Geldanlagen

Das muss man zur Geldpolitik der Notenbanken wissen

Die großen Notenbanken haben angefangen, die Zinsen schrittweise zu erhöhen. Doch sie verfügen über weitere Instrumente, um die Geldpolitik zu steuern. Ein Erklärstück. 

Michael Ausfelder

Analyst
Publiziert am
03. August 2022

Die Zentralbanken legen auch im Sommer keine Pause ein: Schon im Juni hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent erhöht. Selbst die bislang sehr zurückhaltende Europäische Zentralbank (EZB) hat am 21. Juli erstmals seit elf Jahren wieder die Leitzinsen angehoben – und zwar anders als von vielen Experten erwartet nicht nur um 0,25 Prozentpunkte, sondern gleich um einen halben Prozentpunkt. Einen besonders kräftigen Schluck aus der Pulle hat sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) genehmigt: Am 27. Juli hat sie die Leitzinsen um weitere 0,75 Prozentpunkte angehoben.

Der Grund ist immer derselbe: Angesichts der hohen Inflationsraten können es sich die Notenbanken nicht mehr leisten, ihre jahrelange expansive, wirtschaftsunterstützende Geldpolitik fortzuführen. Denn ohne Zinserhöhungen würden die Notenbanken die bereits stark angestiegene Inflation weiter nach oben treiben. Daher erfolgte bei den Notenbanken in den vergangenen Monaten ein Umdenken – notgedrungen.

Doch was bedeutet das genau? Nachfolgend erklären wir ein paar Begriffe, die im Zusammenhang mit Notenbanken immer wieder fallen.

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Leitzinsen

Leitzinserhöhungen und -senkungen sind ein klassisches Instrument der Notenbanken, um die Geldpolitik zu steuern. Steigen die Zinsen, wird es für die Geschäftsbanken teurer, Geld bei ihrer Notenbank auszuleihen. Die Geschäftsbanken geben die höheren Kosten an ihre Kunden weiter. Entsprechend sinken die Anreize in der Privatwirtschaft, Kredite zu beziehen. Gleichzeitig werden Anleihen interessanter, weil sie höhere Zinsen abwerfen.

Gesamtwirtschaftlich haben Zinserhöhungen das Ziel, die Konjunktur abzukühlen und die Teuerungsrate zu senken. In einem solchen Umfeld steigt die Sparquote der Bevölkerung, während die Neigung zum Investieren eher sinkt.

Mindestreservesätze

Ein weiteres Instrument der Notenbanken sind die Mindestreservesätze, die Geschäftsbanken als Sicherheit hinterlegen müssen. Dieses Geld steht den Banken dann nicht zur Kreditvergabe zur Verfügung. Erhöht die Notenbank den Mindestreservesatz, wird die umlaufende Geldmenge reduziert. Auch diese Maßnahme kann zur Senkung der Inflation beitragen.

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Anleihekaufprogramme

Seit der Finanzkrise 2007/2008 sind die Notenbanken zunehmend durch direkte Käufe von Staats-, später auch Unternehmensanleihen tätig. Darunter versteht man den Kauf von Wertpapieren unmittelbar bei den Geschäftsbanken oder über die Börse. Ein durch dieses Programm künstlich gesenktes Zinsniveau hatte das Ziel, durch mehr ausgegebene Kredite die Wirtschaft zu stimulieren. Dabei wurde das relative Gewicht der jeweiligen Volkswirtschaft an der gesamten Eurozone auch beim Anteil der Anleihekäufe im Durchschnitt umgesetzt. Ende Juni dieses Jahres wurde das Anleihekaufprogramm der EZB beendet. Anleihen, die im Rahmen dieses Programms gekauft wurden und zur Endfälligkeit auslaufen, werden jedoch wieder durch den Kauf neuer Anleihen durch die EZB ersetzt.

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Auf diese Weise wurde die Wirtschaft der Eurozone gestützt, aber auch die Geldmenge ausgeweitet. Je nach Währungsraum haben die Notenbanken unterschiedliche Ziele. Ein Ziel ist die Sicherstellung der Preisstabilität. Hinzu kommt die Unterstützung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes, sofern dies nicht dem Inflationsziel entgegensteht.

Was bedeuten die jüngsten Notenbankentscheidungen für Sparer und Anleger?

Für Vorsorgesparer ändert sich durch die Entscheidungen der Notenbanken erstmal nichts, solange die Inflationsraten über den Zinsniveaus bleiben. Denn dadurch bleiben die Realrenditen (Zinsen minus Inflation) negativ und das eingesetzte Kapital verliert an Kaufkraft. Daher ist ein breit gestreutes Anlageportfolio mit Aktien, Anleihen und eventuell auch Immobilien sinnvoll. Sämtliche Anlageklassen lassen sich mittels börsengehandelter Indexfonds (ETFs) günstig und transparent umsetzen.

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