Ruhestand

"Bei der Ruhestands-Planung sehe ich immer wieder denselben Fehler"

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des VZ mit Ergänzungen.

Wer nicht ausreichend privat vorsorgt, hat es in der Rente schwer. Wie der Weg in den sorgenfreien Ruhestand gelingt, erklärt Christian Lange vom VZ VermögensZentrum.

Wenn es um die Planung des Ruhestands geht, was ist der Fehler, den Sie am häufigsten sehen?

Christian Lange: Dass der Bedarf unterschätzt wird. Vielen denken:, Ich habe ja meine gesetzliche Rente und noch ein paar Reserven, das passt schon.‘ Was dabei ausgeblendet wird: Man will sich ja vielleicht auch noch was im Alter leisten. Oder man will die Kinder unterstützen. Oder braucht Geld für einen Umbau. Und natürlich darf man auch die Inflation nicht unterschätzen, die die Preise steigen lässt. Was ich damit sagen will: Ich sehe immer wieder, dass viele nicht ehrlich und seriös genug an die Rechnung rangehen, wieviel Geld sie im Alter brauchen.

Wie kann man den eigenen Bedarf und die Wunschrente ermitteln?

Christian Lange: Da geht man am besten in drei Schritten vor: Im ersten Schritt muss man sich mit seinen Ausgaben beschäftigen, also Miete oder Raten für den Baukredit, Essen, Versicherungen und so weiter. Anschließend schaut man, wie sich die Ausgaben im Ruhestand verändern. Manche fallen weg, zum Beispiel, wenn das Haus abbezahlt ist, oder verringern sich, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

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Wenn man seine Ausgaben ermittelt hat, was folgt dann?

Christian Lange: Im nächsten Schritt schaue ich, mit welchen Einnahmen ich im Alter rechnen kann. Also welches Vermögen habe ich, welche Rente kann ich erwarten und so weiter. So kann ich also abschätzen, welcher Betrag mir im Alter fehlt und wie groß meine Lücke ist.

Wer seine Ausgaben und Einnahmen gegenüberstellt, überlegt sich dann, wie er seine Rentenlücke schließt?

Christian Lange: Genau. Dann geht es darum, einen Plan für die private Vorsorge aufzustellen und Vermögen aufzubauen.

Wie geht man dabei am besten vor?

Christian Lange: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Basisrente, vielen besser bekannt als Rürup-Rente, ist zum Beispiel wegen der steuerlichen Vorteile eine gute Möglichkeit genauso wie die betriebliche Altersvorsorge. Ganz wichtig ist aber auch, dass man beim Ansparen auf Wertpapiere setzt, zum Beispiel ETFs. Hier kann ich hohe Rendite erzielen, die ich brauche, um Vermögens fürs Alter aufzubauen.

Wenn die Rentenlücke zu groß ist, was kann man dann tun?

Christian Lange: Wenn die Rechnungen zeigen, dass die Rentenlücke kaum zu schließen ist, ist es erstmal gut, dass frühzeitig zu wissen und nicht erst, wenn es zu spät ist und man schon in Rente ist. Denn so hat man noch Zeit, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen. Lässt sich vielleicht an der Ausgaben-Seite was machen, so dass ich jetzt mehr zurücklegen kann oder im Alter weniger brauche? Kann ich meine Einnahmen erhöhen, um mehr sparen zu können? Muss ich mein Geld anders anlegen, um eine höhere Rendite zu erzielen? Und wenn das alles nicht reicht, kann ich immer noch – sozusagen als letzte Möglichkeit - überlegen, meinen Rentenbeginn zu verschieben, um mehr ansparen zu können.

Viele setzen auf die eigene Immobilie als Altersvorsorge. Was halten Sie davon?

Christian Lange: Das ist für mich ein schwieriges Thema. Das Gute an einer Immobilie ist, dass sie beim Vermögensaufbau hilft. Durch die monatlichen Raten entsteht ein gewisser Sparzwang. Das ist nicht schlecht. Auf der anderen Seite rechnen sich viele Leute eine Immobilie massiv schön. Man darf nicht vergessen: So eine Immobilie bindet viel Kapital. Ich bin da wenig flexibel, wenn ich Geld brauche. Ein Depot kann ich Stück für Stück verkaufen, bei einem Haus ist das schwierig.

Im Eigenheim wohne ich im Alter aber doch mietfrei?

Christian Lange: Ja, das stimmt. Ich zahle keine Miete. Das heißt aber nicht, dass ich kostenfrei wohnen kann. Denn die Nebenkosten und die Instandhaltung darf man nicht ausblenden.

Wie sieht es aus, wenn man erst spät mit dem Sparen für das Alter anfängt: Hat man dann überhaupt noch eine Chance?

Christian Lange: Unbedingt! Man kann auch in fünf oder zehn Jahren einiges ansparen. Durch die kürzere Zeit hilft mir natürlich der Zinseszins weniger, da fällt sozusagen ein Motor weg. Auf der anderen Seite kann ich vielleicht größere Summen zurücklegen, weil ich mit 50 Jahren besser verdiene als ein Berufseinsteiger oder auch schon Kosten weggefallen sind, weil die Kinder nicht mehr im Haus wohnen. Und man darf nicht vergessen: Der Rentenbeginn ist nicht das Ende des Vermögensaufbaus. Auch mit 62 Jahren hat man in aller Regel noch einen Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr, der lang genug ist, um noch in Aktien investieren.