Geldanlagen

Fast 7 Prozent Inflation in den USA: So sollten Sie jetzt darauf reagieren

In den USA erreicht die Inflation spektakuläre Dimensionen: Im November kletterte sie auf 6,8 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 1982. Es handelt sich um die weiter gefasste Version der Inflationsrate, die sogenannte Headline-Inflation, die auch die Preise für Energie und Nahrungsmittel berücksichtigt. Die Ursachen haben viel mit der Corona-Pandemie zu tun: Materialengpässe, Lieferprobleme und explodierende Energiekosten.

Michael Ausfelder

Analyst

Immerhin: Die von der US-Notenbank Fed als Ziel-Kennzahl der Geldpolitik am meisten beachtete Kerninflationsrate lag mit 4,9 Prozent deutlich niedriger, aber ebenfalls auf einem vergleichsweise sehr hohen Niveau. Die während des Lockdowns und den damit verbundenen Konsumbeschränkungen aufgestaute Nachfrage entlädt sich nun: So kletterten die Preise für Gebrauchtwagen im Jahresvergleich um 31 Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich immerhin um sechs Prozent. Größter Preistreiber war aber Energie mit einem Plus von 33 Prozent. Entsprechend wird für 2021 auch ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent erwartet.

Die Kerninflationsrate berücksichtigt die Preise für Energie- und Nahrungsmittel allerdings nicht, weil sie sehr schwankungsanfällig sind und damit auch nicht als Komponenten in die längerfristige Steuerung der Geldpolitik einbezogen werden. 

Ausstieg aus ultra-lockerer Geldpolitik dürfte sich beschleunigen

Doch auch mit "nur 4,9 Prozent" hat sich die Inflationsrate in den USA weit vom Inflationsziel der Fed entfernt, das wie bei der EZB bei zwei Prozent liegt. Zudem ist die Fed auch einer möglichst niedrigen Arbeitslosenquote verpflichtet: Aktuell herrscht in den USA fast schon wieder Vollbeschäftigung, sodass es auch diesbezüglich keinen Grund mehr gibt, an der ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten. 

Beobachter erwarten nun, dass die Fed den heftigen Anstieg der Teuerung zum Anlass nimmt, den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik zu beschleunigen. Denn Fed-Chef Jerome Powell ist bereits mehrfach von seiner ursprünglichen Einschätzung abgerückt, dass die Teuerung ausschließlich auf Corona-Sonderfaktoren zurückzuführen sei.

Zwei-Prozent-Ziel in weite Ferne gerückt

Zwar ist nicht davon auszugehen, dass sich die Inflation dauerhaft nahe sieben Prozent halten wird. Schon das Auslaufen der Basiseffekte aus den sehr niedrigen Vergleichszahlen von vor einem Jahr wird dazu beitragen, dass die Zahlen 2022 weniger dramatisch aussehen werden. Gebrauchtwagenpreise beispielsweise konnten nur so stark ansteigen, weil wegen fehlender Computerchips weltweit viel weniger Neuwagen gebaut werden konnten als benötigt. Es ist zu erwarten, dass schon bald wieder mehr Computerchips zur Verfügung stehen werden und sich die globalisierten Lieferketten entwirren, sodass sich sukzessive Erleichterung an der Preisfront einstellen kann. Das Ziel von zwei Prozent Inflation ist jedoch vorerst in weite Ferne gerückt.

Die Fed gerät damit unter Zugzwang, ihre ultra-lockere Geldpolitik früher zu beenden als bislang geplant. So könnte die Reduzierung der Anleihekäufe (das sogenannte Tapering) schon bald auf 30 Milliarden Dollar im Monat verdoppelt werden, sodass das Programm Ende März 2022 komplett beendet wäre. Eine erste Leitzinserhöhung wäre dann bereits im zweiten Quartal 2022 möglich.

Merkblatt

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Aktien bleiben attraktiv

Was bedeutet das für Anleger? Grundsätzlich gilt: Steigende Zinsen sind keine gute Nachricht für Aktionäre, denn dadurch werden Anleihen als Konkurrenz-Anlageklasse zu Aktien wieder attraktiver. Außerdem verteuert ein höherer Marktzins die Refinanzierung von Unternehmen, was vor allem Firmen, die wenig bis keine Gewinne erwirtschaften oder einen hohen Schuldenstand haben, stärker belasten dürfte.

Allerdings werden die Zinsen auch nach der möglicherweise Mitte 2022 startenden Zinserhöhung auf absehbare Zeit im historischen Vergleich sehr niedrig bleiben. Die letzte Phase von Zinserhöhungen in den USA von 2015 bis Mitte 2019 zeigte, dass sich der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten trotz ansteigendem geldpolitischem Gegenwind fortsetzte. Der S&P 500 kletterte in dieser Zeit von rund 2.000 auf 3.000 Punkte. Der Leitzins stieg im gleichen Zeitraum von nahe null auf 2,5 Prozent. Steigende Unternehmensgewinne sind für diese sehr vorteilhafte Kursentwicklung der entscheidende Faktor gewesen. Obwohl der Aufschwung nach dem Coronatief 2020 eine nicht zu wiederholende Gewinnexplosion ausgelöst hat, ist trotzdem nach vorne blickend mit einer soliden Ertragslage der Unternehmen zu rechnen und entsprechend weiterem Potenzial für die Aktienmärkte. 

Schlussfolgerung: Anleger sollten auch weiterhin am Aktienmarkt investiert bleiben. Qualitativ hochwertige Aktien mit solidem Gewinnwachstum und unterdurchschnittlicher Verschuldungsquote konnten auch in der Vergangenheit in Zeiten steigender Marktzinsen im Kurs zulegen.