Geldanlagen

Börsen-Höchststand – jetzt noch einsteigen?

Die Aktienmärkte bewegen sich auf Rekordniveau. Viele, die bislang noch nicht an der Börse investiert sind, liebäugeln mit einem Einstieg. Doch sie fragen sich, ob die Kurse nicht schon zu hoch sind. Das ist jedoch die falsche Einstellung, um erfolgreich zu sein. Die Erfahrung lehrt: Je länger der Anlagezeitraum, desto unwichtiger der Einstiegszeitpunkt.

Henrik Arning

Anlageexperte

Angesichts von Strafzinsen auf Spar- und Tagesgeldkonten erwägen viele Sparer, zumindest einen Teil ihres Kapitals an den Aktienmärkten zu investieren. Doch das aktuell hohe Kursniveau hält sie davon ab. Sie fürchten, Aktien seien schon zu teuer und wollen lieber die nächste Kursdelle abwarten, ehe sie einsteigen. Solche Gedanken sind durchaus nachvollziehbar. Doch sie führen meist dazu, dass man am Ende überhaupt nicht investiert – und dauerhaft auf die Chancen verzichtet, die die Aktienmärkte bieten.

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Die meisten warten zu lange mit dem Einstieg

Denn seien wir ehrlich, eine Ausrede, es mit der Börse bleiben zu lassen, lässt sich immer leicht finden: Sind die Kurse hoch, wie derzeit, lässt man es aus den oben genannten Gründen bleiben. Sind sie gerade gefallen, wartet man lieber ab: Es könnte ja noch weiter runter gehen. Und geht es nach einer Delle doch schnell wieder hoch, tut man auch nichts: Denn dann könnte es ja schon wieder zu spät sein.

Merkblatt

Mit einem ETF-Sparplan günstig ein Vermögen aufbauen

Sparkonten sind bei niedrigen Zinsen ein Verlustgeschäft. Fondssparpläne sind keine gute Alternative, denn hohe Gebühren zehren an der Rendite.

Das perfekte Timing ist ein Ding der Unmöglichkeit

"Anleger müssen sich darüber im Klaren sein: Bei der Aktienanlage ist das richtige Timing, also den perfekten Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg zu finden, eine Kunst, die nicht einmal Profis beherrschen", sagt Tom Friess. "Sie sollten es also gar nicht erst versuchen und einfach permanent investiert sein. Kursdellen sollten Sie einfach aussitzen oder sogar zum günstigen Nachkaufen nutzen." 

Zwei wichtige Regeln gelte es dabei allerdings zu beachten. Regel Nummer eins: Es sollte niemals Kapital investiert werden, das kurzfristig für Anschaffungen gedacht ist oder das als eiserne Reserve dienen soll. Regel Nummer zwei: Es sollte niemals auf Kredit, also auf Pump, an der Börse investiert werden. Beides wäre viel zu riskant.

Auf lange Sicht fast immer auf der Gewinnerseite

Wer jedoch Kapital investiert, auf das er langfristig nicht angewiesen ist, dem eröffnen sich an den Aktienmärkten gute Renditechancen. In einem breit aufgestellten Depot lässt sich dabei eine gute Risikostreuung erreichen. "Richtig ist, dass es an der Börse keine Garantie auf Kursgewinne gibt und dass es immer wieder zu Kursrücksetzern kommt. Richtig ist aber auch: Mit einem breit diversifizierten Aktienportfolio haben Anleger in der Vergangenheit auf längere Sicht fast immer Gewinne erzielt – egal zu welchem Zeitpunkt sie eingestiegen sind", so Tom Friess. Falsch haben in der Vergangenheit nur diejenigen gehandelt, die ihr Kapital nicht breit genug gestreut haben und die die Geduld verloren und frühzeitig wieder ausgestiegen sind – oder gar nicht erst eingestiegen sind. 

ETF-Sparpläne reduzieren Risiken an der Börse zusätzlich

Wer seine Risiken an der Börse noch weiter reduzieren möchte, ohne auf Renditechancen zu verzichten, richtet am besten einen ETF-Sparplan ein. ETFs sind kostengünstige Indexfonds, die ganze Börsenindizes abbilden. Der Anleger investiert also breit gestreut. Er muss sich jedoch bewusst machen, dass ETFs wie Aktien Verlust- und Wertschwankungsrisiken unterliegen, bei weltweiten Investments bestehen auch Fremdwährungsrisiken. 

Sparpläne, also das regelmäßige Investieren zum Beispiel in ein Depot, verfügen über einen für Anleger ausgesprochen günstigen Automatismus: den Cost-Average-Effekt – zu Deutsch: Durchschnittskosteneffekt. Will heißen: Wer zum Beispiel jeden Monat 500 Euro in ein ETF-Portfolio einzahlt, der kauft automatisch nur wenige Anteile, wenn die Kurse gerade hoch sind, und entsprechend mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind. Auf diese Weise erhält er automatisch einen günstigen Durchschnittkurs.