Anlegen mit kühlem Kopf
Vodafone Online Portal, 25.01.2012
Haben Sie Angst um Ihr Geld? In der Euro-Krise hat das wohl jeder. Dabei müssen Sie gerade in Krisen Ruhe bewahren, denn Panik ist nie ein guter Rat. Viele Verbraucher stürzen sich auf Immobilien und Gold. Angeblich handelt es sich dabei um besonders krisenfeste Investitionen. Aber stimmt das überhaupt? Aktien meiden die meisten Anleger strikt - aber sind wir damit gut beraten?
(...)
Die Schuldenkrise dauert an. Mitte Januar hat Standard & Poor's die meisten Euro-Staaten heruntergestuft. In Deutschland läuft die Wirtschaft aber immer noch ganz gut. Doch Staatsschuldenkrisen führen häufig in eine Inflation. Niedrige Zinsen und ein schwacher Euro verstärken diese Tendenz leider noch. Nach Bankenpleiten und Verlusten bei Staatsanleihen droht unserem Geld nun also die Entwertung. Und auch Banken- und Staatspleiten könnten uns künftig noch weiter blühen.
Tagesgeld, Sparkonten und Co.
Daher sollten Sie renditearme Geldanlagen in Ihrem Portfolio gering gewichten. Die verlieren am meisten Wert in Inflationsphasen. Die EZB hat den Leitzins seit Jahren auf rund einem Prozent gehalten. Das ist ärgerlich für Geldanlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten. Christian Lange, Director Financial Consulting/Wealth Management beim VZ Vermögenszentrum München: "Bei Tagesgeldanlagen sollten Sie in nächster Zeit keinen Realgewinn erwarten". Das heißt aber nicht, dass Sie diese Investments meiden sollen!
Ist Gold der richtige Krisenanker?
Gold findet zur Zeit reißenden Absatz. Der Goldpreis bricht ständig neue Rekorde. Aber Gold ist riskant, daher sollte es höchstens zehn Prozent des angelegten Vermögens ausmachen. Finanzexperte Lange: "In den Inflationsphasen des 20. Jahrhunderts hat sich der Goldkurs im Durchschnitt klar negativ entwickelt". Gold entwickelt sich, entgegen dem Klischee, also nicht immer entgegen der allgemeinen Wirtschaftsentwicklungen. Als Goldanleger müssen Sie mit großen Schwankungen rechnen.
Immobilien als Garant der Sicherheit?
Auch Immobilien sind weit weniger wertbeständig, als viele Kaufinteressenten annehmen. Sogar in München lag die Preissteigerung in den letzten Jahren unter dem Inflationsschnitt, trotz sehr guter Preisentwicklung. Christian Lange: "Die Deutschen überlegen sich den Kauf eines Autos im Durchschnitt sechs mal so lang wie den Kauf einer Immobilie." Dabei investieren Sie in eine Immobilie im Normalfall weit mehr Geld als in ein Auto. Und bei weitem nicht so sicher, wie viele glauben. Vor einem Totalverlust sind Sie allerdings fast sicher.
Sollte ich Wertpapiere meiden?
Aktien sind riskant, aber deswegen sollten Sie diese Investition keineswegs ausschließen. Denn nur wenn Sie etwas riskieren, können Sie auch viel gewinnen. Anlage-Profi Christian Lange empfiehlt, das Portfolio zu etwa 25-35 Prozent aus Aktien aufzubauen. Riskantere Anlagen sollten aber möglichst einen längeren Anlagehorizont haben. Denn bei einem kleinen Aktiencrash aus dem Wertpapiergeschäft auszusteigen, ist sicherlich keine kluge Strategie. Aktien fahren in Inflationsphasen übrigens in der Regel hohe Gewinne ein. "Aktien können sich durchaus lohnen, wenn man die Schwankungen erträgt. Sie haben heute etwa zwei Drittel Substanz und nur Ein Drittel Erwartungen", wie Lange anmerkt.
Lange: "Ich will keine Werbung machen, aber davor warnen, Aktien den Rücken zu kehren". Aktien sind heute nicht mehr überbewertet, eher im Gegenteil. Das Verhältnis von substanziellem Unternehmenswert zum Börsenwert des Unternehmens war seit Jahren nicht mehr so günstig. Das bedeutet sicher nicht, dass Sie Verluste ausschließen können. Aber die langfristige Entwicklung an der Börse wird Ihnen vermutlich ordentliche Renditen einbringen.
Zur Übersicht