Kaufen oder mieten?
Süddeutsche Zeitung, 14.08.2009
Wer herausfinden will, ob es besser ist, ein Eigenheim zu erwerben oder zur Miete zu wohnen, kommt um ein wenig Rechenarbeit nicht herum. Tom Friess, Geschäftsleiter des VZ Vermögenszentrums in München, erklärt an einem Beispiel, wie es geht.
(...) In seiner Modellrechnung leben Käufer und Mieter in der gleichen Wohnung, beide starten mit 91.000 Euro Eigenkapital. Der Käufer zahlt für ein 75 Quadratmeter großes Appartement 302.000 Euro - einschließlich Nebenkosten für Makler, Grunderwerbsteuer und Notar. Der Wert der Wohnung soll jährlich um 0,5 Prozent steigen. Zur Finanzierung wird ein Darlehen von 211.000 Euro benötigt, das anfangs mit 1,5 Prozent getilgt wird und für das 4,7 Prozent Zinsen fällig werden. Um die Wohnung in Schuss zu halten und Nebenkosten zu begleichen, werden jährlich noch einmal 4200 Euro fällig, die Jahr für Jahr um zwei Prozent steigen, das ist die angenommene Inflationsrate.
Der Mieter dagegen zahlt 14 Euro Kaltmiete je Quadratmeter plus Nebenkosten, im ersten Jahr also 1260 Euro im Monat. Die Kaltmiete steigt um 1,5 Prozent jährlich, die Nebenkosten nehmen um zwei Prozent zu. Seine Ersparnisse legt der Mieter am Finanzmarkt an, ohne allzu große Risiken einzugehen, und bekommt dafür vier Prozent Zinsen. "Selbst unter dieser konservativen Annahme fährt der Mieter in den ersten 27 Jahren besser als der Käufer", sagt Friess. Das heißt konkret: Wenn er heute seine Wohnung kaufen und innerhalb der nächsten 27 Jahre verkaufen würde, hätte der Mieter ein höheres Nettovermögen als der Eigenheimbesitzer. Erst nach 28 Jahren dreht sich die Situation zu Gunsten des Käufers. Oder anders dargestellt: Nach 20 Jahren besäße der Käufer ein Nettovermögen von 200.000 Euro, der Mieter dagegen 22.000 Euro mehr. Zehn Jahre später sieht es anders aus: Dann gehörten dem Käufer bereits 314.000 Euro, dem Mieter aber nur 301.000 Euro.
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