Geldanlagen

Der DAX ist nicht das Maß aller Dinge

Der DAX ist in Deutschland praktisch ein Synonym für Börse und Aktienanlage. Doch Anleger, die sich nur an ihm orientieren, begehen einen großen Fehler.

Maximilian Felsl

Anlageexperte

Viele deutsche Anleger halten Aktien der Deutschen Telekom, von Bayer, VW oder der Deutschen Bank oder sind in Fonds investiert, die überwiegend oder ausschließlich in den DAX investieren. Dagegen ist nichts zu sagen – wenn es nicht ihre einzigen Investments sind. Doch tatsächlich ist es so, dass zahlreiche Anleger nicht über den nationalen Tellerrand hinausschauen: Außer den DAX-Werten kommt ihnen nichts ins Depot.

Die Tücken des Home Bias

Home Bias nennt die Wissenschaft diese Neigung der Anleger, nur in heimische Wertpapiere zu investieren. In gewisser Hinsicht ist sie auch nachvollziehbar: Unternehmen wie Allianz, Daimler oder Fresenius sind den meisten Bundesbürgern nun einmal vertrauter als Zurich Versicherung, Toyota oder Novo Nordisk.

Doch die starke Neigung zum Heimatmarkt ist problematisch: Der entscheidende Fehler ist die mangelnde Diversifikation und das damit einhergehende höhere Risiko für den Anleger. Denn wer nur in Deutschland investiert und hier auch nur in die größten Konzerne, der begibt sich in die Abhängigkeit von der Entwicklung der heimischen Wirtschaft.

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Auch wenn es um die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich relativ gut steht, kann sich das jederzeit ändern. Denn gerade Deutschlands Großkonzerne sind in hohem Maße exportabhängig. Bricht zum Beispiel die Nachfrage aus einem wichtigen Abnehmerland wie den USA oder China ein, bekommen diese Konzerne das besonders deutlich zu spüren.

DAX mit vergleichsweise bescheidener Performance 

In der Vergangenheit ist das schon des Öfteren passiert. Unter den großen nationalen Aktienindizes ist der DAX daher einer der schwankungsanfälligsten. Das bedeutet: Die Kursausschläge sind beim DAX besonders stark. Auch wenn Aktienanlagen nur für langfristige Investments in Betracht kommen, ist das besonders nachteilig für Anleger, die zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen müssen.

Wer nun denkt, die Inkaufnahme des erhöhten Risikos beim DAX werde für Anleger auf lange Sicht mit einer höheren Rendite belohnt, der irrt gewaltig: Zwar befindet sich der DAX mit rund 16.000 Punkten aktuell auf Rekordniveau. Im Vergleich mit dem breit gestreuten Weltaktienindex MSCI World hinkt die Performance des DAX langfristig aber deutlich hinterher. Laut dem Marktanalysetool Morningstar lag die durchschnittliche Jahresrendite des DAX zwischen 2001 und 2021 bei rund 5 Prozent, beim MSCI World waren es rund 7,4 Prozent. Bedenken müssen Anleger dabei allerdings: Bei internationalen Investments sind Währungsschwankungen möglich. Zudem sind vergangene Renditen kein Indikator für die Zukunft.