse weiter sinken sollten, ist die Gefahr extrem hoch, später den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg zu verpassen.

Eine Phase wie diese kann aber ein sinnvoller Anlass sein, eine nicht gut funktionierende Anlagestrategie infrage zu stellen. Ein Experte des VZ Vermögenszentrums hilft Ihnen gerne dabei, Ihre Strategie auf den Prüfstand zu stellen und auf Ihre individuellen Bedürfnisse hin zu optimieren. Vereinbaren Sie dazu ein kostenfreies Erstgespräch in einem VZ in Ihrer Nähe.